Sehen!

»Mad Men« – das Finale

»Wie einfach damals doch alles war!« – Szene aus Mad Men Foto: dpa

Harte Männer, harte Drinks, harte Geschäfte: Als die Serie Mad Men über eine Werbeagentur im New York der 60er vor acht Jahren anlief, wurde sie schnell zum Symbol einer neuen alten Männlichkeit.

Ja, die Werbeleute der Agentur »Sterling Cooper« in der Madison Avenue tragen allesamt gute Anzüge, nehmen schon vor zehn Uhr den ersten Drink, betrügen ihre Frauen mit der Sekretärin und schütteln zwischendurch eine neue Kampagne für Lucky Strike aus dem Ärmel. Wie einfach damals doch alles war!

Inzwischen läuft die letzte Staffel, und es dürfte klar sein, dass diese Lesart der Serie eine genauso große Lüge ist wie die Behauptung, dass Zigaretten gut für die Lunge sind. Mad Men zeigt den langsamen Untergang des klassischen männlichen Egos.

Nikotin Die männlichen Figuren, allen voran Agenturstar Don Draper, fallen langsam auseinander in ihren Anzügen, weil auch Whiskey und Nikotin nicht kitten können, was ewig verdrängte Gefühle und Panik vor der Veränderung der Welt langsam platzen lassen. Regisseur Matthew Weiner beobachtet das manchmal mit Sympathie, oft eher mit einem vage spöttischen Lächeln.

Auf der anderen Seite der Geschichte zeigt Mad Men den mühsamen Weg Ausgegrenzter vom Rand in die Mitte der Gesellschaft: Frauen, Schwarze, Juden. Weiner, selbst jüdisch, sagt, das eigentliche Thema der Serie sei Jüdischsein. Für ihn ist Mad Men denn auch die Geschichte seiner Elterngeneration: »Wie schaffen wir es, dass unsere Kinder mehr Möglichkeiten als wir haben? Und welchen Preis zahlen wir dafür?«

Akzent Rachel Menken, Tochter eines Kaufhausbesitzers, irritiert Don Draper mit ihrer offenen jüdischen Identität ebenso wie mit ihrer selbstbewussten Haltung als Frau. Viel später arbeitet der neurotische Texter Michael Ginsberg, der in einem Konzentrationslager geboren wurde und dessen Vater mit jiddischem Akzent spricht, in der Firma.

Mad Men streut solche Nebenfiguren elegant ein, auch in dem Wissen, dass die Zuschauer ihre Bedeutung verstehen. Diese Selbstverständlichkeit zeichnet viele US-Serien aus, doch nur eine hat so viel zu sagen über den manchmal schmerzhaften Bindestrich zwischen Jewish und American.

»Mad Men« läuft montags um 21 Uhr bei dem Abosender Fox.

Ausstellung

Sieben Videos und 1700 Bücher

Das Museum Ludwig in Köln zeigt Arbeiten des israelischen Künstlers Boaz Kaizman und Bände aus der »Germania Judaica«

von Eugen El  16.10.2021

Geschichte

Blütezeit vor dem Inferno

Eine Konferenz blickte auf die jüdische Prägung Frankfurts von der Emanzipation bis 1933

von Eugen El  16.10.2021

Universität

Oxford startet Sprachkurs für zwölf alte jüdische Sprachen

Zu den Angeboten gehören neben Jiddisch und Ladino auch weniger bekannte Sprachen der aramäischen, arabischen und türkischen Sprachfamilien

 15.10.2021

Meinung

Was ist eigentlich bei den Öffentlich-Rechtlichen los?

Feyza-Yasmin Ayhan, Nemi El-Hassan, Malcolm Ohanwe: Der Umgang von ZDF, WDR und BR mit den Themen Israelhass und Antisemitismus ist ebenso skandalös wie besorgniserregend

von Gideon Böss  14.10.2021

Diskussion

Kippot und Klischees

Welches Bild von Juden zeichnen deutsche Medien? Dieser Frage widmete sich ein hochkarätig besetzter Thementag

von Eugen El, Katrin Richter  14.10.2021

Begegnungen

Auf Entdeckungsreise

In seinem neuen Buch zeichnet Gerhard Haase-Hindenberg ein jüdisches Panorama der Klage und Lebenslust

von Alexander Kudascheff  14.10.2021

»Endlich Tacheles«

Rebellion gegen den Schmerz

Der Dokumentarfilm macht unter anderem ein Computerspiel über die Schoa zum Thema

von Heide Soltau  14.10.2021

Interview

»Monk am Main«

Der Bestsellerautor Michel Bergmann über seinen neuen Frankfurt-Krimi und den Ermittler Rabbi Silberbaum

von Ayala Goldmann  14.10.2021

Porträt

Begnadeter Songschreiber

Mit »Simon & Garfunkel« war Paul Simon in den 60er-Jahren ein Superstar. Als Solokünstler ist der Amerikaner bis heute erfolgreich

von Alexander Lang  13.10.2021