Kino

»September 5« - Der Schrecken des Massakers von München

Ein vermummter arabischer Terrorist zeigt sich am 05.09.1972 auf dem Balkon des israelischen Mannschaftsquartiers im Olympischen Dorf der Münchner Sommerspiele. Foto: picture alliance / Olympische Spiele

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»September 5« - Der Schrecken des Massakers von München

Am 5. September 1972 berichtete der amerikanische Sender ABC live über den Terroranschlag auf das israelische Olympischen Spiele in München. Ein packendes Drama zeigt nun die Stunden aus ungewöhnlicher Perspektive

von Cordula Dieckmann  02.01.2025 14:17 Uhr

Das Olympiaattentat von 1972 in München war schon öfter Stoff für Filme, so etwa in »München« von Steven Spielberg. Nun kommt ein Drama mit Peter Sarsgaard und Leonie Benesch ins Kino, das einen ungewöhnlichen Blickwinkel wählt.

»September 5 - The Day Terror Went Live« erzählt aus der Sicht eines amerikanischen Fernsehteams, das über die Wettkämpfe berichten sollte. Stattdessen werden die Journalisten zu Live-Reportern einer Geiselnahme israelischer Sportler durch ein palästinensisches Terrorkommando. Nach zermürbenden Stunden des Hoffens und Bangens endet sie in einer Katastrophe mit dem Tod von elf Israelis und eines Polizisten.

Mit einem herausragenden Schauspiel-Ensemble hat Regisseur Tim Fehlbaum (»Tides«) ein packendes und bewegendes Drama inszeniert. Ohne Pathos und unaufgeregt erzählt er, wie das Team des TV-Senders ABC am frühen Morgen des 5. September 1972 von Schüssen aufgeschreckt wird, die in der Nähe ihres Studios fallen.

Kammerspiel mit Originalbildern

Bald darauf verbreitet sich die Schreckensnachricht: Terroristen sind im olympischen Dorf in die Unterkunft der israelischen Mannschaft eingedrungen und haben Geiseln genommen. Wenig später ist der Sender mit einer Kamera live dabei und überträgt die Geschehnisse in alle Welt, damals ein Novum.

Eigentlich sollte die deutsche Produktion mit Oscar-Preisträger Sean Penn (»Milk«) als Partner aus wechselnden Perspektiven von Opfern, Tätern, Polizei, Politik und Medien erzählen. Ein aufwendiges Unterfangen. Doch dann traf Fehlbaum den Zeitzeugen Geoffrey Mason, der 1972 als junger Producer für ABC Sports in München war.

Was Mason und sein Team im Studio erlebten, faszinierte den Schweizer Regisseur. Und so wurde entschieden, die 21 Stunden vom Überfall bis zum blutigen Ende der Geiselnahme aus Sicht der Fernsehmacher zu erzählen. »Fast schon wie bei einem Kammerspiel sind wir ständig im TV-Studio, mit den Kameras als einziges Auge auf die tragischen Ereignisse in unmittelbarer Nähe«, sagt Fehlbaum.

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Plädoyer für professionellen Journalismus

Gespielte Szenen aus dem TV-Studio verwebt er mit Originalaufnahmen von damals, die heute historische Zeitdokumente sind. Sie machen deutlich, wie schlecht die deutschen Sicherheitskräfte damals auf so ein Szenario vorbereitet waren, was bei den Fernsehleuten für ungläubiges Kopfschütteln sorgt.

Der Film zeigt ein hochprofessionelles Nachrichtenteam bei der Arbeit, das im Angesicht der Katastrophe wie eine gut geölte Maschine funktioniert, mit engen Absprachen und im Vertrauen aufeinander. Fehlbaum macht zudem deutlich, warum es nicht reicht, nur mit der Kamera auf ein Geschehnis draufzuhalten und diese Videos dann einfach so in alle Welt zu senden, ganz im Sinne Elon Musks, der auf seiner Plattform den Nutzerinnen und Nutzern zuruft: »Ihr seid jetzt die Medien«.

»September 5« ist auch ein Plädoyer für hochprofessionellen Journalismus. Das Drama macht klar: Was diese Arbeit so wertvoll macht, ist die Einordnung der Bilder, die objektive Analyse, unabhängig von Sensationsgier und dem Heischen nach möglichst vielen Klicks.

Abwägung statt Fake News

Und es ist die moralisch-ethische Abwägung, die das Team im Film beschäftigt. Ist es vertretbar, den Terrorakt live in alle Welt zu senden und den Terroristen so eine Bühne zu bieten? Dürfte man gar zeigen, wie jemand erschossen wird? Was sind Gerüchte, was ist wahr? Und darf eine Information veröffentlicht werden, wenn sie plausibel erscheint, eine offizielle Bestätigung aber fehlt?

Wie Geoff Mason (John Magaro), Roone Arledge (Peter Sarsgaard), Marvin Bader (Ben Chaplin) und die anderen im Fernsehteam all dies abwägen, ist großes Kino und zeigt, wie wichtig diese Fragen sind, um Fake News und vorschnelle Schlüsse zu vermeiden.

Eine wichtige Rolle spielt auch die junge Deutsche Marianne Gebhardt (Leonie Benesch), die unter anderem den Polizeifunk für die US-Amerikaner übersetzt. Später harrt sie am Flugplatz in Fürstenfeldbruck aus, wo der Anschlag in der Nacht zum 6. September mit einer wilden Schießerei endet.

Daneben zeigt der Film noch eine andere Seite, jenseits der professionellen Nachrichtenmaschinerie. So nah an den schlimmen Ereignissen dran zu sein, lässt auch das Fernsehteam nicht kalt. Am Ende dieser schlimmen Stunden bleibt nicht mehr als Schweigen.

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