»Junction 48«

Rapper und Rassismus

Die Rapper Manar und Kareem Foto: X Verleih

Mit Hip-Hop gegen Rassismus im jüdischen Staat: Mit Tamer Nafar als Rapper hat der israelische Regisseur und Altlinke Udi Aloni in seinem Spielfilm Junction 48 einen publikumswirksamen Coup gelandet. Nafar, bekannt als Frontmann der arabischen Hip- Hop-Band »DAM«, hat sich als Drehbuchautor des Films (gemeinsam mit Oren Moverman) seine Rolle auf den Leib geschrieben.

Er spielt den Rapper Kareem, der in der südisraelischen Stadt Lod in einem Callcenter arbeitet und trotz aller Widrigkeiten (ein Autounfall, bei dem der Vater ums Leben kommt und die Mutter schwer verletzt wird, Angriffe rassistischer jüdischer Rapper und ein »Zentrum für Toleranz«, das auf den Ruinen eines arabischen Hauses errichtet werden soll) nicht aufhört, vom Durchbruch zu träumen. An Kareems Seite singt die bildschöne Manar, die trotz Drohungen arabischer Chauvinisten nicht auf Auftritte verzichtet.

Berlinale Bei den 66. Internationalen Filmfestspielen in Berlin ging das Konzept auf: Der Film wurde – hoffentlich vor allem wegen der Hauptdarsteller – mit dem Panorama-Publikumspreis der Berlinale ausgezeichnet. Und das, obwohl die Handlung interessante Ansätze bietet, aber keine Entwicklung konsequent verfolgt, und der Film politisch ausgesprochen platt daherkommt: Jüdische Israelis treten nur als Rassisten auf. »Ausgewogenerweise« wird auch die Frauenfeindlichkeit innerhalb der arabischen Gesellschaft thematisiert, doch das täuscht über die Schwächen kaum hinweg.

Wie üblich sorgte Berlinale-Stammgast Udi Aloni für einigen Pressewirbel: In Interviews zur Berlinale 2016 bezeichnete er die israelische Regierung als »faschistisch«. Israels Kulturministerin Miri Regev forderte daraufhin, keine Künstler mehr zu fördern, die ihren Staat »verleumden«. Allerdings scheint ihr Einfluss begrenzt: Tamer Nafar wurde im September 2016 in Tel Aviv für die beste Filmmusik mit dem Ophir, dem »israelischen Oscar«, geehrt.

Regev verließ die Veranstaltung aus Protest, weil Nafar ein Gedicht des palästinensischen Dichters Mahmud Darwisch vortrug. Sie kritisierte, Darwisch habe zur Zerstörung Israels aufgerufen. Ihn bei einem offiziellen Event zu zitieren, sei eine »Schande«. Oppositionsführer Isaac Herzog sagte dazu, die Ministerin solle lieber »zu den Tagen des Stummfilms zurückkehren«. Faschismus sieht irgendwie anders aus.

Philadelphia

Erstes Konzert nach Macklemore-Aus: Sheeran äußert sich

Wegen israelfeindlichen Äußerungen und einer antisemitischen Vorgeschichte wurde US-Rapper Macklemore aus dem Vorprogramm von Popstar Ed Sheeran gestrichen. Jetzt ist Sheeran erstmals wieder aufgetreten

 20.09.2026

Musik

Biermann mit neuen Liedern: »Mensch, misch’ dich ein«

Der Liedermacher Wolf Biermann präsentiert auf einem neuen Album Unveröffentlichtes - manches neu, manches auch noch aus DDR-Zeiten. Die Themen hätten sich kaum verändert, sagt der Künstler

 20.09.2026

Fernsehen

»Zu Asche, zu Staub«

»Babylon Berlin« endet düster: Die fünfte Staffel spielt in der Zeit um Hitlers Machtergreifung 1933

von Julia Kilian  19.09.2026

Kommentar

Die Schatten der Vergangenheit sind lang

Wie der Hessische Rundfunk über jüdische Grundstücke stolpert

von Daniel Neumann  18.09.2026

Zahl der Woche

5 Dinge

Fun Facts und Wissenswertes

 18.09.2026

Social Media

Nach weltweiten viralen Song: Hasswelle gegen israelische Band Temper City

Der Song der israelischen Band wird zum Welthit – bis die Herkunft der Musiker bekannt wird. Dann beginnt im Netz der Boykott

von Sabine Brandes  18.09.2026

Noah Bendix-Balgley

»Musikalisches Risiko ist wichtiger als absolute Perfektion«

Der Erste Konzertmeister der Berliner Philharmoniker über seine Philosophie beim Spiel, Kritik an Boykotten gegen Künstler und sein erstes Klezmer-Album

von Christine Schmitt  18.09.2026

Bewusstsein

Pause!

Warum wir unser Leben und unseren Alltag immer wieder gezielt entschleunigen sollten. Eine Hymne auf die Langsamkeit

von Sophie Albers Ben Chamo  18.09.2026

New York

Künstlerin macht New Yorker Guggenheim Museum zur Murmelbahn

Taryn Simon ist für ihre Foto-Reportagen berühmt. Für eine große Ausstellung im Guggenheim Museum hat sie sich dazu noch etwas ganz anderes einfallen lassen

 18.09.2026