Theater

Monolog für die Freiheit

Lévy plädiert für ein sozialeres Europa. Foto: imago images / Agencia EFE

Die Handlung ist auf den ersten Blick simpel: Bernard-Henri Lévy soll gleich eine Rede auf einem Friedenskongress in Sarajevo halten. Das Bühnenbild ist ebenso einfach gehalten: Es besteht aus einem schlicht eingerichteten Hotelzimmer. Eine Leinwand, ein Tisch, eine Couch, eine Badewanne und ein paar Bücher.

Der französische Philosoph muss sich eigentlich auf seine Rede vorbereiten, doch es sprudelt nur so aus ihm heraus. Um eine Lobrede auf die europäische Idee soll es auf dem Kongress gehen, doch Lévy ist besorgt. Es folgt ein über 100-minütiger atemloser Monolog über »den politischen Sturm, der über Europa hinweg fegt«. Der ungehemmte Redefluss wird nur wenige Male durch Musikeinspielungen oder Töne auf seinem Handy unterbrochen.

UNGEWÖHNLICH Bernard-Henri Lévy tourt gerade mit seinem Ein-Personen-Drama Looking for Europe durch 22 europäische Städte, am Montag war er in der Berliner Urania zu Gast. Es ist ein ungewöhnlicher Abend, mit Anteilen von Theater, Vortrag und Lesung. Wobei Lévy nicht liest, aus seinem Kopf reiht er minutenlange Sätze an ebenso verschachtelte wie leidenschaftlich vorgetragene Wortkaskaden, oft mit geschlossenen Augen oder unruhig hin und her laufend. Er erzählt den Zuschauern von den »Bildern der Schande und Traurigkeit«, die ihm erscheinen, wenn er an das von ihm geliebte Europa denkt. Und immer wieder sind das auch Bilder des Antisemitismus.

Der Linken wirft Bernard-Henri Lévy vor, sich nicht um tyrannische Regime zu kümmern.

Er betont die Einzigartigkeit der Schoa und definiert diese durch zwei Merkmale, »die Auschwitz völlig eigen sind«: die restlose Vernichtung, die selbst die Erinnerung an die Ermordeten auslöschen will, und die ausweglose Vernichtung, die keinen Ort der Zuflucht zulässt. Das zweite große Thema des Abends ist der Rechtspopulismus und Rechtsextremismus. Der Autor hat einen Teil des Textes für den Abend in Berlin umgeschrieben und bezieht sich immer wieder auf die Situation in Deutschland: Es gehe darum, zu verstehen, »wie das Land von Kant und Nietzsche, das bereits die absolute Barbarei zustande gebracht hat, sich nicht einstimmig auflehnen kann, gegen Ausschreitungen in Chemnitz und die Komplizen von Salvini, Le Pen und Orbán«.

Später folgt eine Lobeshymne an Angela Merkel, fast schon eine Liebeserklärung. »Die unvernünftige und schöne Entscheidung, die Grenzen für Migranten im September 2015 nicht zu schließen, hat die Ehre Europas gerettet«, so Lévy. Den Ausspruch »Wir schaffen das« adelt er gar als »biblisch«. Immer wieder geht es um die Flüchtlingspolitik, verstärkt durch Bilder auf der Leinwand, die untergehende Boote im Mittelmeer zeigen. Er fordert eine »Willkommenspflicht gegenüber denen, die aus Diktaturen fliehen« und eine »Politik der Gastfreundschaft« für alle anderen.

Es ist ein leidenschaftliches Plädoyer für ein sozialeres, politischeres und poetischeres Europa.

ISLAMISMUS Auch die politische Situation in Frankreich thematisiert »BHL« in seinem Stück. Dabei kommt er auch auf den Linkspopulismus zu sprechen. Der Linken wirft er vor, sich nicht um tyrannische Regime zu kümmern – »das könnte ja sonst imperialistisch wirken«. Den Islamismus thematisiert der Intellektuelle nur ein einziges Mal, als er in Anspielung auf Sarah Halimi und Mireille Knoll über Jüdinnen spricht, »die unter Allahu-Akbar-Rufen aus dem Fenster gestürzt oder erstochen werden«.

Der fünfte und letzte Akt ist ein Plädoyer für ein sozialeres, politischeres und poetischeres Europa. Der Monolog hat dabei einige Längen. Doch spätestens, wenn der Theaterdonner zu elektronischer Musik einsetzt und die Scheinwerfer den Protagonisten nur noch von unten anleuchten, wird es wieder spannend. Lévy kniet auf der Bühne, wie im Rausch, seine Gesichtszüge sind von Verzweiflung geprägt. Es ist ein letzter Aufruf an das Publikum, der »Zerstörung Europas« entgegenzutreten.

Fernsehen

Gil Ofarim: »Das kann es nicht gewesen sein«

Was genau er damit meint und ob er sich auf den Skandal bezieht, der das öffentliche Bild von ihm zuletzt geprägt hatte, lässt Ofarim als Cliffhanger offen

 28.01.2026

"Dschungelcamp"

Anwalt von Gil Ofarim warnt vor Grenzüberschreitungen

Alexander Stevens sagt, es würden teils unwahre Tatsachenbehauptungen verbreitet, die strafrechtliche Konsequenzen haben könnten

 28.01.2026

Programm

Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 29. Januar bis zum 5. Februar

 28.01.2026

Fernsehen

»Bin ich die einzige Normale?«

Die Frage stellt Dschungelcamperin Ariel – doch Ferndiagnosen verbieten sich auch bei TV-Stars

von Martin Krauss  28.01.2026

Zahl der Woche

13 Sommer- und Winter-Machanot

Fun Facts und Wissenswertes

 27.01.2026

Kairo/Berlin

Ägypten verbietet Buch zu Gaza-Krieg - Autoren: Das Interesse ist riesig

Ihr Streitgespräch über den Nahostkonflikt sorgte in Deutschland für viel Aufmerksamkeit - doch Ägyptens Zensur verbietet das Buch von Philipp Peyman Engel und Hamed Abdel-Samad. Die Autoren nehmen es eher gelassen

 27.01.2026

USA

Kanye West entschuldigt sich erneut für Antisemitismus

In einer ganzseitigen Anzeige im Wall Street Journal schreibt der Rapper: »Ich bin kein Nazi und kein Antisemit. Ich liebe jüdische Menschen.«

 27.01.2026

Meinung

Ein Schmock kommt selten allein

Im »Dschungelcamp« scheint Gil Ofarim in bester Gesellschaft. Doch was hat er aus seiner Lüge in der »Davidstern-Affäre« gelernt?

von Ayala Goldmann  27.01.2026

Meinung

»Zeit Geschichte« stellt sich in eine unsägliche Tradition

Das Titelbild der neuen Ausgabe des Hefts reduziert den Nahostkonflikt auf ein simples Gut-gegen-Böse-Schema. Immer wieder nutzen renommierte Medien problematische Bildsprache, wenn es um Israel geht

von Nikolas Lelle  27.01.2026