Hören!

Premiere in Nürnberg

Shulamit Ran Foto: promo

Hören!

Premiere in Nürnberg

Die israelische Komponistin Shulamit Ran bei der Internationalen Orgelwoche

von Jonathan Scheiner  01.06.2010 12:38 Uhr

Die Orgel gilt als Repräsentantin christlich-sakraler Musik. Von Bach über Telemann, Buxtehude bis zu Händel gibt es für dieses Instrument Kompositionen, die eine protestantische Weltsicht reflektieren. Wen wundert’s da, dass es kaum jüdische Orgelmusiker und kaum Stücke von jüdischen Komponisten für die »Königin der Instrumente« gibt. Die Orgel – eine Art musikalische Tabuzone für Juden. Umso erstaunlicher, dass die diesjährige Internationale Orgelwoche Nürnberg-Musica Sacra (ION) ein Auftragswerk an die israelische Komponistin Shulamit Ran vergeben hat. Die Pulitzerpreisträgerin hat in dem Stück, das am 6. Juni Premiere hat, allerdings auf die Orgel verzichtet. Zeichen für ihr schwieriges Verhältnis zu diesem Instrument? Ein zwiespältiges Verhältnis hat Ran jedenfalls zum Ort der Welturaufführung: »Für mich als Jüdin und Israelin gibt es keine Möglichkeit, an Nürnberg zu denken, ohne mit seiner dunklen Nazi-Vergangenheit konfrontiert zu werden.« Ran hat ihre Komposition »Das was geschah« betitelt, nach einer Zeile von Celan über die Schoa. Zugleich verarbeitet sie ein kurzes Gedicht über Kain und Abel, das der israelische Lyriker und Schoa-Überlebende Dan Pagis geschrieben hat. Musikalisch wird die Verschränkung der beiden Sujets Schoa und Genesis mit einem vierstimmigen Chor und einem Saxofonquartett in Szene gesetzt. Der Chor Ars Nova aus Kopenhagen unter Leitung von Paul Hillier spielt an der Seite des Rascher Saxophon Quartet. Über dessen vier Musiker hat ein Kritiker einmal geschrieben: »Wenn das Rascher-Quartett Bach spielt, nimmt die Musik eine seraphische Aura an – als ob die Orgel und das Streichquartett zusammengekommen sind.« Also doch ein jüdisches Stück für Orgel, wenn auch nur indirekt.

6. Juni 2010, 19 Uhr, Kirche St. Sebald, Sebalder Platz,
90403 Nürnberg

www.ion-musica-sacra.de

Thriller

Israelische Serie »Unconditional« startet auf Apple TV

Orna reist mit ihrer 23-jährigen Tochter Gali nach Moskau. Kurz vor einem Flug wird Gali festgenommen. Damit beginnt Ornas Kampf für Gerechtigkeit

 16.04.2026

New York

Mehrere Juden auf neuer »Time«-Liste der einflussreichsten Menschen

Zwei jüdische Regierungschefs, drei Unternehmer und neun Künstler genießen nach Ansicht der Magazin-Autoren einen hohen Einfluss

von Imanuel Marcus  16.04.2026

London/Los Angeles

Unerwarteter Ticket-Boom: Royal Ballet bedankt sich bei Timothée Chalamet

Nach kritischen Bemerkungen des Hollywood-Stars steigen Reichweite und Ticketverkäufe in der Oper- und Ballett-Welt deutlich

 15.04.2026

London

Boy George unterstützt Israel online und erntet dafür Hass-Kommentare

»Es ist gerade sehr trendy, Israel zu hassen. Aber ich habe immer gesagt: ›Mode ist für die Zerbrechlichen, Stil für die Mutigen‹«, schreibt das Multitalent. Die Antworten lassen nicht lange auf sich warten

 14.04.2026

Essay

Schoa-Erinnerung ohne Juden

Gunda Trepp über ihren verstorbenen Ehemann Leo Trepp, die Vereinnahmung der Schoa und Wege jüdischen Erinnerns

von Gunda Trepp  14.04.2026

Hollywood

Scarlett Johansson: Rollen für Frauen heute besser

Wenn sie auf ihre Zwanziger zurückblickt, spricht die jüdische Schauspielerin von einer harten Zeit. Frauen hätten viel weniger interessante Rollenangebote bekommen als heute. Was ihr Ausweg war

 14.04.2026

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Fünf Gründe, den jüdischen Staat zu lieben – mit all seinen Stärken und Schwächen

von Daniel Neumann  13.04.2026

Berlin

Auschwitz-Überlebende fordern Konzertverbote für Kanye West

Kanye Wests geplante Shows in Polen und Italien sorgen für Empörung. Holocaust-Überlebende fordern von Regierungen und Veranstaltern ein klares Signal - wie zuletzt aus Großbritannien

 11.04.2026

Essay

Zwischen Räumen

Wenn der Maler Navot Miller im Flugzeug sitzt, ist er in einer Welt, die ihn für eine kurze Zeit vor der Schwere der Realität schützt. Gedanken von unterwegs

von Navot Miller  10.04.2026