Kino

Streit um israelisches Filmfestival in Paris

Lior Ashkenazi bei der Verleihung der israelischen Ophir Awards 2017. Er wurde für seine Hauptrolle in »Foxtrot« ausgezeichnet. Foto: Flash 90

Israels Kulturministerin Miri Regev (Likud) will einem israelischen Filmfestival in Paris die Unterstützung entziehen, weil der umstrittene Spielfilm Foxtrot von Samuel Maoz über den Wehrdienst eines Soldaten an einem Checkpoint die Veranstaltung eröffnen soll. Das berichtete die israelische Zeitung »Haaretz«.

Regev habe sich am Wochenende in Paris mit der israelischen Botschafterin Aliza Ben-Nun getroffen und sei dabei darüber informiert worden, dass Foxtrot das Festival eröffne, hieß es weiter, hieß es weiter. Nun wolle Regev darauf hinarbeiten, dass die Förderung aus Israel gestrichen wird. Israel unterstützt das Filmfestival in Paris seit 18 Jahren.

Botschafterin Ben-Nun sagte laut Haaretz, das Geld sei überwiesen worden, bevor klar war, dass Foxtrot das Festival im März 2018 eröffnet. »Wir kämpfen sehr stark gegen BDS, und dieser Film wird (von BDS) gegen uns benutzt«, so die Botschafterin.

Außenministerium Das israelische Außenministerium teilte mit, es habe versucht, die Veranstalter zu überzeugen, einen anderen Eröffnungsfilm zu wählen. Da dies nicht geschehen sei, habe man die Botschafterin angewiesen, nicht an dem Festival teilzunehmen.

Foxtrot von Samuel Maoz spielt an einem Checkpoint und setzt sich mit den Auswirkungen des Wehrdienstes für die Familie des Soldaten und die israelische Gesellschaft auseinander. Der Spielfilm war beim Filmfestival in Venedig mit dem Großen Preis der Jury und in Israel mit dem Ophir Award für den besten Spielfilm ausgezeichnet worden. Lior Ashkenazi, der auch in dem Berlinale-Wettbewerbsbeitrag 7 Days in Entebbe auftritt, spielt in Foxtrot die Hauptrolle.

Berlinale Regisseur Samuel Maoz ist Gast der 68. Internationalen Filmfestspiele in Berlin und tritt dort am kommenden Dienstag (20. Februar) gemeinsam mit Katriel Schory auf, Leiter des Israeli Film Fund, bei der Veranstaltung »Dancing Foytrott« auf. Beide diskutieren laut Berlinale über die Entstehungsgeschichte von Foxtrot und die Rolle des Kinos als Instrument der Demokratie. Schory wird bei der Veranstaltung mit einer Berlinale-Kamera ausgezeichnet.

Zahl der Woche

13 Sommer- und Winter-Machanot

Fun Facts und Wissenswertes

 27.01.2026

Kairo/Berlin

Ägypten verbietet Buch zu Gaza-Krieg - Autoren: Das Interesse ist riesig

Ihr Streitgespräch über den Nahostkonflikt sorgte in Deutschland für viel Aufmerksamkeit - doch Ägyptens Zensur verbietet das Buch von Philipp Peyman Engel und Hamed Abdel-Samad. Die Autoren nehmen es eher gelassen

 27.01.2026

USA

Kanye West entschuldigt sich erneut für Antisemitismus

In einer ganzseitigen Anzeige im Wall Street Journal schreibt der Rapper: »Ich bin kein Nazi und kein Antisemit. Ich liebe jüdische Menschen.«

 27.01.2026

Meinung

Ein Schmock kommt selten allein

Im »Dschungelcamp« scheint Gil Ofarim in bester Gesellschaft. Doch was hat er aus seiner Lüge in der »Davidstern-Affäre« gelernt?

von Ayala Goldmann  27.01.2026

Meinung

»Zeit Geschichte« stellt sich in eine unsägliche Tradition

Das Titelbild der neuen Ausgabe des Hefts reduziert den Nahostkonflikt auf ein simples Gut-gegen-Böse-Schema. Immer wieder nutzen renommierte Medien problematische Bildsprache, wenn es um Israel geht

von Nikolas Lelle  27.01.2026

Oscar-Nominierungen

Natalie Portman: Frauen kommen zu kurz

Man sehe die Hürden für Regisseurinnen auf jeder Ebene, so die Schauspielerin

 27.01.2026

Fernsehen

Und dann sagt Gil Ofarim: »Jetzt habe ich ein bisschen was kapiert«

Am 4. Tag im Dschungelcamp spielte sich alles ab, wofür der Begriff »Fremdschämen« erfunden wurde

von Martin Krauß  26.01.2026

Serie

»Holocaust«-Serie: Wendepunkt der deutschen Erinnerungskultur

Vor 47 Jahren wurde im öffentlich-rechtlichen Fernsehen die US-Serie »Holocaust - Die Geschichte der Familie Weiss« ausgestrahlt. Der damals verantwortliche Leiter der Hauptabteilung Fernsehspiel erinnert sich an Widerstände und weinende Anrufer

von Jonas Grimm  26.01.2026

Der diesjährige Lerntag "Jom Ijun" findet am 1. Februar im Gemeindezentrum der ICZ in Zürich statt.

Interview

»Wir sind in der kleinen jüdischen Welt einsam«

Der diesjährige Lerntag »Jom Ijun« beleuchtet das innerjüdische Spannungsfeld zwischen Gemeinschaft und Individualismus. Warum auch der jüdische Diskurs davon betroffen ist, erklären die Organisatoren Ron Caneel und Ehud Landau im Gespräch

von Nicole Dreyfus  26.01.2026