Netflix

Old Jews Telling Jokes

Wunderbar charismatisch und hübsch gealtert: Michael Douglas als Sandy Kominsky Foto: 2021 Netflix, Inc.

Denken wir nicht alle in jungen Jahren, dass das Leben allein durch sein Fortschreiten einfacher werden muss? Dass sich die Verwirrung der Jugend ganz von allein verziehen wird, um dem souveränen Erwachsensein Platz zu machen? Dass das Alter eine Angelegenheit der Coolness und Entspanntheit sein wird?

Wenn Sie gerade laut lachen und ein Faible für deftigen Humor haben, sind Sie wahrscheinlich längst Fan der Netflix-Erfolgsserie The Kominsky Method. Und dann wissen Sie auch, dass alles im Leben einmal endet. So eben auch dieses Kleinod der Unterhaltung für ältere Semester, diese auf mehreren Ebenen – vom Cast über die Produzenten bis hin zu den Reflexionen und Punchlines der Protagonisten – sehr jüdische Antiserie über die Kunst des würdelosen Alterns, dieses Fest der Prostata-, Viagra- und Erbschaftsprobleme.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Seit November 2018 liefern sich Schauspiel-Coach Sandy Kominsky – wunderbar charismatisch und hübsch gealtert dank Michael Douglas – und dessen Agent Norman Newlander – wunderbar ruppig und auf den Punkt dank Alan Arkin – im sonnigen Los Angeles verbales Dauerfeuer, dass es eine Lust ist.

frühstücksflocken Egal, ob es um den Tod, die Liebe oder Frühstücksflocken geht. Zwei Männer in dem Lebensabschnitt, in dem man mehr verliert als gewinnt, wo Beerdigungen die gängige Form der Geselligkeit sind – um Newlander zu zitieren –, teilen aus, in der Hoffnung, dass es das Einstecken leichter macht.

In der guten alten Tradition der seltsamen Paare der Filmgeschichte – angefangen bei Jack Lemmon und Walter Matthau über Woody und Buzz bis zu Grace und Frankie – steckt in den Frotzeleien aber natürlich tonnenweise Liebe. Gleich am Ende der ersten Staffel gibt es diese wundervolle Szene, in der Sandy seinem schwer angeschlagenen besten Freund verrät, was die Kominsky-Methode denn nun eigentlich ist. Nämlich für andere da zu sein. Familie. Freundschaft.

Dieses etwas ungelenke, aber wahrhafte Liebesgeständnis an das Leben ist das altersentsprechend schlagende Herz der Serie, die wir Big Bang Theory-Erfinder Chuck Lorre zu verdanken haben. Und wie in der – ebenfalls sehr jüdischen – Big Bang Theory, dem nerdigen Serienhit für Menschen im ersten Drittel des Lebens, geht es auch am Ende von The Kominsky Method darum, dass unser Wohl in den anderen Menschen liegt. Nimm das, Sartre!

auswechselspieler Kurze sechs Episoden hat die dritte und letzte Staffel, die sehr brutal gleich mit dem Abschied von Norman beginnt. Alan Arkin hatte offensichtlich früh verkündet, dass er nur für zwei Staffeln zur Verfügung steht. Allerdings gibt es für Norman vielfältige Auswechselspieler. Zur Not sogar vierbeinig.

Nur so viel: Sandys Ex-Frau Roz, gespielt von Michael Douglas’ Kollegin Kathleen Turner aus Kinohits wie Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten (1984) ist zurück, Morgan Freeman (Das Beste kommt zum Schluss) hat einen durch und durch gegenderten Auftritt, und besagter Vierbeiner ist ein Hund und Namensvetter von Norman, was Sandy kurz esoterisch werden lässt.

Natürlich sind die Kinder wieder mit dabei. Während Sandys Mindy versucht, ihre Beziehung mit dem alten, Pferdeschwanz -tragenden Martin zu festigen, laufen Normans Entzugsklinik-erprobte Tochter Phoebe (Lisa Edelstein, bekannt geworden durch die hinreißende Figur Dr. Cuddy in Dr. House) und sein Scientology-fanatischer Enkel Robbie (Haley Joel Osment, The Sixth Sense) zu hysterischer Höchstform auf.

andenken Tatsächlich endet das süß-saure Füreinander-da-sein von Sandy und Norman trotz der Widrigkeiten, die das Leben für alle Beteiligten bereithält, ziemlich versöhnlich. Auch wenn Arkin auf den letzten Metern schmerzlich fehlt, ist er irgendwie doch da. Und schließlich wird sein Andenken zum beachtlichen Segen für Sandy.

Nein, das Leben wird nicht einfacher, wenn man alt wird, aber wenn wir Glück haben, geht es weiter.

Alle drei Staffeln von »The Kominsky Method« sind auf Netflix abrufbar.

Interview

»Israel zu retten, bedeutet, die Menschheit zu retten«

Die Berliner Kabarettistin Michaela Dudley über die historische Allianz zwischen Schwarzen und Juden, Antisemitismus in den Medien – und warum sie seit dem 7. Oktober 2023 oft »gecancelt« wird

von Helmut Kuhn  16.08.2026

Kulturkolumne

Rückkehr nach Aschkenas

Wo sind Juden zu Hause?

von Eugen El  16.08.2026

Zahl der Woche

0 Euro

Fun Facts und Wissenswertes

 16.08.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Small Talk oder Die anstrengende Zeit nach dem Urlaub

von Nicole Dreyfus  16.08.2026

Aufgegabelt

Sauerkirschsuppe mit Sauerrahm

Rezepte und Leckeres

von Noemi Berger  16.08.2026

TV-Kritik

Der Ring, der nie gelungen: Arte-Doku über Richard Wagner und sein monumentales Werk

Eine Arte-Dokumentation erzählt die Geschichte von Richard Wagners Gesamtkunstwerk und seiner Vereinnahmung durch die Nazis

von Manfred Riepe  15.08.2026

Essay

Politische und moralische Bankrotterklärung

Die Literaturkritikerin Maha El Hissy hat kein Problem damit, die populärste antisemitische Ritualmordlegende unserer Gegenwart zu verbreiten. Trotzdem wurde sie in die Jury des renommierten Deutschen Buchpreises berufen

von Daniel Neumann  15.08.2026

Hamburg

Art Garfunkel kommt für ein Konzert nach Deutschland

Der Vorverkauf für den Auftritt in der Elbphilharmonie am 24. Oktober hat begonnen

 14.08.2026

Forum

Leserbriefe

Kommentare und Meinungen zu aktuellen Themen der Jüdischen Allgemeinen

 14.08.2026