»ZEITGeschichte«

Ohne Klischees

Neu am Kiosk: ZEITGeschichte Foto: Marco Limberg

»ZEITGeschichte«

Ohne Klischees

Das neues Magazin der »ZEIT« beschreibt jüdisches Leben in Deutschland im Laufe der Jahrhunderte

von Alexander Friedman  06.12.2021 14:47 Uhr

»Juden in Deutschland« – jahrzehntelang war das Bild der Mehrheitsgesellschaft von Klischees geprägt: KZ-Häftlinge oder orthodoxe Juden mit Schläfenlocken. Auch vor zwei Jahren noch, in der »Spiegel Geschichte«-Ausgabe »Jüdisches Leben in Deutschland«, fand man diese beiden Bilder. Die neue, reich und eindrucksvoll illustrierte Ausgabe von »ZEITGeschichte« ist jedoch anders. Sie hat den Anspruch, »die Vielfalt jüdischen Lebens von seinen Anfängen bis in unsere Zeit« darzustellen – und sie wird diesem Anspruch insgesamt gerecht.

Sie beleuchtet verschiedene Aspekte der deutsch-jüdischen Geschichte in der Antike, im Mittelalter und in der Neuzeit. In mehreren Beiträgen werden sowohl zentrale historische Etappen als auch dem breiten Publikum wenig bekannte Phänomene, Aspekte und Episoden präsentiert: So beleuchtet etwa der Historiker Fritz Backhaus die Errichtung des Ghettos in Frankfurt am Main 1462, während der Judaist Christian Wiese die Geschichte des nicht stattgefundenen Treffens zwischen Martin Luther und dem jüdischen Gelehrten Josel von Rosheim (1476–1554) erzählt. Die herausragende Rolle jüdischer Menschen in der deutschen Literaturgeschichte wird zu Recht vom legendären Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki hervorgehoben, dessen Beitrag aus dem Jahr 1995 die Ausgabe bereichert.

Judenhass In mehreren Beiträgen wird das Thema Judenhass aufgegriffen. Besondere Aufmerksamkeit verdient das Kapitel »Du süße Stadt«, das die Leser und Leserinnen auf eine Reise durch das jüdische Berlin der Weimarer Jahre mitnimmt.

Als gelungen kann man die Darstellung der grausamen Epoche des Nationalsozialismus bezeichnen: Der Holocaustforscher Markus Roth fasst die Entrechtung, Verfolgung und Ermordung der deutschen Juden zusammen.

Anschließend werden Auszüge aus Tagebüchern und Briefen zusammengestellt, die den erschreckenden Alltag deutscher Juden im Nationalsozialismus nachzeichnen. Ferner setzt sich die Historikerin Andrea Löw mit dem jüdischen Widerstand gegen das NS-Regime auseinander und geht dabei etwa auf den deutsch-jüdischen Kommunisten Herbert Baum (1912–1942) ein. So wird die Geschichte der Schoa unter verschiedenen Perspektiven dargestellt, und es wird mit der weithin verbreiteten Auffassung aufgeräumt, Juden seien passive Opfer gewesen.

Der Holocaust war ein absoluter Tiefpunkt, jedoch nicht das Ende der jüdischen Geschichte in Deutschland. So beschreibt der Historiker Michael Brenner die Entwicklung des jüdischen Lebens nach dem Zweiten Weltkrieg und bietet einen Überblick über die Situation von Juden in der Bundesrepublik vor und nach der Wiedervereinigung. Die Journalistin Anetta Kahane nimmt sich der Geschichte der DDR an und reflektiert die ambivalente Rolle der Juden im »ersten sozialistischen Staat auf deutschem Boden«.

Zuwanderung Während Deutschlands jüdische Vergangenheit ausführlich thematisiert und das Publikum zu einer weiteren Beschäftigung mit diesem Themenkomplex geradezu animiert wird, kommt die jüdische Gegenwart nur am Rande vor, und die Geschichte der jüdischen Zuwanderung nach Deutschland wird lediglich nebenbei erwähnt. Dabei wird es wohl von Juden aus dem postsowjetischen Raum und ihren Nachkommen abhängen, ob die jüdische Geschichte in diesem Land eine Fortsetzung hat.

Die Frage, »ob daraus ein neues ›deutsches‹ Judentum entstehen wird, das sich mit dem heutigen Deutschland vorbehaltlos identifiziert«, greift der Historiker Julius Schoeps in seinem pointierten Beitrag über jüdische Identitäten in Deutschland auf. Obschon diese Frage noch nicht beantwortet werden kann, betont Schoeps optimistisch, dass die Chance bestehe.

London

Gal Gadot spielt Hauptrolle in rasantem Thriller »The Runner«

Gadot spielt die erfolgreiche Wirtschaftsanwältin Maia Marten, deren Leben aus den Fugen gerät, als ihr Sohn entführt wird

 23.07.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  23.07.2026

Interview

»Es geht um das aktuelle jüdische Leben in unserem Land«

Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) über ein neues Kompetenznetzwerk zu jüdischer Gegenwartsforschung, eine Förderrichtlinie und den Einsatz gegen Israel-Boykott

von Leon Stork, Ayala Goldmann  23.07.2026

Chicago

Heavy-Metal-Auftritt: William Shatner geht mit 95 auf die Bühne

Mit seiner Gruppe The *uckers hat der jüdische Schauspieler und Musiker auch sein erstes Album aufgenommen. Der Titel: »What the F Is Heavy Metal«

 23.07.2026

Kulturkolumne

Kampf um eine schwarze Puppe

Erinnerungen an einen gar nicht idyllischen Sommerurlaub in Österreich in den 60er-Jahren

von Maria Ossowski  23.07.2026

Literatur

Zoff im PEN-Club

Wie erwünscht sind jüdische Schriftsteller heute noch in den USA?

von Hannes Stein  23.07.2026

Programm

Marathon-Mann, Swingende Hermline und ein festliches Triple in Karlsruhe: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 23. Juli bis zum 30. Juli

 22.07.2026

Europatournee

Bob Dylan kommt im Herbst nach Deutschland

Der jüdische Sänger und Songschreiber wird sieben deutsche Bühnen in Beschlag nehmen. Heute beginnt der Vorverkauf

 22.07.2026

Paris

Berührend: Was seine Tochter dem »Asterix«-Schöpfer schreibt

Millionen kennen René Goscinny wegen »Asterix«. In »Das Klimpern der Schlüssel« schreibt ihm seine Tochter Anne als Erwachsene einen Brief. Daraus entstand ein berührendes Buch, nun auch auf Deutsch

von Sabine Glaubitz  21.07.2026