Konzert

Nani Vazana ehrt Nina Simone in Frankfurt

Nani Vazana Foto: Official press photo

Große Ereignisse werfen ihre Schatten auch in Frankfurt am Main voraus. Die israelisch-niederländische Sängerin, Posaunistin und Komponistin Nani Vazana wartet im Konzertsaal der Bonifatiuskirche mit »A Tribute to Nina Simone« auf.

Das Konzert ist Teil einer ausgedehnten Tour, die die Künstlerin auf 14 Bühnen in Nord-Amerika führte sowie ebenso viele in Europa. Sechs weitere Vorstellungen auf dem alten Kontinent und drei in Israel stehen ihr in den nächsten Wochen noch bevor.

Das um die Jahrtausendwende geborene Talent bietet eine große Bandbreite an Klängen. Neben ihrem Faible für Songs von Nina Simone ist Nani Vazana dafür bekannt, eine der wenigen Sängerinnen zu sein, die auf Ladino singt. Wie ihre Kollegin Yasmin Levy greift sie die auch als Judäo-Spanisch bekannte Sprache ihrer sephardischen Vorfahren auf.

»Una Segunda Piel«

»Vor einigen Jahren begab ich mich auf eine unerwartete Reise nach einem Lied, das ich auf den Straßen Marokkos wiederentdeckte«, sagt Nani Vazana. »Ich besuchte Fez, die Heimatstadt meiner Großmutter. Sie sprach Ladino, aber mein Vater verbot uns, in einer anderen Sprache als Hebräisch miteinander zu sprechen. Stattdessen sang sie in der Küche einige Lieder in diesem geheimnisvollen Dialekt, den niemand verstand.«

Lesen Sie auch

»Ich erinnere mich noch daran, wie ich mit ihr Bohnen schälte, den faszinierenden Rhythmen lauschte und hoffte, dass ich sie eines Tages selbst singen könnte, so gut wie sie es tat«, erinnert sich die Künstlerin. »Als ich dann 20 Jahre später dieselbe Melodie in den engen Gassen der Innenstadt von Fez hörte, fühlte ich meine Berufung.«

Eine starke Bühnenpräsenz ist ein weiteres Merkmal, das Konzerte von Nani Vazana zu Erlebnissen macht. Sowohl ihr Publikum als auch die Kritiker sind begeistert. Nicht umsonst gewann sie im vergangenen Jahr den Eurovision Song Contest für Minderheitensprachen mit ihrem Lied »Una Segunda Piel« (»Eine zweite Haut«).

Migration und weibliches Empowerment

Der britische Kanal BBC Radio 3 brachte es auf den Punkt, als er Nani Vazana als eine Stimme beschrieb, die das Publikum »in einem Atemzug von antiken Märkten zu modernen Jazzclubs transportiert«.

Sozial relevante Texte, die auch weibliches Empowerment feiern, bieten sowohl ihre Songs auf Ladino als auch die Nina Simone-Interpretationen. Angereichert werden die Lieder mit ihrem bestechenden Gesang, Flamenco- und Mariachi-Gitarren, zuweilen auch Posaunenklängen sowie viel Percussion und Klavier.

Das Beste an dieser Story: Nani Vazanas Frankfurter Konzert findet bereits am morgigen Donnerstag, den 22. Mai 2025, statt. Tickets und nähere Informationen gibt es hier. im

Zwickau

Ausstellung zu jüdischen Lebensgeschichten

Im Jahr 2022 ist in Zwickau eine alte Torarolle wiederentdeckt worden. Die Schrift der früheren jüdischen Ortsgemeinde bildet nun das Herzstück einer Ausstellung

 24.06.2026

Programm

Erinnerung, Entwurzelung, Erläuterung: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 25. Juni bis zum 2. Juli

 24.06.2026

Abschied

Musiker betrauern Clive Davis

Von Barbra Streisand über Carole King bis hin zu Billy Joel und von Earth, Wind & Fire bis Santana: Alle verabschieden sich von dem legendären Produzenten in Trauer und Dankbarkeit

von Imanuel Marcus  24.06.2026

Länger leben

Forscher drehen die biologische Uhr zurück

Israelischen Wissenschaftlern gelingt es, Alterungsprozesse in Lebern alter Mäuse umzukehren. Der Traum von der Verjüngung erscheint damit zumindest auf molekularer Ebene denkbar

von Sabine Brandes  23.06.2026

Social Media

Von Saftpäckchen und Zahlencodes

Auf der Online-Plattform TikTok versteckt sich Judenhass häufig hinter Zahlencodes, Emojis und Hashtags. Eine neue Studie untersucht die Besonderheiten des digitalen Antisemitismus

von Leon Stork  23.06.2026

Los Angeles/New York

Hitler-, Grusel- und Helden-Parodien: Mel Brooks wird 100

Nur wenige haben einen Oscar, Emmy, Tony und Grammy gewonnen. Das jüdische Multitalent Mel Brooks zählt dazu. Jetzt wird der Komiker und Regisseur 100 - und zeigt, dass er noch immer Menschen zum Lachen bringt

von Barbara Munker  23.06.2026

Kommentar

Wer kann das noch ernst nehmen?

Immer mehr zeigt sich: Anmoderation und Exekution von Unwahrheiten und falschen Fakten vor einem Millionenpublikum sind kein ärgerlicher Ausrutscher, sondern gezielte Agitation

von Daniel Killy  23.06.2026

Essay

Fallstricke des Wokeismus

Gegenerzählungen zur westlichen Kolonialgeschichte bilden ein berechtigtes Korrektiv, aber was über Israel verbreitet wird, bedarf grundlegender Korrekturen

von Richard Blättel  22.06.2026

Hören

»Amalie’s Cosmos«

Die in Paris geborene Harfenistin Anne-Sophie Bertrand stellt eine deutsch-jüdische Salonnière ins Zentrum ihres neuen Albums

von Claudia Irle-Utsch  22.06.2026