EILMELDUNG! Likud-Bündnis mit 54 Sitzen vorn. Eisenkots Bündnis kommt auf 47 Sitze

Jüdisches Museum Berlin

»Malka Germania« als Messiasgestalt

Yael Bartana Foto: dpa

Was und wie wäre wohl Berlin heute, hätten nicht Einheiten der Roten Armee, sondern israelische Soldaten die Stadt von den Nazis befreit? Mit Assoziationen, Gedankenspielen und Traumsequenzen geht die israelische Künstlerin Yael Bartana dieser Idee nach. Ihre Videoarbeit »Malka Germania« steht im Zentrum der Ausstellung »Redemption Now«, die im Jüdischen Museum Berlin von Freitag an bis zum 10. Oktober gezeigt wird.

»Redemption Now« ist die erste Werkschau der 50 Jahre alten Bartana, die in Berlin und Amsterdam lebt. Zu sehen – und ebenso intensiv zu hören – sind mehr als 50 Werke wie Videoarbeiten, Fotografien und Lichtskulpturen aus den vergangenen zwei Jahrzehnten.

BIENNALE Bekannt wurde Bartana auch durch ihren Beitrag im polnischen Pavillon während der Biennale in Venedig 2011. In der kritischen Schau auf die polnisch-jüdische Geschichte lässt sie Juden millionenfach in eines ihrer wichtigen Heimatländer zurückkehren und politische Bewegungen darauf reagieren. Das Jüdische Museum zeigt zu der Videotrilogie eine Art Archiv mit Objekten, die im Zusammenhang stehen mit Entstehung und Wirkung der Arbeit.

Als Auftragsarbeit für die aktuelle Ausstellung entstand »Malka Germania«, hebräisch für Königin Germania. Bartana thematisiert darin die Sehnsucht nach einer kollektiven Erlösung nach gemeinsam durchlebten Ängsten. Zentrale Figur ist eine androgyne Messias-Gestalt, die zunächst alltäglich wirkende Szenen in Fantasien zu überführen scheint. Bilder von Gleisen, Koffern, Menschengruppen assoziieren historische Judenverfolgung ebenso wie aktuelle Bilder von Geflüchteten.

STRANDBAD WANNSEE Die Bilder aus dem heutigen Berlin sind immer wieder verbunden mit Symbolen der Nazizeit, nichts lässt sich loslösen von der eigenen und der geerbten Vergangenheit. So steckt unter einer alltäglichen Szenerie im Strandbad Wannsee der antisemitische Sumpf: Bartana lässt in einer Computeranimation Albert Speers NS-Entwurf einer gigantischen »Halle des Volkes« auf dem Gewässer emporwachsen.

Erstaunt, überrascht, überwältigt beobachtet von halbnackten Badegästen, israelischen Soldaten und der Messias-Figur gleichermaßen. Eine der Stärken von »Malka Germania« ist dabei, dass Bartana einen weiten Spielraum lässt für Interpretation und Assoziation.

»STILLSTAND« Yael Bartana ist nicht unumstritten: Die Multimediakünstlerin hatte 2013 in Köln einen »Zwei Minuten Stillstand« angeregt – als »Aufforderung, die Gegenwart zu verändern«. Bartana wollte damit eine Debatte anstoßen, »wie aktives Erinnern aussehen sollte«. Die Kölner Synagogen-Gemeinde hatte eine Beteiligung an diesen Schweigeminuten grundsätzlich abgelehnt.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Der kausale Zusammenhang, in den Yael Bartana die Schoa rücke, sei nicht nachvollziehbar, kommentierte damals das Vorstandsmitglied der Gemeinde, Abraham Lehrer, die Aktion. Andere Kritiker hatten »die Instrumentalisierung des wichtigsten israelischen Gedenktages für die Opfer der Schoa« bemängelt. dpa/ja

Philologie

Mehr als Dolmetscher

Jüdische Übersetzer haben nicht nur zwischen den Sprachen vermittelt, sondern dabei auch eigene Denkformen geprägt

von Katharina Hillmann  27.10.2026

Bucerius Kunst Forum

Verstreute Meisterwerke

Eine Ausstellung in Hamburg vereint rund 100 Gemälde, Grafiken und Skulpturen aus 15 jüdischen Sammlungen und erinnert an den Kunstraub der Nationalsozialisten

von Edgar S. Hasse  27.10.2026

Kino

Wiener Blut

Ulrike Ottinger lädt in der Horrorkomödie »Die Blutgräfin« zum morbiden Vampirvergnügen und schwelgt in opulenten Bildern. Isabelle Huppert geht perfekt gestylt auf Beutezug

von Anna Maria Pahlke und Sophie Albers Ben Chamo  27.10.2026

Jerusalem

Cohen interpretiert Cohen

Der israelische Jazz-Musiker Avishai Cohen hat sich für sein neues Album ein Buch des legendären Singer-Songwriters Leonard Cohen vorgenommen

von Imanuel Marcus  27.10.2026

Nachruf

»Star Trek«-Star Walter Koenig ist tot

Seine Rolle als Pavel Chekov hatte eine humoristische Funktion. Der Charakter sollte jüngere Zuschauer ansprechen

 27.10.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Rote Bänke, erschöpfte Katzen – ein Nachmittag in Amsterdam

von Margalit Edelstein  26.10.2026

Düsseldorf

50 Jahre Kiss in Deutschland: Doro Pesch feiert ihre Helden

Wegen Kiss fing Doro Pesch mit der Musik an. Später wurde der jüdische Bassist, Sänger und Bandleader Gene Simmons ihr Mentor. Seither ist ein halbes Jahrhundert vergangen

von Philip Dethlefs  26.10.2026

Entgleisung

Kein Skandal ist der Skandal

Milo Rau macht aus Wagners »Fliegendem Holländer« an der Deutschen Oper Berlin eine groteske Abrechnung mit Israel – und erntet dafür kaum einen Buh­ruf

von Maria Ossowski  26.10.2026

Brüssel/Gütersloh

Lucky Luke wird in Jubiläums-Comic zum Heiligen

Ein Cowboy kann nach acht Jahrzehnten noch viel erleben. Zwischen Saloon und Prärie warten in dem lange von einem jüdischen Texter dominierten Comic häufig Gegenwartsthemen

von Shireen Broszies  26.10.2026