Klassik

Spezialist in allen Sparten

Cellist, Cembalist, Dirigent: Jonathan Cohen Foto: Freeman Photographics

Klassik

Spezialist in allen Sparten

Jonathan Cohen ist einer der gefragtesten Musiker seiner Generation

von Jonathan Scheiner  14.12.2015 18:27 Uhr

In Fachkreisen wird er schon länger als »einer von Englands hervorragendsten jungen Musikern« gehandelt. Doch es hat seine Zeit gedauert, bis sich auch auf dem Festland herumgesprochen hat, warum der 1977 geborene Cellist, Cembalist und Dirigent Jonathan Cohen zu den gefragtesten Musikern seiner Generation zählt.

Ihn zu bestaunen, ist nun nicht nur dank mehrerer neuer CDs des Musikers möglich, sondern auch bei zwei Konzerten. Die beiden Auftritte in Köln (25. Dezember) und München (21. Januar 2016) stehen symptomatisch für einen Musiker, der sich auch gerne außerhalb seiner Komfortzone bewegt.

Komfortzone Aber was bedeutet eigentlich Komfortzone bei einem Mann, der zuletzt mit der jungen Star-Geigerin Vilde Frang ein umjubeltes Mozart-Album aufgenommen hat, um fast zeitgleich mit den Sopranistinnen Christiane Karg und Anna Prohaska ein weites Feld zwischen Monteverdi, Haydn und Mendelssohn zu beackern?

Jonathan Cohen ist, was seine Zuordnung zu einer bestimmten Musik-Epoche angeht, schwer zu fassen. Cohen ist nicht nur in der Alten Musik zu Hause, sondern auch in der Klassik. Seine Vielseitigkeit spiegelt nicht zuletzt das Programm beim Konzert in der Kölner Philharmonie am 25. Dezember mit der Solistin Veronika Eberle an der Geige, bei dem Haydn, Mozart und Bacewicz gespielt werden.

Auch das Programm des zweiten Konzerts in München am 21. Januar, bei dem Kristian Bezuidenhout am Klavier auftritt, steht für Vielseitigkeit. Neben den Barockkomponisten Henry Purcell und William Boyce werden Mozarts seltene Zwischenaktmusiken aus Thamos, König in Ägypten gespielt.

Barock Als Dirigent Neuer Musik hat Cohen hingegen weniger Erfahrung. Das dürfte sich jetzt ändern, da er vom Münchner Kammerorchester eigens für die beiden erwähnten Auftritte berufen wurde. »Ich bin nicht zum Barockspezialisten ausgebildet worden«, sagt Cohen, »sondern in allen Sparten der Musik. Mein Spezialistentum in Barock und Klassik kam erst später.«

Schon während seiner Zeit als professioneller Cellist hatte sich Cohen zunehmend für Kammermusik interessiert und kam so über die Barockmusik zum Cembalo. Nachdem er in Frankreich bei William Christies Barock-Ensemble »Les Arts Florissants« assistierte, begann er am Cembalo Sänger zu begleiten und später ganze Opernproduktionen zu führen. »Und schließlich habe ich vor fünf Jahren das Arcangelo-Ensemble gegründet, das sich nicht nur auf Barock und Klassik konzentriert, sondern jüngst sogar Zeitgenossen wie Benjamin Britten gespielt hat.«

Von Arcangelo sind bislang zwölf Alben erschienen. Jüdische Musik indes ist bislang nicht darunter. »Ich bin überhaupt nicht religiös. Die Jüdischkeit kommt von der Familie meines Vaters und meiner Großmutter, die vor Kurzem mit 102 Jahren gestorben ist.« Die Jüdischkeit seiner Großmutter hat Cohen zwar nicht übernommen, dafür aber ihre Liebe zur Musik. »Sie war eine Amateurgeigerin, die meine Entscheidung, Musiker zu werden, sehr stark beeinflusst hat.«

Selbst wenn sich Jonathan Cohen im Alltag nicht um Jüdischkeit kümmert – religiöse Dinge werden ihm spätestens immer dann wichtig, wenn er Sakralmusik aufführt. »Und was könnte es Schöneres geben als die Musik eines Johann Sebastian Bach?«

Kinder

Noah, Ben oder Lea?

Warum sich biblische Namen im deutschsprachigen Raum großer Popularität erfreuen

von Nicole Dreyfus  26.08.2026

Ludwigshafen

Neue Ausstellung zu Ernst und Karola Bloch: Fotografische Reise

Eine neue Schau in Ludwigshafen zeigt das ereignisreiche Leben der Familie Bloch zwischen Exil und Heimatsuche anhand des fotografischen Nachlasses – in privaten und öffentlichen Momenten

von Norbert Demuth  26.08.2026

Nachruf

Großmeister der ausgreifenden Erzählung

Mit seinen Epochenromanen prägte er das literarische Bild Europas. Nun ist der vielfach ausgezeichnete Autor Peter Nadas gestorben

von Gregor Mayer  26.08.2026

Bremen

Philosophin Lea Ypi erhält Hannah-Arendt-Preis 2026

Die albanisch-britische Philosophin Lea Ypi erhält den Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken 2026. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wird im Dezember im Bremer Rathaus verliehen

 26.08.2026

70 Jahre »Bravo«

Dr. Sommers Vermächtnis

Von 1969 bis 1984 war der Arzt Martin Goldstein »Dr. Sommer«, einer der wohl berühmtesten Ratgeber, den der deutsche Journalismus je hatte

von Hanna Persson  26.08.2026

Programm

Vortrag, Führung, Finissage: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 27. August bis zum 3. September

 26.08.2026

Nachruf

Wie Dolly Parton zur Ikone wurde

Die Country-Legende Dolly Parton ist tot. Dass sie zu einem weltweit verehrten Star wurde, lag auch an ihren jüdischen Freunden und Geschäftspartnern

von Sophie Albers Ben Chamo  26.08.2026

Orlando (Florida)

Harrison Ford wird erneut zu Indiana Jones

Diesmal wird der jüdische Darsteller kein Abenteuer auf der Leinwand erleben. Aber worum geht es dann?

 26.08.2026 Aktualisiert

Kommentar

Unpolitisch war gestern

Der ESC unterliegt künftig neuen Regeln für Krisenstaaten, Israel kann nach wie vor am Wettbewerb teilnehmen. Noch ist das keine Lex Israel. Aber der Eindruck entsteht

von Nicole Dreyfus  26.08.2026