Hören!

»Ouvertüre um Mitternacht«

Tatort Londoner East End: »Ouvertüre um Mitternacht« war einer der ersten Krimis im jüdischen Milieu. Foto: Thinkstock

Hören!

»Ouvertüre um Mitternacht«

Gerald Kershs Krimi-Klassiker als Hörspiel im Deutschlandfunk

von Michael Wuliger  01.07.2013 18:31 Uhr

Wer hat die kleine Sonia Sabbatini sexuell missbraucht und anschließend ermordet? Die Leiche des Mädchens wurde auf einem verlassenen Trümmergrundstück im Londoner East End gefunden. Der für den Fall zuständige Detective Inspector Turpin stochert im Nebel.

Doch die exzentrische, reiche Miss Asta Thundersley, die versucht, den Fall im Alleingang aufzuklären, vermutet den Mörder im Umfeld der Sabbatinis: ein Kunde des jüdischen Schneiders vielleicht oder einer der Gäste der benachbarten Bacchusbar mit ihrer für das East End der 30er-Jahre typischen Kundschaft aus eingewanderten Ostjuden, Bohème, erfolglosen Schriftstellern, Kleinkriminellen, ausgeflippten Angehörigen der englischen Upperclass und verlorenen Seelen aller Art.

psycho Mit ihrer Vermutung liegt Miss Thundersley richtig. Der Vergewaltiger und Mörder des Kindes ist tatsächlich eine der Figuren, die der Leser relativ früh in Gerald Kershs Thriller Ouvertüre um Mitternacht kennenlernt, den der Deutschlandfunk am Samstag, den 6. Juli, in einer Hörspielfassung ausstrahlt. In einer späteren Passage wird der Täter einen ausführlichen Blick in seine kranke Psyche geben. Doch gefasst wird er nie. Am Ende bleibt Sonias Tod ungesühnt. Ihr Vater stirbt an Kummer, die Mutter verarmt, auch andere Figuren gehen vor die Hunde und die einst florierende Bacchusbar verkommt.

Gerald Kersh (1911–1968) war der Urvater des jüdischen Krimis. Jüdisch nicht nur, weil er selbst Jude war, sondern weil er Thriller zu einer Zeit im jüdischen Milieu ansiedelte, als Juden in dem Genre, wenn überhaupt, höchstens als obskure Nebenfiguren auftauchten. Zu Lebzeiten erfolgreich – seine Trilogie Night in the City wurde 1950 mit Richard Widmark in der Hauptrolle verfilmt –, fiel Kersh nach seinem Tod der Vergessenheit anheim. Ouvertüre um Mitternacht bietet die Chance, einen großen Thrillerautor neu zu entdecken.

»Ouvertüre um Mitternacht«.
Deutschlandfunk, Sonntag, 6. Juli, 0.05 Uhr

Aufgegabelt

Korkenzieher-Gurken mit Gochujang-Dressing

Rezepte und Leckeres

 14.02.2026

Berlinale

Nachdenken über Siri Hustvedt

Die Regisseurin Sabine Lidl hat eine sehenswerte Dokumentation über die amerikanische Schriftstellerin gedreht – ein Filmtipp

von Katrin Richter  14.02.2026

Berlinale

Arundhati Roy sagt Teilnahme ab

Als Begründung nannte sie die aus ihrer Sicht »unerhörten Aussagen« von Mitgliedern der Jury zum Gaza-Krieg

 14.02.2026

NS-Raubkunst

Wolfram Weimer kündigt Restitutionsgesetz an

»Eine Frage der Moral«: Der Kulturstaatsminister stimmt einem unter anderem vom Zentralrat der Juden geforderten Gesetz zu

 14.02.2026

Berlinale

Eine respektvolle Berlinale scheint möglich

Die 76. Berlinale hat mit Glamour, großen Gefühlen und einem wunderbaren Eröffnungsfilm begonnen. Respekt wurde großgeschrieben am ersten Tag. Nur auf der Pressekonferenz der Jury versuchte der Journalist Tilo Jung vergeblich zu polarisieren

von Sophie Albers Ben Chamo  13.02.2026

Potsdam

Barberini-Museum zeigt deutsche Impressionisten

Drei große Sonderausstellungen präsentiert das Potsdamer Barberini-Museum pro Jahr. 2026 werden zum Auftakt Werke von Max Liebermann und weiteren Künstlern des Impressionismus in Deutschland gezeigt

 13.02.2026

Analyse

Historiker: Dirigent von Karajan kein Hitler-Sympathisant

Opportunist oder Gesinnungsnazi? Das historische Bild des Dirigenten Herbert von Karajan leidet seit Längerem unter seiner NSDAP-Mitgliedschaft. Der Historiker Michael Wolffsohn will ihn nun von mehreren Vorwürfen freisprechen

von Johannes Peter Senk  13.02.2026

Berlinale-Film

Special Screening: David Cunio in Berlin erwartet

Das Kino Babylon zeigt vier Monate nach der Freilassung der israelischen Hamas-Geisel eine neue Fassung des Films »A Letter To David«

von Ayala Goldmann  12.02.2026

Meinung

Schuld und Sühne?

Martin Krauß irritiert der Umgang mancher Medien mit dem »Dschungelcamp«-König Gil Ofarim

von Martin Krauß  12.02.2026