Redezeit

»So wichtig wie Jom Kippur und Pessach«

Frau Amini, Ende dieser Woche fallen Chanukka und Thanksgiving zusammen. Sie kommen aus einer jüdischen Familie. Warum hat Thanksgiving für Sie eine große Rolle gespielt?
Amerika hat es meiner Mutter und ihrer Familie ermöglicht, frei und offen ihr Judentum zu leben. Ein Privileg, das sie nie einfach nur so hingenommen hatte. An Thanksgiving erinnerte sie sich an ihr altes Leben und war sehr dankbar für ihr gegenwärtiges. Meine Eltern kamen 1947 aus dem Iran in die USA, also lange vor der Revolution. Viele ihrer Verwandten und Freunde verließen das Land kurz danach.

Wie gestaltete sich der Alltag im Iran?
Meine persisch-jüdischen Eltern kamen aus Mashhad und wurden gezwungen, ein doppeltes Leben zu führen. Außerhalb des Hauses kleideten und gaben sie sich wie Moslems. Aber zu Hause waren sie strenggläubige Juden. Wegen des lebensbedrohlichen Antisemitismus war dies der einzige Weg, im Iran zu überleben.

Wie haben Sie über die Zeit Thanksgiving gefeiert?
Jedes Jahr wurden meine schon verheirateten Brüder sowie mein Mann und ich ernsthaft aufgefordert, zu meinen Eltern zu kommen. Keiner wagte es zu fehlen. Traditionellerweise begann mein Vater, den Segen über das Brot zu sprechen. Danach folgte Mutters Vortrag über »Pilgrims and Plymouth Rock«. Sie erzählte leidenschaftlich die Geschichte der Mayflower, der Pilger und wie die Indianer diesen beibrachten, Süßkartoffeln und Mais anzubauen.

Was gab es zu essen?
Bibi, das ist Persisch und bedeutet Großmutter – so wurde meine Mutter von ihren Enkelkindern genannt –, kaufte den größten Truthahn und stopfte ihn mit persischem Safranreis. Sie hat endlos viele Apfelkuchen gebacken und sorgte dafür, dass ausreichend gegrillter Mais und Schalen voller Süßkartoffeln auf dem Tisch standen. Sie hat sogar Cranberry-Soße zubereitet, obwohl diese jedes Jahr unberührt blieb. So wie auch der Schenkelknochen auf dem Sederteller hatte die Cranberry-Soße einen festen Ehrenplatz bei uns auf dem Tisch.

Sie haben diese Geschichte in »Saffron Rice and Cranberry« niedergeschrieben. Warum?
Ich habe das getan, weil ich von der Haltung meiner Großmutter Thanksgiving gegenüber tief bewegt und geprägt war. Für sie war dieser Tag so bedeutend wie Jom Kippur, Rosch Haschana und Pessach.

Was wünschen Sie dem heutigen Iran?
Vor allem, dass die Iraner in der Freiheit leben können, die ihnen verweigert wird: Rede-, Presse- und Religionsfreiheit. Auch wenn Freiheit den Grundsätzen religiöser Kleriker widerspricht, hoffe ich, dass sich das irgendwann ändern wird.

Mit der Autorin und Psychotherapeutin Esther Amini sprach Katrin Richter.

King of Pop

Neue Missbrauchsvorwürfe gegen Michael Jackson

Geschwister, die den Sänger vor 16 Jahren geschützt hatten, ziehen ihr Dementi zurück

 27.04.2026

Fernsehen

»Fauda« kehrt mit neuer Staffel zurück – Handlung nach 7. Oktober überarbeitet

Die Actionserie kommt deutlich verändert daher. Elf Folgen werden präsentiert

 27.04.2026

ESC

Weil Israel teilnimmt: Irland zeigt Eurovision Song Contest nicht

Nach Spanien und Slowenien boykottiert nun auch der irische Staatssender RTÉ den Gesangswettbewerb

 27.04.2026

Berlin

Ruin und Rausch - Schau zeigt Berlin-Leben der 1910er und 20er Jahre

Glamour, Armut, Aufbruch: Die Neue Nationalgalerie Berlin zeigt mit »Ruin und Rausch«, wie Berlin in den 1910er und 20ern zwischen Glanz und Absturz, Chaos und Ekstase lebte. Was das »Babylon Berlin«-Lebensgefühl prägte

von Karin Wollschläger  24.04.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der Jüdischen Welt

von Katrin Richter, Sabine Brandes, Imanuel Marcus  24.04.2026

Gesundheit

Brauchen Babys Fleisch?

Forscher der Ben-Gurion-Universität werfen ein neues Licht auf weit verbreitete Vorstellungen

von Sabine Brandes  24.04.2026

Kunst

Der Augenmensch

In Frankfurt zeigt das Jüdische Museum in einer Kabinettausstellung mehr als 200 Werke des Malers und Zionisten Armin Stern

von Eugen El  24.04.2026

Aufgegabelt

Schnelle Atayef

Rezept der Woche

von Katrin Richter  24.04.2026

Film

Maggie Gyllenhaal wird Jury-Chefin der Filmfestspiele von Venedig

In dieser Rolle darf die Regisseurin und Darstellerin sie über den Goldenen Löwen entscheiden

 24.04.2026