Film

Rätselhafte Marilyn

Marilyn Monroe (1926–1962)

Film

Rätselhafte Marilyn

Vor 60 Jahren starb Marilyn Monroe

von Konrad Ege  04.08.2022 16:18 Uhr

Reality-TV-Superstar Kim Kardashian hat angeblich binnen eines Monats acht Kilo abgenommen, um im Juni 2022 bei einer Gala in das weltberühmte glitzernde Kleid hineinzupassen, in dem Marilyn Monroe im Mai 1962 für US-Präsident John F. Kennedy »Happy Birthday« sang.

Wenige Monate nach dem Auftritt, am 5. August 1962, wurde Monroe tot aufgefunden. Die blonde Schauspielerin, die vor Jahrzehnten Amerika in den Bann gezogen hat, bleibt Maßstab und fasziniert noch heute.

Sie war kurviges Sexsymbol, Inbegriff des Schönheitsideals der 40er und 50er Jahre. Unzählige Artikel und Bücher sind geschrieben worden über ihr Leben. Das Gesamtwerk illustriert eines: Es fällt schwer, Marilyn Monroe zu verstehen.

Im Jüdischen Museum in New York lief vor ein paar Jahren eine Ausstellung über die zum Judentum konvertierte Monroe.

Geboren 1926 als Norma Jeane Baker, starb sie vor 60 Jahren im Alter von 36 Jahren in ihrer Wohnung im kalifornischen Brentwood. Um ihren Tod ranken sich bis heute voyeuristische Spekulationen. Sie habe mit Schlaftabletten Suizid begangen, hieß es damals in den Zeitungen. Sie sei nackt in ihrem Bett gefunden worden, mit der Hand am Telefon. Wen sie wohl habe anrufen wollen? Und ob Monroe wirklich ohne Fremdeinfluss gestorben sei?

Bei Todesfällen von Prominenten, von Martin Luther King über John F. Kennedy und eben Marilyn Monroe, werden umgehend Mutmaßungen und Verschwörungsmythen laut. Dass Monroe, die von so vielen Menschen bewundert wurde, selbst ihren Tod herbeigeführt haben könnte, wollten viele Menschen nicht glauben, obwohl viel spekuliert wurde über ihre Depressionen und ihre Medikamentenabhängigkeit.

Nach einer schweren Kindheit - ihre Mutter war unverheiratet, das Mädchen lebte in Pflegefamilien und zeitweilig in einem Kinderheim - verließ sie die Schule ohne Abschluss, heiratete mit 16 das erste Mal und arbeitete in einer Rüstungsfabrik, wo ein Fotograf sie als Model entdeckte. Sie färbte sich die brünetten Haare platinblond - und hatte später mit dem Image der unbedarften Blondine zu kämpfen.

Es war geprägt von Hits wie »Diamonds are a Girl’s Best Friends« und Filmen wie der Komödie »Blondinen bevorzugt«. Zugleich hat sie Ruhm und Glanz und Sinnlichkeit anscheinend genossen, nahm Unterricht beim legendären Schauspiellehrer Lee Strasberg, gründete nach Streitigkeiten mit Hollywood ihre eigene Produktionsfirma.

Monroe habe die Konversion »ernst genommen«, und mit Millers Rabbiner Robert Goldburg Texte studiert, heißt es.

Anlässlich des 60. Todestags präsentierte Netflix einen Film mit einem sensationsheischenden Titel: »The Mystery of Marilyn Monroe: The Unheard Tapes« (Das Geheimnis der Marilyn Monroe. Die ungehörten Bänder). Der Film steigt groß ein, bei der Frage nach der Todesursache und einer möglichen »Bereinigung« des Schlafzimmers. Es geht auch um John F. Kennedy und dessen Bruder Robert Kennedy, die beide ein Verhältnis mit Monroe gehabt haben sollen. Vielleicht. Wer weiß.

Dokumentiert ist Monroes gehauchtes und gesungenes »Happy Birthday« im Mai 1962 bei Feierlichkeiten zum 45. Geburtstag von John F. Kennedy. Es sangen auch Harry Belafonte und Maria Callas, doch Monroe war der »Hit des Abends«, wie das Wochenmagazin »Time« berichtete. Sie trat auf in jenem enganliegenden und fast transparenten und mit Glaskristallen besetzten Kleid, in das Kardashian sich hineinhungerte. Nach diesem »Happy Birthday« könne er sich aus der Politik zurückziehen, scherzte Kennedy.

Bis zu ihrem Tod wirkte sie in 30 Spielfilmen mit. Besonders erfolgreich waren 1955 »Das verflixte 7. Jahr« unter der Regie von Billy Wilder, 1959 die Filmkomödie »Manche mögen s heiß«, ebenfalls mit Wilder, und 1961 der Western »Nicht gesellschaftsfähig«. Das Drehbuch verfasste Monroes dritter Ehemann, der Schriftsteller Arthur Miller (» Tod eines Handlungsreisenden«).

