»Die Farbe Lila«

Mehr als nur ein Neuaufguss

Schwarze Tanztraditionen tragen maßgeblich zum Gelingen der neuen Version bei. Foto: © 2022 Warner Bros. Entertainment Inc.

Wer beim Titel Die Farbe Lila als Erstes an Steven Spielbergs elffach Oscar-nominierten Film aus dem Jahr 1985 denkt, liegt prinzipiell nicht falsch. Und doch ist das gleichnamige Werk, das nun neu in den Kinos anläuft, kein Remake von Spielbergs Adaption des preisgekrönten Romans Die Farbe Lila von Alice Walker. Vielmehr handelt es sich um eine Verfilmung des Bühnenmusicals, das – ebenfalls auf der Basis des Buches – bereits zweimal zum Broadway-Erfolg wurde, und das, obwohl die Geschichte eigentlich immer die gleiche ist.

Anfang des 20. Jahrhunderts ist auch in den Südstaaten der USA die Sklaverei längst abgeschafft. Doch deren von Generation zu Generation vererbte Strukturen der Gewalt und Ausgrenzung haben sich fest in die Menschen eingeschrieben, selbst in der afroamerikanischen Bevölkerung.

So wird die junge Celie von ihrem Vater geschlagen und missbraucht. Mehrmals wird sie schwanger, die Babys muss sie gleich nach der Geburt weggeben. Irgendwann zwingt er sie, einen Farmer mit drei kleinen Kindern zu heiraten, dem sie als Putzfrau, Kindermädchen und Geliebte gleichermaßen dienen soll. Dass auch dieser Mann, den sie nur »Mister« nennt, immer wieder brutal zuschlägt, erscheint fast als Selbstverständlichkeit.

Halt gibt Celie zunächst die enge Beziehung zu ihrer selbstbewussten Schwester Nettie. Doch »Mister« schickt sie bald weg, ihre Briefe lässt er verschwinden. Was bleibt, ist der Glaube – und schließlich andere Frauen, die in Celies Leben treten und als Vorbilder dienen, wenn es um Stärke und Lebensfreude geht. So wie Sofia, die selbstbewusste Ehefrau von »Misters« Sohn Harpo, oder die Sängerin Shug Avery, die manchmal aus der Großstadt anreist, wo sie ein Leben führt, in dem männliche Erwartungen eine eher untergeordnete Rolle spielen. Gerade Letztere ist es, die über die Jahre entscheidenden Anteil daran hat, dass es Celie irgendwann doch gelingt, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Offiziell ist Steven Spielberg auch dieses Mal an »Die Farbe Lila« beteiligt.

Offiziell ist Steven Spielberg auch dieses Mal an Die Farbe Lila beteiligt. Er gehört zu den Produzenten, genau wie etwa Quincy Jones, der bereits 1985 darüber hinaus auch als Komponist beteiligt war, oder Oprah Winfrey, der damals in der Rolle der Sofia der Durchbruch gelang. Regie allerdings hat dieses Mal der aus Ghana stammende Blitz Bazawule geführt, der im Interview betont, wie wenig die alte Garde ihm in das Projekt hineingeredet hat.

Zum Glück, möchte man sagen, denn die Elemente, in denen sich – neben den Songs – sein Film nun von Spielbergs Version unterscheidet, sind genau die, die das Projekt so gelungen machen. Denn Bazawule, der bereits mit Beyoncé anlässlich ihres Musikfilms Black is King kooperiert hatte, inszeniert mit viel Sinn für historische Authentizität sowie einem liebevollen Blick für Details und Blackness, schwarze Lebensrealitäten und afroamerikanische Geschichte.

Die fantastischen Kostüme von Francine Jamison-Tanchuck und nicht zuletzt die Choreografien von Fatima Robinson, die von traditionellen afrikanischen Tänzen über Stepptanz bis hin zu Hip-Hop sämtliche schwarzen Tanztraditionen vereinen und zu mitreißenden und echten Musical-Highlights machen, haben maßgeblich Anteil am Gelingen des Ganzen.

Auch dass Bazawule immer wieder Celies Gedanken, Träume und Hoffnungen zu visualisieren vermag und so dieser sonst eher passiven, im Stillen leidenden Protagonistin zu deutlich mehr Komplexität und Persönlichkeit verhilft, ist eine begrüßenswerte Neuerung.

Getragen allerdings wird Die Farbe Lila auch in dieser Fassung von einem exzellenten Ensemble. Für den Oscar ist dieses Mal nur die wahrlich mitreißende Danielle Brooks, bekannt aus Orange is the New Black, nominiert. Aber die Soul-Sängerin Fantasia Barrino oder Taraji P. Henson und Corey Hawkins stehen ihr kaum nach. Hinter allen vorherigen Versionen dieser tragischen, aber auch von Widerständigkeit, Lebensmut und weiblicher Solidarität erzählenden Geschichte muss sich diese also wahrlich nicht verstecken.

Der Film läuft ab dem 8. Februar im Kino.

Jürgen Habermas

Die Macht des Arguments

Meisterdenker und öffentlicher Intellektueller – in beiden Rollen höchstes Ansehen zu genießen, gelingt nur wenigen. Jürgen Habermas war einer von ihnen. Nun ist der Philosoph mit 96 Jahren gestorben.

von Sandra Trauner  14.03.2026

Berlin

Wirbel um Weimer: Regierung weist Rücktrittsforderung zurück

Erst gab es Debatten über Antisemitismus auf der Berlinale, jetzt über den Buchhandlungspreis: Die Bundesregierung stellt sich hinter ihren Kulturstaatsminister Wolfram Weimer

von Julia Kilian, Verena Schmitt-Roschmann, Sabrina Szameitat, Silke Sullivan  12.03.2026

Aufgegabelt

Kräuter-Hühnersuppe mit Hawaij

Rezepte und Leckeres

von Katrin Richter  12.03.2026

Der Rest der Welt

Der Rest der Welt

Eine Überdosis an Chatgruppen oder Was das Jüdische daran ist

von Nicole Dreyfus  12.03.2026

Academy Awards

Zwei große Favoriten und jede Menge Außenseiter

Zwei Filme, die originell zwischen allen Genres hin- und herspringen, führen das Oscar-Rennen an – und das mit einer neuen Rekordzahl von Nominierungen

von Marius Nobach  12.03.2026

Tischtennis

Wer waren Marty Reisman und Alojzy Ehrlich?

Der Oscar-nominierte Film »Marty Supreme« knüpft an wahre Biografien an

von Martin Krauss  12.03.2026

Hollywood

Curtis zu Chalamets Opernspruch: Vermächtnis beschädigt

Oper und Ballett interessierten niemanden mehr: Mit solchen Äußerungen sorgt der Oscar-nominierte Timothée Chalamet weiter für Wirbel. Nun meldete sich auch Oscarpreisträgerin Jamie Lee Curtis zu Wort

 12.03.2026

Kolumne

Die Schließung des HIAS Wien ist das Ende einer Ära

Aus für einen Leuchtturm: Die Hebrew Immigrant Aid Society war die erste Anlaufstelle für sowjetische Juden, die in den Westen oder nach Israel auswandern wollten

von Eugen El  12.03.2026

Kinderfilm

Mit dem Aufzug ins Jahr 1938

»Das geheime Stockwerk« zeigt die Zeitreise eines Jungen als Detektivgeschichte. Ein gelungener und mehrfach ausgezeichneter Kinderfilm

von Gabriele Hermani  12.03.2026