Berlinale

Preis für Ruth Beckermann

Ruth Beckermann bei der Berlinale 2022 Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress

Für ihren Dokumentarfilm Mutzenbacher ist die österreichisch-jüdische Regisseurin Ruth Beckermann (70) mit dem Preis für den besten Film der Berlinale-Nebensektion Encounters ausgezeichnet worden. Das gaben die Filmfestspiele am Mittwochabend in Berlin bekannt.

VORLAGE Der Film beruht auf dem Buch Josefine Mutzenbacher, einem Klassiker der pornografischen Literatur. Als Autor des 1906 anonym publizierten Roman gilt Felix Salten. In ihrer filmischen Interpretation hat Beckermann einen Mann nach dem anderen auf eine Couch gesetzt, um sie aus dem Roman vorlesen und über Fantasien sprechen zu lassen.

Die Filmemacherin zeigte sich überrascht über ihre Auszeichnung. Sie habe nicht damit gerechnet und auch nicht erwartet, dass der Film überhaupt gezeigt würde. In Anspielung auf die Corona-Regeln sagte sie bei der live übertragenen Preisverleihung: »Auch im Film wird nicht geküsst.«

GOLDENER BÄR Den Goldenen Bären der Berlinale gewann das Drama Alcarràs der spanischen Regisseurin Carla Simón. Der Film erzählt vom Alltagsleben einer Familie, die eine Pfirsichplantage betreibt und in Existenznöte gerät. Die Jury zeichnete am Mittwochabend auch die Comedienne Meltem Kaptan aus. Die Darstellerin, die in Köln lebt, bekam den wichtigsten Schauspielpreis des Festivals.

Ausgezeichnet wurde sie für ihre Hauptrolle im Drama Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush. Darin spielt sie die Mutter des langjährigen Guantánamo-Häftlings Murat Kurnaz. Regisseur Andreas Dresen erzählt, wie dessen Mutter versucht, ihn aus dem US-Gefangenenlager zu befreien. Für das Drehbuch des Films gewann auch Autorin Laila Stieler einen Silbernen Bären.

Die Auszeichnung für die beste Regie erhielt die französische Filmemacherin Claire Denis. Sie wurde für Avec amour et acharnement mit Juliette Binoche und Vincent Lindon ausgezeichnet. Der Film porträtiert eine Frau, deren Leben durcheinandergerät, als ein Ex-Partner wieder auftaucht.

Der Große Preis der Jury ging an The Novelist’s Film des südkoreanischen Regisserus Hong Sangsoo - darin geht es um eine Schriftstellerin, die verschiedenen Menschen begegnet. Das Drama Robe of Gems von Regisseurin Natalia López Gallardo gewann den Preis der Jury. Der Film zeigt drei Frauen in Mexiko, die mit dem Drogengeschäft in Konflikt geraten.

HAUPT-UND NEBENROLLEN Die Berlinale vergibt Schauspielpreise nicht mehr getrennt nach Geschlecht, sondern für die beste schauspielerische Leistung in Haupt- und Nebenrolle. Der Silberne Bär für die beste Schauspielleistung in einer Nebenrolle ging an Laura Basuki für die indonesische Geschichte Nana. Die Collage Everything Will Be Ok des Kambodschaners Rithy Panh wurde für eine besondere künstlerische Leistung geehrt.

Die Berlinale zählt neben Cannes und Venedig zu den großen Filmfestivals der Welt. Die Filmfestspiele finden diesmal trotz Pandemie wieder mit Publikum statt. Für den Kinobesuch gelten dabei besondere Regeln. Jurypräsident war der US-Regisseur M. Night Shyamalan (The Sixth Sense). Die Auszeichnungen wurden wegen der Pandemie früher verliehen als üblich. Die Preise der unabhängigen Jurys werden am Donnerstag bekanntgegeben. Die Berlinale wird noch bis Sonntag mit mehreren Publikumstagen fortgesetzt. dpa/ja

Zahl der Woche

7 Wochen

Fun Facts und Wissenswertes

 28.07.2026

Literatur

Von der Liebe in Zeiten der ’Ndrangheta

In seinem Tatsachenroman erzählt der italienisch-jüdische Autor Roberto Saviano die Geschichte einer verschwundenen Frau

von Knut Elstermann  28.07.2026

Aufgegabelt

Marokkanische Bällchen

Rezepte und Leckeres

 28.07.2026

Meinung

Das ibug-Festival 2025 – eine sächsische Documenta?

Antisemitismus in der Kunst: Auf dem internationalen ibug-Festival in Chemnitz wurden im vergangenen Jahr Werke gezeigt, die antisemitische Klischees reproduzierten. Droht dieses Jahr eine Wiederholung?

von Vladimir Shikhman  28.07.2026

London

Boy George veröffentlicht israelsolidarischen Song »We Will Dance Again«

Der britische Sänger stellt in seinem neuen Reggae-Lied klar: »Ich stehe auf der Seite der Juden.«

von Imanuel Marcus  28.07.2026

New York

Carly Simon hat Parkinson

Die Sängerin und Songschreiberin mit jüdischem Familienhintergrund kämpft mit zwei gesundheitlichen Problemen. Trotzdem hat es sie es geschafft, ein neues Album aufzunehmen

 28.07.2026

Filmkritik

»Blutspur Antwerpen« – Ein Lehrstück in Sachen Antisemitismus

Keine einzige Rezension hat den Krimi bislang als das gewertet, was er ist: Ein rassistisches Machwerk in Gestalt einer »antisemitischen Parabel«

von Achim Bühl  27.07.2026

Musik

Und sie erinnern sich doch

Die Bayreuther Festspiele begehen ihr 150. Jubiläum mit Nachdenklichkeit

von Maria Ossowski  27.07.2026

Bayreuther Festspiele

Michel Friedman in Bayreuth: Neue Ära der Aufarbeitung beginnt

Um offen mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit umzugehen, haben die Bayreuther Festspiele Michel Friedman als Redner eingeladen. Der Publizist rief eine neue Ära des Erinnerns aus

 26.07.2026