Fernsehen

»Schachnovelle«: Stefan Zweigs Abschiedsbrief

Spielt in der Haft Schach: Oliver Masucci als Dr. Josef Bartok Foto: Julia Terjung

Es geht um einen Mann, der mit Hilfe des Schachspiels Gefangenschaft und geistige Tortur im Nationalsozialismus übersteht: Mit einer Verfilmung von Stefan Zweigs Literaturklassiker »Schachnovelle« beginnt an diesem Montag (3. Juli, 20.15 Uhr) im Ersten die diesjährige Reihe des »ARD-Sommerkino«.

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»Hauptdarsteller Oliver Masucci flüchtet sich als unbeugsamer Intellektueller in ein Schachfieber, um sich den psychologischen Qualen der Isolationshaft zu entziehen und liefert sich mit seinem Gegenspieler - verkörpert von Albrecht Schuch - ein emotional-packendes Duell«, so kündigt die ARD den Film von Regisseur Philipp Stölzl an.

Stefan Zweigs »Schachnovelle« wurde zu einer Art Abschiedsbrief des 1881 in Wien geborenen Schriftstellers. Nur Monate nach Fertigstellung des kaum 90 Seiten langen Werks über einen ehemaligen Gestapo-Gefangenen brachte sich der Humanist und Pazifist 1942 im brasilianischen Exil um. 1934 hatte der einer jüdischen Familie entstammende Stefan Zweig das von den Nationalsozialisten terrorisierte Österreich zunächst in Richtung England verlassen.

Ähnlich seinem literarischen Vorbild beginnt auch die durch Philipp Stölzl (»Nordwand«, »Ich war noch niemals in New York«) besorgte Filmadaption von 2021 damit, dass sich der Protagonist Josef Bartok (Oliver Masucci) zur Nazizeit ins südamerikanische Exil begibt. Der bald einsetzende Rückblick offenbart all die Torturen, die er zuvor hat erleiden müssen: darunter vor allem die monatelange »Sonderbehandlung« im Wiener Hotel Métropole durch die Nazis - im Film vor allem repräsentiert durch einen ebenso fies höflichen wie diabolischen Albrecht Schuch (»Berlin Alexanderplatz«).

Der 112-Minüter findet bewegende Bilder dafür, wie Bartok (in der Text-Vorlage: »Dr. B.«) mittels nachgespielter Schachpartien der geistigen Isolation in der Haft zu trotzen sucht. Oliver Masucci bekam für »Schachnovelle« sowie für seine Darstellung der Regielegende Rainer Werner Fassbinder in »Enfant Terrible« den Bayerischen Filmpreis als bester Darsteller.

Auch Regisseur Stölzl, der schon Opern und Musikvideos inszenierte, zeigt sich von seiner besten Seite. Hinzu kommt ein Sounddesign, das die im Film gezeigten Gräuelmethoden der Nazizeit unterstreicht.

Im »ARD-Sommerkino« geht es eine Woche später (10. Juli) mit »Das perfekte Geheimnis« weiter - prominent besetzt etwa mit Wotan Wilke Möhring, Elyas M’Barek, Karoline Herfurth und Jella Haase.

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