Gil Ofarim trägt einen Schal. Es ist zwar Winter in Deutschland, der Musiker steht aber in der Abflughalle des Rhein-Main-Flughafens, um gleich nach Australien ins RTL-Dschungelcamp zu fliegen. Aber eine Nachfrage, warum sein Hals nicht zu sehen ist, braucht es dennoch. »Trägst du deine Davidsternkette noch?«, will die RTL-Interviewerin wissen. Betonung auf »noch«. Denn da war doch was. Ofarim antwortet kurz: »Ja«. Wir wissen also Bescheid.
2021 hatte der heute 43-Jährige für einen Skandal gesorgt. Beim Einchecken in ein Leipziger Hotel trug er die Kette mit dem Magen David und behauptete später, ein Mitarbeiter habe ihn deswegen antisemitisch beleidigt. Das stellte sich als Lüge heraus. Für Ofarim ein Karriereknick, für viele ein Desaster, für RTL eine Chance.
Auch wenn schon Weltstars wie Helmut Berger oder Brigitte Nielsen aufs »Dschungelklo« mussten, soll ausgerechnet Gil Ofarim die bisherige Rekordgage der Sendung einstreichen: 300.000 Euro. Durch den Busch deutet RTL an, warum Ofarim für die Show wichtig ist. »Einige seiner Mitcamper bringen Fragen mit — wohl stellvertretend für unzählige Menschen in Deutschland«, heißt es im »Dschungelcamp-Ticker«.
»Geständnisse« und »Schockbeichten«
Idee der Show ist es, »Promis«, die für Bekanntheit alles tun, etwas zu demütigen. In »Dschungelprüfungen« müssen sie Krokodilpenis, Kamelanus oder Hirschhoden essen, und sich in absurden Krabbel- und Tauchwettbewerben lächerlich machen. Hauptsache eklig.
Wer in die Show will, um interessant zu erscheinen, hat’s schwer. Zwei persönliche Gegenstände dürfen die Kandidaten dabei haben, bei Ofarim ein Kissen und Ohrstöpsel. Dann sind draußen im Hotel noch persönliche Begleiter, die gerne interviewt werden. Bei Ofarim ist es sein Cousin Tzviki Cohen, ein Stylist aus Israel.
Und es gibt die nächtlichen Gespräche am lodernden Feuer. Da hoffen Kandidaten, endlich etwas für ihr Image tun zu können. Es sind die »Geständnisse«, »Enthüllungen« und »Schockbeichten« am Lagerfeuer, die für Quote sorgen. Sollten Ofarims Mitcamper dort herausfinden, was beim »Davidstern-Skandal« (RTL) 2021 wirklich passiert ist — hach, das wäre ein Fest für den Kölner Sender.
Reif für den Dschungel
Die Dschungelshow lebt von Vielfalt: Ex-Sportler, Schlagersternchen, internationale Filmstars, Teilnehmer anderer Trashshows mit allen möglichen sozialen Hintergründen. Auch jüdische Teilnehmer sind weder ungewöhnlich noch exotisch. Die Schauspielerin Rebecca Siemoneit-Barum und die Sängerin Indira Weiss waren etwa schon dabei. Aber diesmal sorgt ein Kandidat für Aufmerksamkeit, der der jüdischen Gemeinschaft mit einer Lüge arg geschadet hat.
Schon als Jugendlicher ist der Sohn des israelischen Sängers Abi Ofarim ins Showgeschäft gerutscht. Mit 15 Jahren in der »Bravo« und dann lauter TV-Auftritte: »Grill den Henssler«, »Schlag den Star«, »Das große Promibacken«, »The Masked Singer« oder »Let’s Dance«. An »The Voice of Germany« nahm Ofarim 2012 teil — da war Xavier Naidoo sein Coach, das Showbusiness ist gnadenlos.
Dann die Leipziger Lüge, die Ofarim reif für den Dschungel machte. »Die Zeit, die Jahre, die ich, sagen wir, von der Bildfläche weg war, haben vieles geändert in meinem Leben. Ich habe mich auch weiterentwickelt«, sagt Ofarim. »Und alles andere werden die Zuschauer dann selber entscheiden.«
»Er ist ein Unsympath!«
Damit es jedoch nicht allzu harmonisch zugeht, äußern sich bereits jetzt Leute mit ganz großer Dschungel-Expertise. »Wie er da gelogen hat, das finde ich ganz übel«, sagt Nicole Belstler-Böttcher, die als semibekannte Schauspielerin in Australien dabei ist. Und Stimmungssängerin Jasmin Herren weiß: »Er ist ein Unsympath!«
Solche Töne sind neu. Als Ingrid van Bergen 2009 ins Dschungelcamp ging, rief keiner nach Boykott — obwohl die Schauspielerin wegen Totschlags im Gefängnis gesessen hatte. Kader Loth, B-Promi-Ikone, die vermutlich schon in sämtlichen Trashshows dieser Welt war, prognostiziert: »Er wird viel einstecken müssen. Er wird zu jeder Prüfung geschickt und von den Zuschauern und den Kandidaten zerlegt werden.«
Wir bleiben auf Sendung.