EILMELDUNG! Netanjahu: Wir halten es für sehr wahrscheinlich, dass Khamenei nicht mehr existiert

Autobiografie

»Papa war der wichtigste Mensch«

Sohn und Vater: Gil und Abi Ofarim (1998) Foto: imago images/POP-EYE

Gil Ofarim (38) ist sehr früh sehr steil nach oben katapultiert worden. Da war er gerade mal 15 Jahre alt und dank der »Bravo«-Fotolovestory ein Teeniestar. Es folgt die erste Single, auf einen Song der nächste, vor der Münchner Wohnung kreischen Mädchen …

Gil tourt um die Welt, kostet den Erfolg aus, bis ihm alles zu viel wird, die wirkmächtige »Bravo« langsam, aber sicher das Interesse an ihm verliert. Das Leben begibt sich auf den Kurs einer Achterbahn mit Höhenflügen und Abstürzen, mit Glücksmomenten und Schicksalsschlägen. Stellt es sich allzu quer, weiß Gil, was zu tun ist: »Also machte ich, was ich immer tu, wenn ich nicht weiterkomme, na? Genau: Ich flog nach Israel. Zur Familie.«

Gil Ofarim ist der Sohn von Abi Ofarim, dem Sänger, der in den 60ern zusammen mit Esther Zaied über Kontinente hinweg als israelisches Gesangsduo »Esther und Abi Ofarim« und mit Songs wie »Cinderella Rockefella« Welterfolge feierte. 2018 starb Abi Ofarim, 80-jährig, nach langer, schwerer Krankheit. Ein extremer Verlust für Gil (»Papa ist immer der wichtigste Mensch in meinem Leben gewesen«).

KRISE Hinzu kommt, dass im selben Jahr seine Ehe auseinandergeht. Wie immer melden sich in der Krise »Selbstzweifel und Existenzängste«. Was Gil Ofarim wieder nach oben bringt, sind die eigenen Kinder, »der eigentliche Rock ’n’ Roll im Leben«, aber eben auch ein Anruf der Plattenfirma, die ein neues Album mit ihm plant. 2020 erscheint es unter dem Titel Alles auf Hoffnung, landet aus dem Stand auf Platz fünf der Charts. Eine Tour steht ins Haus.

Und dann kam Corona. Gil Ofarim beschließt, ein Buch zu schreiben, ein Buch über sich, sein Leben, vor allem darüber, wie das ist, von diesem immer wieder gebeutelt und jetzt also einer Pandemie ausgesetzt zu werden: »Wir alle müssen während der Pandemie lernen, die Idee der Existenz loszulassen, die wir geplant hatten.« Der Titel des Buchs: Freiheit in mir.

Die Präsenz wie der Tod des Vaters machen ohne Frage das zentrale Moment des Lebensrückblicks aus, damit auch der Versuch der eigenen Emanzipation.

Das Buch ist nicht streng chronologisch aufgebaut. Die Kapitel greifen ineinander. Auf den Seiten erscheinen hervorgehoben einzelne Kernaussagen, wirken in ihrer Isolation wie Sinnsprüche. Im Duktus erinnert die Autobiografie an ein Selbstgespräch, in das der Leser mit einbezogen wird. Er wird mit »Du« angesprochen, was den Text auch wie einen Lebensratgeber wirken lässt.

PROMINENZ Die Präsenz wie der Tod des Vaters machen ohne Frage das zentrale Moment des Lebensrückblicks aus, damit auch der Versuch der eigenen Emanzipation. Für München gehörte Abi Ofarim bis zuletzt zur Stadtprominenz. Seine Krankheit wurde medial begleitet, über seinen Tod auf den vorderen Seiten der Straßenzeitungen berichtet, auch über die große Trauer der beiden Söhne Gil und Tal. Gil Ofarim nimmt sich Zeit und Raum, die nicht immer einfache Beziehung zum Vater zu beschreiben. Er hadert, entwickelt sich vor den Augen des Lesers, betreibt Selbstanalyse mit dem Ergebnis: Heute bin ich endlich gerne der, der ich bin.

Gil Ofarim erzählt davon, dass er in den jüdischen Kindergarten in München gegangen ist und auch auf die jüdische Grundschule. Bei mehreren Jewrovisions wirkte er als Juror oder Sänger mit. Über sein Judentum schreibt Ofarim: »Ich bin säkularer Jude. Meine Religion hat wunderschöne Psalmen und Bräuche, aber auch sehr viele Gesetze und Richtlinien. Heutzutage wissen wir, dass vieles eine Frage der Interpretation ist.«

Gil Ofarim: »Freiheit in mir«. Knaur, München 2021, 240 S., 18 €

»Brüllender Löwe«

Präventivschlag gegen Iran: Die Lage im Überblick

Nach dem gemeinsamen Angriff Israels und der USA auf den Iran reagieren die Behörden auf die erhöhte Sicherheitslage. Die Lage im Überblick

 28.02.2026 Aktualisiert

Standpunkt

Braucht es ein Verbot?

Warum gerade Juden einen Social-Media-Stopp für Jugendliche unter 16 Jahren unterstützen sollten

von Daniel Neumann  27.02.2026

Musik

Der große Romantiker: Bruno Mars ist der König des Soul

Das Warten hat sich gelohnt. Mit »The Romantic« zeigt der 40-jährige Künstler mit jüdischem Familienhintergrund, dass er weiter in einer eigenen Liga spielt

von Philip Dethlefs  27.02.2026

Berlin

Wegner: Berlinale darf nicht für Propaganda genutzt werden

Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) nimmt zum jüngsten Skandal bei den Filmfestspielen Stellung

 27.02.2026

Online-Hass

Hugh Laurie und die Anti-Zionisten

Der britische Filmstar Hugh Laurie wurde zum Ziel von Anti-Zionisten, nachdem er öffentlich um die verstorbene israelische Produzentin Dana Eden getrauert hatte

 27.02.2026

Essay

Ich habe Xavier Naidoos öffentlicher Abbitte geglaubt ...

Da steht er also wieder vor dem Kanzleramt. Nicht als Sänger, nicht als geläuterter Rückkehrer, nicht als jemand, der seine eigenen Irrwege wirklich aufgearbeitet hätte, sondern als Lautsprecher für den nächsten verschwörungsideologischen Ausnahmezustand

von Serdar Somuncu  27.02.2026

Debatte

»Sie war mehr als froh, als alles zu Ende war«: Berlinale-Kreise: Tuttle überfordert und resigniert

Wie geht es nach Debatten um die Berlinale weiter? Eine Krisensitzung bringt nach Angaben des Kulturstaatsministers keine Entscheidung - zumindest vorerst

 26.02.2026

Interview

»Lachen statt verzweifeln«

Ein Gespräch mit der Meme-Künstlerin ruth__lol über jüdischen Humor, die komische Seite des Antisemitismus und eine Leerstelle in den sozialen Medien

von Joshua Schultheis  26.02.2026

Reaktionen

»Plattform für antisemitische Hetze«: Das sagen Künstler und Politiker zur geplanten Tuttle-Absetzung

Wolfram Weimer will die Berlinale-Chefin nach dem jüngsten Antisemitismus-Skandal absetzen. Das sorgt – so wie die Rede von Abdallah Alkhatib – für kontroverse Diskussionen. Ein Überblick

 26.02.2026