Berlin

Peter Schäfer tritt Amt an

Alles Gute: W. Michael Blumenthal und Peter Schäfer (r.) Foto: Uwe Steinert

Peter Schäfer, bis 2013 Inhaber des Judaistik-Lehrstuhls an der amerikanischen Princeton University, tritt am 1. September die Nachfolge von W. Michael Blumenthal als Direktor des Jüdischen Museums Berlin (JMB) an.

Blumenthal hatte sich nach 17 Jahren von der Spitze eines der meistbesuchten Museen Deutschlands verabschiedet. Schäfer, der Ende Juni 71 wurde, war Blumenthals Wunschkandidat für den Posten, den er die kommenden fünf Jahre ausfüllen wird.

Die Personalie wurde von vielen zunächst mit großer Überraschung aufgenommen: Schäfer ist als vielfach ausgezeichneter Wissenschaftler mit internationaler Bilderbuchkarriere, nicht jedoch als Museumsmann bekannt. Der Judaist, der auch katholische Theologie und Philosophie studierte, hat sich vor allem durch seine Edition mystischer Texte einen Namen gemacht.

Universität 1974, mit 31 Jahren, wurde er Professor für Judaistik in Tübingen. Von 1983 bis 1998 leitete er das Judaistik-Institut der Freien Universität Berlin und wechselte dann nach Princeton, wo er 2003 erster Lehrstuhlinhaber der Ronald-O.-Perelman-Professur für Jüdische Studien sowie Professor für Religion und 2005 Direktor des Studienprogramms in Judaistik wurde.

Mit der Hechalot-Literatur hat Schäfer zentrale Texte der jüdischen Mystik erstmals wissenschaftlich ediert, übersetzt und durch eine Konkordanz erschlossen. Er verantwortet die Edition des Talmud Jeruschalmi und gibt dessen Übersetzung heraus, er machte durch die Edition magischer Literatur aus der Kairoer Geniza viele Texte erstmals zugänglich.

Zudem hat er sich mit zentralen Themen der Theologie des Frühjudentums, wie etwa Verborgenheit und Offenbarung Gottes und Messianismus beschäftigt, ein Überblickswerk zur Geschichte der Juden in der Antike vorgelegt, sich mit den Beziehungen zwischen Judentum und Christentum und auch mit der Entstehung des Judenhasses in der Antike befasst.

Menschen, die Schäfer kennen, schildern ihn als durchsetzungsfähig und energisch. Repräsentieren könne er durchaus, auch wenn er in Interviews vielleicht manchmal etwas steif wirke. Mit dem Nichtjuden Schäfer werde das Jüdische Museum Berlin »jüdischer«, schrieb dieser Tage die »Welt«. Ausgeschlossen ist das nicht: An judaistischer Sachkenntnis können sich wenige mit Schäfer messen, die für diesen Posten möglicherweise in Frage gekommen wären.

Wissenschaft Ob dennoch ausgerechnet er, dessen akademisches Fachgebiet die Antike ist, an die Spitze eines Museums passe, dessen erklärter Fokus auf der jüdischen Gegenwart liegt, wurde Schäfer bei der Pressekonferenz anlässlich seiner Vorstellung gefragt.

Überhaupt: Wie er als Mann der Wissenschaft ein Museum leiten wolle, das sich durch seine formal wie inhaltlich im besten Sinne populären Ausstellungen einen Namen gemacht hat? Keine Sorge, so der künftige Direktor: »Eine professorale, wissenschaftliche Anstalt ist das Letzte, was mir vorschwebt.« Das Erfolgsrezept des Hauses, wissenschaftlich seriös recherchierte Themen so zu präsentieren, dass sie ein breites Publikum ansprechen, werde auch unter seiner Ägide fortgeführt.

Das wird Schäfer bald unter Beweis stellen können. Eine Neukonzeption der Dauerausstellung des JMB steht auf der Tagesordnung. Eine Hauptaufgabe, so der neue Direktor, bei der er vorhat, eigene Akzente zu setzen. Vom Jüdischen Museum Berlin unter der neuen Leitung wird man sich also bald im Wortsinn ein Bild machen können.

Zeitungsproduktion

Mit Papier, Schere und Klebestift

Texte kamen per Fax, Manuskripte per Post. Unsere ehemalige Kollegin erinnert sich, wie früher die Allgemeine Jüdische Wochenzeitung gemacht wurde

von Heide Sobotka  07.05.2026

Essay

Herzenstexte auf gedrucktem Papier

Unsere Autorin begann beim Fernsehen, war lange Zeit beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk und schreibt heute für die Jüdische Allgemeine. Eine Liebeserklärung

von Maria Ossowski  07.05.2026

Jubiläum

Starke Stimme

Vor 80 Jahren erschien die erste Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen. Mehr denn je braucht es eine präsente und selbstbewusste jüdische Zeitung in Deutschland

von Philipp Peyman Engel  07.05.2026

Lübeck

Thomas-Mann-Preis geht an David Grossman

Der israelische Autor wird für seine Romane und Essays geehrt – und für seinen Mut, in schwierigen Zeiten Verständigung zu suchen

 07.05.2026

Programm

Urbane Ästhetik, cineastische Architektur und späte Aufklärung: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 7. Mai bis zum 14. Mai

 06.05.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Imanuel Marcus, Bettina Piper  06.05.2026

Kino

Am Puls der Zeit

Gegen Polarisierung und Boykott: Das Jüdische Filmfestival Berlin Brandenburg will den Blick weiten

von Ayala Goldmann  06.05.2026

Boston

Wegen israelischer Figur: Bestseller-Autorin Rebecca F. Kuang unter Druck

In ihrem neuen Werk »Taipei Story« schreibt sie in wenigen Sätzen über einen fiktiven, israelischen Musiker. Schon dies reicht für einen Sturm der Entrüstung

 06.05.2026

London

»Pinocchio« und »James Bond«: Kino zum Hören mit Josh Groban

Auch für Disney-Filme hat der Sänger ein Faible. Ein Duett hat ihn persönlich besonders berührt

von Philip Dethlefs  06.05.2026