Wassertechnologie

Nasses Gold

Da staunt der Hirsch: Im Hai-Bar-Carmel-Nationalpark sinkt der Wasserspiegel. Foto: Flash 90

Wassertechnologie

Nasses Gold

Israel exportiert sein Know-how mit Entsalzungsanlagen und Abwasseraufbereitung

von Ralf Balke  21.01.2010 00:00 Uhr

Mitten im Winterregen kam der Schock für die israelischen Verbraucher: Die staatliche Wassergesellschaft Mekorot erklärte, zum 1. Januar 2010 die Was- serpreise um satte 25 Prozent zu erhöhen. Damit nicht genug. Am 1. Juli 2010 wird ein weiterer Preisaufschlag von 16 Prozent fällig, und zum Jahreswechsel 2011 plant der staatliche Versorger, noch einmal zwei Prozent draufzulegen. Israelis zahlen dann bald deutlich über zwei Euro für den Kubikmeter Wasser und überholen damit die Deutschen, die im Durchschnitt 1,90 Euro dafür hinlegen und im internationalen Vergleich lange den Spitzenplatz belegten.

»Die drastischen Preiserhöhungen sind notwendig, um innerhalb der kommenden drei Jahre die Wasserkrise zu beenden«, argumentiert Uri Schani, Chef der nationalen Wasserbehörde. In den vergangenen Winterperioden fielen die Niederschläge reichlich dürftig aus, und trotz der überdurchschnittlich starken Regenfälle im Novem- ber und Dezember befindet sich der Wasserspiegel des Sees Genezareth, Israels wichtigstem Reservoir, weiterhin auf einem bedenklich niedrigen Niveau. Zudem sollen die Verbraucher motiviert werden, sparsamer mit dem kostbaren Nass umzugehen, heißt es von offizieller Seite. Dabei tun sie dies längst. Im Jahr 2009 sank der private Verbrauch um neun Prozent auf 738 Millionen Kubikmeter. Die Gründe, warum derart an der Preisschraube gedreht wurde, sind offensichtlich ganz andere.

aufbereitung »Ohne diese Reform der Tarife werden wir langfristig nicht in der Lage sein, die neuen Meerwasserentsalzungsanlagen oder Maßnahmen zur Sanierung des Versorgungssystems zu finanzieren«, ergänzt Schani. Erst vor wenigen Wochen wurde in Hadera Israels modernster Komplex zur Aufbereitung von Meer zu Trinkwasser in Betrieb genommen. Momentan hat dieser eine Kapazität von 150.000 Kubikmetern am Tag. Wenn er in einigen Monaten die volle Leistung erreichen wird, sollen es über 350.000 Kubikmeter sein und der Komplex damit der größte seiner Art auf der Welt. Bis dato gab es zwei Meerwasserentsalzungsanlagen in Palmachim und Eilat, zwei weitere in Aschdod und Sorek sollen bis 2012 fertig sein.
Kein anderes Land hat dermaßen viel Erfahrungen auf dem Gebiet der Meerwasserentsalzung und Abwasseraufbereitung gesammelt wie Israel. Und daraus entwickelt sich gerade eine boomende Industrie, die sich anschickt, zu einer der Säulen der israelischen Ausfuhrwirtschaft zu werden. Im Jahr 2008 exportierte der jüdische Staat Wassertechnologie im Wert von 1,4 Milliarden Dollar. 2011 soll das Volumen bereits 2,5 Milliarden Dollar betragen, heißt es aus dem Handelsministerium. Pionier der Branche ist die Firma Netafim, die in den 60er-Jahren die Tröpfchenbewässerungsanlagen erfand und heute einen Umsatz von 500 Millionen Dollar verzeichnet. Zahlreiche neue Player sind dazugekommen, beispielsweise das Start-up-Unternehmen Curapipe Systems, das eine Art Mini-Roboter entwickelt hat, der selbst kleinste Risse in Wasserleitungen erkennt und mittels eines Verbundwerkstoffs zu reparieren vermag. Kostspielige Aushubarbeiten werden damit überflüssig. »Rund zehn Prozent des Trinkwassers in Israel gehen allein durch defekte Rohre verloren«, so Curapipe-Chef Peter Paz. Weltweit kosten solche undichten Stellen die Wasserversorger 14 Milliarden Dollar im Jahr.

Aqwise ist eine weitere junge Firma mit viel Potenzial. Sie züchtet Bakterienkulturen zur kostengünstigen Aufarbeitung von Abwässern und wird dank einer Wachstumsrate von 50 Prozent im Jahr 2009 als einer der Shootingstars der Branche gehandelt. »Obwohl wir zur Weltspitze gehören, wenn es um Innovationen und Technik geht, haben wir ein Problem«, sagt Oded Diste, der Direktor des Nationalen Wassertechnologie-Programms des Handelsministeriums. »Der Binnenmarkt ist einfach zu klein.« Israelische Unternehmen suchen daher auf dem Weltmarkt ihr Glück. Haben sie Erfolg, können sie ihre Anlagen in größeren Stückzahlen und damit natürlich günstiger produzieren. Vielleicht hat ja eines Tages auch der geschröpfte israelische Verbraucher etwas davon, und die Wasserpreise werden wieder sinken.

München

Urys »Interieur mit Kindern« werden restituiert

Ein Bild mit einer spannenden Geschichte kehrt nun aus Bayern in den Schoß der rechtmäßigen Erben zurück. Vorausgegangen ist eine umfangreiche Provenienzforschung zur Herkunft des Gemäldes

von Barbara Just  30.03.2026

Programm

Führung, Erinnerung und Vorträge: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 2. April bis zum 16. April

 30.03.2026

Quedlinburg

Feininger-Museum mit Jubiläumsausstellung zur »Blauen Vier«

Quedlinburg bietet mehr als Stiftskirche und Fachwerk: Am Montag wird im Museum Lyonel Feininger eine Sonderausstellung mit Werken der Künstlergruppe »Die Blaue Vier« um Paul Klee und Wassily Kandinsky eröffnet

 30.03.2026

Kolumne

Der Mandelbaum und die »hot mitzvah«

Fernsehen statt Fernreise oder Warten auf ein Ende des Krieges

von Sophie Albers Ben Chamo  29.03.2026

Aufgegabelt

Israelischer Salat mit Silan-Dressing

Vor dem großen Schlemmen an Pessach gibt es noch etwas Leichtes: Israelischer Salat mit Silan-Dressing. Unser Rezept der Woche

von Katrin Richter  29.03.2026

Giora Feidman

Ton der Seele

Der Klarinettist feierte seinen 90. Geburtstag in der Berliner Philharmonie – eine Doku auf ARTE würdigt sein Lebenswerk

von Maria Ossowski  27.03.2026

TV-Tipp

Arte-Doku über die Komponistin Meredith Monk

Arte zeigt einen Dokumentarfilm über die 1942 geborene New Yorker Komponistin, Choreografin und Regisseurin Meredith Monk. Mit ihren stilisiert naiven Bühnen- und Klangwelten hat sie ein besonderes Werk geschaffen

von Michael Kienzl  27.03.2026

Glosse

Der Rest der Welt

»Sowohlalsauch« oder Wenn das Lieblingscafé schließt

von Katrin Richter  27.03.2026

Schloßbergmuseum

Chemnitz zeigt Fotoausstellung über Mikwen

Ein Fotograf hat die Atmosphäre dieser meist unterirdisch gelegenen jüdischen Orte eingefangen

 26.03.2026