NS-Raubkunst

»Personen aus jüdischem Leben«

»Mir ist sehr daran gelegen, eine von allen Seiten anerkannte Lösung zu finden«: Kulturstaatsministerin Monika Grütters Foto: dpa

NS-Raubkunst

»Personen aus jüdischem Leben«

Die Limbach-Kommission soll erweitert und reformiert werden

von Philipp Peyman Engel  08.08.2016 22:17 Uhr

Als Kulturstaatsministerin Monika Grütters sich im März dieses Jahres laut »New York Times« gegen einen jüdischen Vertreter in der Limbach-Kommission ausgesprochen hatte, ließen die Proteste nicht lange auf sich warten. Der Jüdische Weltkongress und die Jewish Claims Conference reagierten mit Unverständnis und kritisierten die CDU-Politikerin scharf.

Die New York Times hatte Grütters mit den Worten zitiert: »Es wäre die einzige Stimme, die voreingenommen wäre.« Demnach solle wegen möglicher Interessenkonflikte kein Jude dem Gremium angehören, das in NS-Raubkunstfragen berät. Zwar erklärte sie wenig später, sie habe den von der Zeitung zitierten Satz niemals gesagt. Niemand habe jemals einer jüdischen Persönlichkeit die Objektivität abgesprochen. Doch da war der Schaden bereits in der Welt.

effektiver Jetzt hat Grütters angekündigt, bis zum Herbst dieses Jahres die Limbach-Kommission zu reformieren. In das Gremium sollen künftig ein oder zwei Persönlichkeiten aus dem jüdischen Leben als Mitglieder berufen werden, erklärte Grütters am vergangenen Samstag. Zudem solle die Kommission, die in der Vergangenheit immer wieder für ihre ineffektive Arbeit kritisiert wurde, transparenter agieren. »Mir ist sehr daran gelegen, eine von allen Seiten anerkannte Lösung zu finden«, betonte Grütters.

Die Claims Conference begrüßte die Ankündigung, jüdische Vertreter in die Kommission zu berufen. »Die Wahrnehmung des Gremiums durch die internationale Öffentlichkeit gewinnt dadurch ein deutlicheres Profil und breitere Akzeptanz«, sagte Rüdiger Mahlo, Repräsentant der Claims Conference in Deutschland, auf Anfrage der Jüdischen Allgemeinen. »Die Akteure in Deutschland müssen verstehen, dass die Debatte um NS-Raubkunst nur befriedigend gelöst werden kann, wenn die Opferseite in alle Belange einbezogen wird.«

Mit welchen jüdischen Experten das Gremium künftig besetzt werden soll, darüber traf die Kulturstaatsministerin bislang noch keine Aussage. In Kürze werde sie ihr Vorhaben erst einmal den Ländern und Kommunen vortragen, die das Gremium mittragen, kündigte sie an. Nur so viel stehe bereits fest: Kompetent werde das neue Mitglied oder die neuen Mitglieder sein – und objektiv.

Archäologie

Hoffnung auf Latrinen - Grabung legt mittelalterliche Keller frei

Die Funde auf dem Areal der zweiten Jüdischen Gemeinde informieren über das Leben im mittelalterliche Erfurt. Zugleich geben sie Einblicke in die Stadtplanung des 13. Jahrhunderts

von Matthias Thüsing  28.09.2026

Sachsen-Anhalt

Der 7. Oktober und die Folgen: Podiumsdiskussion in Halle

Vor drei Jahren überfielen islamistische Terroristen Israel und rissen damit Gaza in einen bis heute andauernden Krieg. Zeitgleich nahmen weltweit antisemitische Ausschreitungen zu. Diskutanten erörtern die Ursachen

 28.09.2026

Hard-Rock-Legenden

Kiss feiern 50 Jahre »Rock and Roll Over«

Eine umfangreiche Neuauflage des Albums kommt. Was ist enthalten?

 28.09.2026

Babyn Jar

Sie alle hatten einen Namen

In der Schlucht bei Kyjiw ermordeten deutsche Täter am 29. und 30. September 1941 innerhalb von zwei Tagen rund 34.000 Jüdinnen und Juden

von Andreas Albrecht  28.09.2026

Berlin

Verschollene Golem-Filmmusik feiert Berliner Erstaufführung

Der Komponist Hans Landsberger, ein späteres Holocaust-Opfer, hatte die sinfonische Begleitmusik für den Film geschrieben. Seine Komposition gilt als Meilenstein in der Entwicklung der Filmmusik

 28.09.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Wöchentliche Papierflut oder Die kleinen verkannten Kunstwerke

von Nicole Dreyfus  27.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  27.09.2026

Fernsehen

Adolf und seine »Akte«

Die fünfte Staffel von »Babylon Berlin« spielt 1933 zur Zeit von Hitlers Machtergreifung. Unterhaltung mit politischem Anspruch, aber stimmen die Fakten?

von Ayala Goldmann  27.09.2026

Meinung

Wolfgang Benz, Stefanie Schüler-Springorum und das deutsche Zentrum für Antisemitismusleugnung

Ein Kommentar von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  25.09.2026