Im Jüdischen Museum in New York City lief vor ein paar Jahren eine Ausstellung über zwei berühmte Schauspielerinnen, die zum Judentum konvertiert sind. Eine war Elizabeth Taylor, die andere Marilyn Monroe, die vor ihrer Hochzeit 1956 mit dem jüdischen Miller zum Judentum übertrat. Sie habe die Konversion »ernst genommen«, und mit Millers Rabbiner Robert Goldburg Texte studiert, hieß es.

Die wahren Dinge werden selten verbreitet», sagte Monroe, und lachte: «Gewöhnlich sind es die falschen Dinge.»

In einem viele Jahre später in «Reformjudaism» veröffentlichen Brief schrieb Goldburg, Monroe sei «keine intellektuelle Person» gewesen, doch nach eigenen Angaben «beeindruckt vom Rationalismus des Judentums -- seiner ethischen und prophetischen Ideale» und seinem Konzept von Familienzusammenhalt.

Die Ermittlungsbehörde FBI hatte Arthur Miller als verdächtigen Kommunisten auf dem Radarschirm, es war die Zeit des Kalten Krieges. Argwöhnische FBI-Männer warfen auch ein Auge auf Marilyn Monroe, die Akten stehen heute auf der FBI-Webseite. Monroe habe sich nach Angaben einer Quelle im Urlaub in Mexiko mit US-amerikanischen Sympathisanten der Kommunistischen Partei getroffen, vermeldete ein FBI-Memo vom März 1962. Ein Memo im Juli 1962 informierte über ein Mittagessen mit Präsident Kennedy, an dem Monroe teilgenommen habe.

Informanten charakterisierten Monroes Ansichten als «eindeutig links». Monroe habe den Präsidenten über «die Moral von Atomtests» befragt. Im November 1960 wurde die Scheidung von Miller bekannt gemacht, es häuften sich emotionale und psychische Probleme. In der Doku «The Mystery of Marilyn Monroe» hört man ein Interview mit der Schauspielerin: «Wie erzählt man die Geschichte eines Lebens? Die wahren Dinge werden selten verbreitet», sagte Monroe, und lacht: «Gewöhnlich sind es die falschen Dinge.»

Berlinale-Film

Special Screening: David Cunio in Berlin erwartet

Das Kino Babylon zeigt vier Monate nach der Freilassung der israelischen Hamas-Geisel eine neue Fassung des Films »A Letter To David«

von Ayala Goldmann  12.02.2026

Meinung

Schuld und Sühne?

Martin Krauß irritiert der Umgang mancher Medien mit dem »Dschungelcamp«-König Gil Ofarim

von Martin Krauß  12.02.2026

Kulturkolumne

»Konti: Mission BRD«

Meine Bewältigung der Einwanderung nach Deutschland: Wie ich als Immigrant ein Brettspiel entwickelte

von Eugen El  12.02.2026

Hollywood

Rachel Weisz spielt in Neuauflage von »Die Mumie« mit

Beim dritten Teil hatte die Schauspielerin eine Mitwirkung abgelehnt, da sie das Drehbuch nicht überzeugt hatte. Auf den neuesten Film müssen Fans noch etwas warten

 12.02.2026

Erfurt

Jüdische Kulturtage mit mehr Sichtbarkeit in Israel

Dank eines gewachsenen Netzwerks erwarten die Organisatoren von Thüringens größtem jüdischen Festival zahlreiche Künstler aus Israel

 12.02.2026

Filmfestspiele

Was die Berlinale diesmal bietet

Wieder läuft keine israelische Produktion im Wettbewerb. Dafür finden sich viele jüdische und israelische Perspektiven im gesamten Programm

von Sophie Albers Ben Chamo  11.02.2026

Berlinale

»Wir wollen die Komplexität aushalten«

Wenn die Welt um einen herum verrücktspielt, helfen nur Offenheit und Dialog, sagt Festivalchefin Tricia Tuttle

von Sophie Albers Ben Chamo  11.02.2026

Meinung

Oliver Pochers geschmacklose Witze über Gil Ofarim

Der Comedian verkleidet sich auf Instagram als Ofarim und reißt Witzchen über die Schoa. Während echte Komiker Humor stets als ein Mittel nutzen, um sich mit den Schrecken und Abgründen dieses Verbrechens auseinanderzusetzen, tritt Pocher nur nach unten

von Ralf Balke  11.02.2026

Nachruf

Israels verkanntes Musikgenie

Unser Autor hörte Matti Caspi schon als Kind bei einem Konzert im Kibbuz. Eine persönliche Erinnerung an den Sänger und Komponisten, der mit 76 Jahren an Krebs gestorben ist

von Assaf Levitin  11.02.2026