Shaul Bustan

So klingt die Wüste

»Es ist die Oud ist, mit der ich ich selbst sein kann: spontan, zeitlos, tief, zwischen Orient und Okzident«: Shaul Bustan Foto: pr

Man könnte ihm Wankelmut attestieren oder sagen, dass er zwischen allen Stühlen sitze, dass er sich endlich einmal entscheiden müsse. Aber nach 35 Jahren in dieser Welt, sieben davon in Berlin, ist der israelische Musiker Shaul Bustan offensichtlich und deutlich hörbar genau dort angekommen, wo er in diesem Augenblick hingehört: zwischen Israel und Deutschland, zwischen Klassik und Tradition, zwischen Nahem Osten und Europa, zwischen Kontrabass und dem aus dem Orient stammenden Instrument Oud.

Negev heißt das neue Album des Ausnahmemusikers. Bustan ist Komponist, Multi-Instrumentalist, Dirigent, Arrangeur, unter anderem für Giora Feidman, der über den Wahl-Berliner sagt, dass er eine Leerstelle in Deutschlands Musikszene fülle. Bustans Kompositionen werden international aufgeführt, vom Israelischen Philharmonie-Orchester bis zum Tiroler Ensemble für Neue Musik Österreich. Sein fünftes Album hat er mit dem Shaul Bustan Trio aufgenommen: Héloïse Lefebvre an der Violine und Liron Yariv am Cello.

Leichtigkeit Bustans Album zieht am Herzen, scheint manchmal vor Sehnsucht zu platzen, um sich dann europäisch-elegant neu zusammenzusetzen. Die Harmonien wechseln plötzlich vom Lagerfeuer in der Wüste zu Johann Sebastian Bach in die Thomaskirche – und zurück. Das Beeindruckende ist, mit welcher Leichtigkeit die Musiker die Entfernungen überwinden, wie entspannt sie das, was doch angeblich nicht zusammenpasst, zusammenfügen. Und das sogar in den Improvisationsstücken »Autumn«, Herbst.

Auch in Bustan weckt es wohl Melancholie, wenn die Abende kühler und die Tage kürzer werden. »Negev ist für mich nicht nur Israels Wüste, sondern auch die Erinnerung an meine fröhliche und ruhige Kindheit im Kibbuz Nahal Oz«, sagt er. Und der liegt just an der Grenze zu Gaza. Seit dieser Kindheit sei er auf der Suche, so der Absolvent der renommierten Jerusalem Academy of Music and Dance.

»Seit ich sechs Jahre alt bin und mit der Musik angefangen habe, suche ich nach ›meinem Instrument‹. Nach der Geburt meines Sohnes habe ich endlich verstanden, dass es die Oud ist, mit der ich ich selbst sein kann: spontan, zeitlos, tief, zwischen Orient und Okzident«. Ganz genau so wie die zehn Stücke auf Negev.

Shaul Bustan: »Negev«. 2018.

Konzertdaten: www.shaulbustan.com

Kommentar

Der alte Hass trägt heute Palästinaflaggen

Wie der kulturelle Boykott Israels die Ausgrenzung von Juden normalisiert

von Sarah Maria Sander  07.06.2026

Berlin

Ein Engelskuss

Der Künstler Charles Abecassis präsentiert seine Arbeiten in einer Verkaufsausstellung, deren Reinerlös an das Projekt »The Way Shalom« geht

 07.06.2026

»documenta«

Kulturrat: Antisemitismus letztlich nicht zu verhindern

Olaf Zimmermann will mit einem »Code of Conduct« Antisemitismus, Rassismus »und jedweder anderen Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit aktiventgegentreten«

von Susanne Rochholz  07.06.2026 Aktualisiert

Zeitgeschichte

Georges-Arthur Goldschmidt sieht Guillotine am Beginn der Schoa

Der französisch-deutsche Schriftsteller sagte in einem Interview »Diese Normalisierung der Todesstrafe hat Europa zerstört.«

 07.06.2026

Berlin

»Tänzerinnen Brunnen« gehört nun zu US-Privatsammlung

Das Kunstwerk wurde als Highlight der Sommerauktion bei Auktionshaus Grisebach versteigert – für vier Millionen Euro

 07.06.2026

Zeitgeschichte

Wie ein grausames Märchen

In ihrem aktuellen Buch schreibt die Historikerin Irina Scherbakowa über die verlorene Freiheit in Russland. Nun ist »Der Schlüssel würde noch passen« für den Deutschen Sachbuchpreis nominiert

von Ralf Balke  07.06.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Zeitraffer und Geschichte oder Warum alte Fotos mehr erzählen

von Nicole Dreyfus  07.06.2026

Zahl der Woche

86 Jahre

Fun Facts und Wissenswertes

 07.06.2026

Aufgegabelt

Fattoush-Salat

Rezepte und Leckeres

 07.06.2026