Sehen

»Tel Aviv on Fire«

Verbotene Liebe: Szene aus »Tel Aviv on Fire« Foto: Patricia Peribánez

Der Absurdität und der Vielschichtigkeit des Nahostkonfliktes, sagte der israelische Autor Sayed Kashua einmal im Gespräch mit dieser Zeitung, wird man am besten mit den Mitteln der Satire gerecht.

Unter dieser Prämisse entstanden so großartige Filme wie die schrille Farce Das Schwein von Gaza oder das Drama Die syrische Braut. Mit weniger Knalleffekten, aber eindringlich und nah am Leben erzählt nun Regisseur Sameh Zoabi in seiner fein austarierten Kinokomödie Tel Aviv on Fire vom alltäglichen Wahnsinn in Israel und den palästinensischen Gebieten.

Fernseher In dem Film sind Israelis und Palästinenser endlich vereint – aber leider nur vor dem Fernseher. Denn dort läuft die kitschige Seifenoper Tel Aviv on Fire, ein Rührstück über eine palästinensische Agentin, die sich am Vorabend des Sechstagekriegs 1967 in einen israelischen General verliebt.

Der junge Palästinenser Salam (Kais Nashif) arbeitet als Drehbuchautor für die Serie. Bei Salams täglichen Stopps am Checkpoint fällt dem israelischen Kommandeur Assi (Yaniv Biton) das Manuskript der Produktion in die Hände. Assis Frau ist ein großer Fan der Soap-Opera, und jetzt sieht der von seinem Job frustrierte Assi seine große Chance kommen, um ihr zu imponieren. Zusammen mit Salam denkt er sich immer neue, absurde Plotwendungen aus. Könnte es sein, dass die Palästinenserin und der Jude am Ende sogar vor den Traualtar treten? Oder endet alles in einem furchtbaren Bombenattentat?

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Realität Vielsagend und ohne Peinlichkeiten werden die freudlose Realität und die bonbonbunte Fiktion gegenübergestellt. Für den schüchternen Protagonisten Salam ist das Leben alles andere als ein Zuckerschlecken. Den Job bei der Serie hat er nur, weil sein Onkel Bassam der Produzent ist. Und seine Angebetete Mariam, eine erfolgreiche Ärztin, würdigt ihn keines Blickes. Dafür möchte Tala, die strahlende Serien-Hauptdarstellerin, mit ihm am liebsten nach Paris durchbrennen.

Schauspieler Kais Nashif liefert als Salam die sensible Charakterstudie eines Palästinensers, der unter der Politik leidet, aber nicht verbittert ist und mit störrischem Mut sein Leben zu meistern versucht. Und so verwandelt sich der linkische Pechvogel mit Hilfe von Assi schließlich in einen erfolgreichen Drehbuchautor, dem am Ende auch die richtigen Herzen zufliegen.

An die Fähigkeit der Politik, Probleme zu lösen, glaubt in diesem hellsichtigen Film allerdings niemand mehr – aber die Menschen haben sich ihren Sinn für die Liebe und das private Glück bewahrt.  jvg/ja

Be'eri

Nach dem 7. Oktober

Daniel Neumann hat den Kibbuz Be’eri besucht und fragt sich, wie es nach all dem Hass und Horror weitergehen kann. Er weiß, wenn überhaupt, dann nur in Israel

von Daniel Neumann  01.01.2026

Daniel Kahn

»Das Akkordeon war ein Schlüssel«

Der Musiker über seine Liebe zum Instrument des Jahres 2026

von Christine Schmitt  01.01.2026

Erhebung

Dieser hebräische Babyname ist in Deutschland am beliebtesten

Welche Namen geben Eltern ihren Sprösslingen in diesem Jahr am liebsten? In welchen Bundesländern gibt es Abweichungen?

 01.01.2026 Aktualisiert

Sehen!

Fast alles über Johann Strauss

Eine Ausstellung im Jüdischen Museum Wien

von Tobias Kühn  31.12.2025

Shkoyach! Die Kulturkolumne

Der »Seinfeld«-Effekt oder: Curb your Antisemitism!

2026 kann ja heiter werden

von Sophie Albers Ben Chamo  31.12.2025

Sprachgeschichte

Rutsch, Rosch und Rausch

Hat der deutsche Neujahrsglückwunsch wirklich hebräische Wurzeln?

von Christoph Gutknecht  31.12.2025 Aktualisiert

Programm

Götter, Märchen und Le Chaim: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 31. Dezember bis zum 13. Januar

 31.12.2025

Forum

Leserbriefe

Kommentare und Meinungen zu aktuellen Themen der Jüdischen Allgemeinen

 28.12.2025

Film

Spannend, sinnlich, anspruchsvoll: »Der Medicus 2«

Nach zwölf Jahren kommt nun die Fortsetzung des Weltbestsellers ins Kino

von Peter Claus  25.12.2025