Die Intendantin der Berlinale, Tricia Tuttle, bleibt im Amt. Nach einer Krisensitzung im Kanzleramt teilte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer mit, dass sich Bund, Aufsichtsrat und Festivalleitung darauf verständigt hätten, dass die Amerikanerin ihre Arbeit fortsetzt. Allerdings sollen nach einem weiteren Antisemitismus-Skandal künftig ein »beratendes Forum« eingerichtet und ein Verhaltenskodex für Kulturveranstaltungen des Bundes entwickelt werden.
Unterdessen forderten vorwiegend jüdische Organisationen und teils prominente Einzelpersonen ihren Rauswurf in einer Petition. »Das internationale Filmfestival in Berlin hat sich in den letzten drei Jahren in ein Antisemitismus-Festival verwandelt«, hieß es darin. »Seit drei Jahren wird es für pro-palästinensische Propaganda à la Hamas gekapert und missbraucht.«
Die Initiative verwies auf die letztjährige Berlinale, in deren Rahmen der Regisseur Jun lie aus einem Brief vorlas. Darin war von Millionen Palästinensern die Rede, die unter einem angeblichen »brutalen, vom Westen finanzierten Siedlerkolonialismus Israels« erstickten. Danach wurde eine Terrorparole skandiert.
Drohung statt Dankesrede
Tricia Tuttle, so die Unterzeichner, sei auch für die diesjährige Ausgabe des Filmfestivals verantwortlich, auf der der palästinensische Preisträger Abdallah Alkhatib jenen drohte, die nicht auf der Seite des Terrors stehen:: »Wir werden uns an jeden erinnern, der an unserer Seite stand, und wir werden uns an jeden erinnern, der gegen uns war.« Anstelle einer Dankesrede habe das Publikum eine Drohung gehört, so der Text der Petition.
»Ein Staat wie Israel, der seine Bevölkerung gegen Mörder, Vergewaltiger und Geiselnehmer verteidigt, der über zwei Millionen Tonnen an Hilfsgütern für Gaza bezahlt und sie dorthin transportiert, der während des Kriegs gegen palästinensischen Terror die Zivilisten in Gaza vor Angriffen warnt (und damit wichtige taktische Überraschungsmomente aufgibt), der Fluchtrouten für Zivilisten organisiert und humanitäre Zonen einrichtet – ein solcher Staat begeht keinen Völkermord«, schreiben die Initiatoren.
Den Pro-Palästina-Aktivisten gehe es nicht um Dialog oder Kritik: »Was wir hier sehen, ist blanker Israelhass, mit Hetze und Lügen und zugelassen von der Festivalleitung. Hier läuft etwas ganz gehörig falsch.« Mit 15 Millionen Euro an Steuergeldern werde die Berlinale finanziert. Zugleich sehe es so aus, als werde für israelfeindliche Propaganda der rote Teppich ausgerollt. Tricia Tuttle habe dies zugelassen und sich auch noch mit Kufiya-tragenden Filemachern ablichten lassen.
Beflügelung des Judenhasses
»Hamas-Propaganda ist nicht Ausdruck einer Freiheitsbewegung, sie ist kein Widerstand, kein Kampf um Land. Hier geht es um die Eliminierung von Jüdinnen und Juden weltweit«, heißt es in der Petition. Dieser Judenhass werde auf die Bühne der Berlinale getragen. Dies führe nicht zu Frieden und Dialog, argumentieren die Unterzeichner. Das Gegenteil sei der Fall.
Entsprechende Events und Statements beflügelten die immense Welle des weltweiten Antisemitismus. »Das ist eine direkte Bedrohung für Juden und alle Menschen, die Israel unterstützen«, sagen die Initiatoren. Antisemitismus und Judenhass seien weder eine Meinung noch Kunst.
»Wir können und wollen nicht mehr hinnehmen, dass die Berlinale als Bühne für Hass und Drohungen vor einem Millionenpublikum dient«, so die Unterzeichner. »Wir können und wollen es nicht hinnehmen, dass solches Verhalten nicht unterbrochen oder unterbunden wird.«
Streichung der Subventionen
»Angesichts der Unfähigkeit (oder des Unwillens) der Direktorin der Berlinale, Anti-Israel-Hetz-Veranstaltungen zu beenden«, wird in der Petition eine Streichung der Subventionen für die Berlinale gefordert. Auch heißt es: »Tricia Tuttle ist als Direktorin nicht länger tragbar und muss sofort entlassen werden.« Inzwischen ist klar, dass dies nicht geschehen wird.
Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem Sacha Stawski, Vorsitzender des Vereins Honestly Concerned, mehere Vorsitzende jüdischer Gemeinden in Deutschland, die NGO Swiss Creatives against BDS, das Jüdische Forum für Demokratie gegen Antisemitismus, der Politologe und Autor Arye Sharuz Shalicar und Ali Ertan Toprak, der Bundesvorsitzende der Kurdischen Gemeinde in Deutschland. ja
Die Online-Petition kann hier eingesehen werden.