NSU-Verbrechen

Orte des Schreckens

Hamburg, 28. März.2013: Hier wurde Süleyman Taşköprü, Obst- und Gemüsehändler, am 27. Juni 2001 in Hamburg-Bahrenfeld im Laden seines Vaters mit drei Schüssen aus zwei verschiedenen Waffen vom NSU ermordet. Jetzt ist ein Fahrradladen eingezogen. Foto: Regina Schmeken

Bäume in Schwarz-Weiß spiegeln sich in den Regenpfützen der Schlaglöcher im Asphalt einer Straße in Nürnberg: Hier wurde Enver Simsek am 9. September 2000 Opfer der rechtsextremen Terrorgruppe »Nationalsozialistischer Untergrund« (NSU). Ein anderes Foto, eine andere Gegend in derselben Stadt: An der Straßenecke sind ein paar Fahrräder abgestellt, Müllsäcke warten auf die Müllabfuhr. Hier wurde am 13. Juni 2001 Abdurrahim Özüdogru vom NSU erschossen.

Die großformatigen Aufnahmen der Fotografin Regina Schmeken gehören zu einem Zyklus von Fotografien der Orte der NSU-Verbrechen, die den Opfern gewidmet ist und seit diesem Samstag im Berliner Martin-Gropius-Bau gezeigt wird. Unter dem Titel Blutiger Boden. Die Tatorte des NSU sind dort 30 Fotografien zu sehen, die die Künstlerin von 2013 bei 2016 bei Besuchen der Orte aufgenommen hat. Die Ausstellung ist bis zum 29. Oktober zu sehen.

Täter Der NSU ermordete zwischen den Jahren 2000 und 2007 in Deutschland zehn Menschen überwiegend türkischer Herkunft, bei einem Nagelbombenattentat wurden 22 Menschen verletzt. Die Terrorgruppe wurde im November 2011 zufällig in Thüringen enttarnt. Zwei Haupttäter sind tot, weitere mutmaßlich Beteiligte stehen derzeit in München vor Gericht, Hauptangeklagte ist Beate Zschäpe. Der Prozess soll in diesem Jahr zu Ende gehen.

Für die Familien der Opfer sei es »unvorstellbar, dass ein Strafmaß unter lebenslänglich festgesetzt werden könnte«, sagte die Ombudsfrau der Bundesregierung für die NSU-Opfer, Barbara John, am Freitag in Berlin anlässlich der Eröffnung der Ausstellung. »Es gibt keine Ex-Opfer, aber es gibt Ex-Täter«, sagte John: »Die Strafe lebenslang haben die Täter über die Opfer bereits verhängt.«

Der Foto-Zyklus richte einen verstörenden Blick auf die Tatorte des NSU, schreibt dazu der Autor Hans Magnus Enzensberger. Das Beklemmendste an den Aufnahmen sei, dass auf ihnen weder die Mörder noch die Mordopfer zu sehen sind. Gerade das Unauffällige, Banale und Gewöhnliche wirke auf Schmekens Aufnahmen unheimlich.

spuren An den Orten der Morde an Mehmet Kubasik in Dortmund, an Habil Kilic in München und an Süleyman Tasköprü in Hamburg hat die Fotografin heruntergelassene Rollläden von Geschäften festgehalten. Reifenspuren auf dem Parkplatz, auf dem 2007 die Polizistin Nicole Kiesewetter in Heilbronn vom NSU erschossen wurde, dokumentieren dort den Alltag.

An den Tatorten habe sich zum Teil viel verändert, sagte Schmeken. Von den ursprünglichen Orten der regelrechten Hinrichtungen durch den NSU sei mitunter kaum noch etwas zu erkennen. Eine Auseinandersetzung »mit dieser schrecklichen jüngsten deutschen Geschichte« sei dort dennoch möglich.

Die Familien der Opfer seien in Sorge, dass nach Ende des NSU-Prozesses das Geschehen in der Öffentlichkeit verblassen könnte, sagte John: »Die Sorge finde ich berechtigt.« Es drohe die Entwicklung »Aus den Medien, aus dem Sinn«. Dem könnten neben Gedenkorten auch Ausstellungen wie die der Fotoarbeiten von Regina Schmeken entgegenwirken. Die Bilder könnten eine »Barriere bilden gegen das Vergessen«.

Arbeiten Die 1955 in Gladbeck (Nordrhein-Westfalen) geborene Fotografin Regina Schmeken, die für die »Süddeutsche Zeitung« arbeitet, fotografiert nach eigenen Angaben seit 1976 in Schwarz-Weiß und wurde bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Ihre Arbeiten finden sich unter anderem in den Sammlungen des Museum of Modern Art in New York, der Bibliothèque Nationale in Paris und des Münchner Lenbachhauses.

www.berlinerfestspiele.de

Rheinland-Pfalz

SchUM-Kulturtage Speyer präsentieren jüdisches Leben

Ob ein Kochkurs mit dem Landesrabbiner oder jiddische Lieder mit dem Oberkantor: Die SchUM-Kulturtage laden ab Oktober mehr als einen Monat lang dazu ein, die jüdische Kultur kennenzulernen

 14.09.2026

Aufgegabelt

Datteln auf Mohnsamen-Toffee

Rezepte und Leckeres

 14.09.2026

Nachruf

Sie lehrte Israel das Träumen

Ada Yonath, Nobelpreisträgerin für Chemie, wurde durch ihre Forschung zum Ribosom berühmt

von Sabine Brandes  14.09.2026

Berliner Leuchtturmprojekt

Musikalische Stolpersteine jetzt in fünf Bundesländern

Mehrere Tausend in Gehwegen eingelassene »Stolpersteine« halten europaweit die Erinnerung an Verfolgte des Naziregimes wach. Jetzt gibt es auch »Stolperstein«-Podcasts

 14.09.2026

Pink

»Ich wurde als Jüdin geboren«

Die amerikanische Sängerin reagiert auf Hass-Kommentare zu einem Repost

von Katrin Richter  14.09.2026

Fritz Busch

»Verräter raus!«

Vor 75 Jahren starb der Dirigent. 1933 vertrieben ihn die Nazis vom Pult der Sächsischen Staatskapelle

von Claudia Irle-Utsch  14.09.2026

Jubiläum

Filme für das Land der Täter: 80 Jahre CCC Filmkunst

1946 gründet der Holocaustüberlebende Artur Brauner die »CCC Filmkunst«. Sie wird zur erfolgreichsten unabhängigen Produktionsfirma im Nachkriegs-Europa, liefert Kassenschlager - und thematisiert immer wieder die Schrecken der NS-Zeit

von Gerhard Midding  14.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  14.09.2026

Streaming-Hit

»Nobody Wants This«: Staffel drei startet im Oktober

Diesmal ist auch die Comedienne und Schauspielerin Sarah Silverman beteiligt. Sie verkörpert Rabbinerin Eden

 14.09.2026