TV-Tipp

Liebe in finsteren Zeiten - die Doku »Verbotenes Begehren«

»Verbotenes Begehren« ist an diesem Donnerstag (18.7., 20.15 Uhr) auf Arte zu sehen Foto: © Paya/Vucsina/V-Set

Es gab Zeiten in Deutschland, da wurden lesbische Frauen und schwule Männer aufgrund ihrer Sexualität politisch verfolgt, entrechtet und ermordet. Davon erzählt eine zweiteilige Doku mit dem Titel »Verbotenes Begehren«, die an diesem Donnerstag (18.7., 20.15 Uhr) auf Arte zu sehen ist.

»Margarethe und Leonie« (Teil 1, 20.15 Uhr) spielt im Wien des Jahres 1919: Sigmund Freud (Karl Markovics) soll die junge Margarethe Csonka (Christina Cervenka) von ihrer Schwärmerei für eine preußische Baronin »heilen«, woraus nichts wird, da er sie gar nicht für krank befindet. 

Immerhin wurde eine derartige »Unzucht« mit fünf Jahren Kerker bestraft, was in Österreich auch für Frauen galt. Margarethe unternahm mehrere Selbstmordversuche, die sie alle überlebte - sie wurde 99 Jahre alt. 

Gefängnisstrafen - auch für Frauen

An ihrem Beispiel erzählt der Film, wie sich im Wien und Berlin der 1920er Jahre erstmals ein gewisses Selbstbewusstsein unter homosexuellen Menschen entfalten konnte - in einer heteronormativen Gesellschaft, die jedwedes Anderssein als Krankheit oder gar als Straftat betrachtete.

»Der Mann mit dem rosa Winkel« (Teil 2, 21.00 Uhr) spielt ebenfalls in Wien, aber Ende der 1960er Jahre. An einem geheimen Ort erzählt Josef Kohout (Stefan Gorski) dem Autor Hanns Neumann (Pseudonym: Heinz Heger) von seiner Zeit als Gefangener. Als schwuler KZ-Häftling mit dem rosa Winkel (Nr. 1896) gebrandmarkt, wurde Kohout ab Herbst 1939 über fünf Jahre lang in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Flossenbürg interniert. 

Er überlebte, indem er sich »sexuell gefügig« verhielt und von Lagerältesten ausgebeutet wurde. Abgesehen von einem Bezugsschein für einen Gasherd, wurde Kohout nach 1945 jegliche finanzielle Entschädigung als NS-Opfer verweigert, da homosexuelle Männer in Österreich (Paragraf 129 Ib) und in Deutschland (Paragraf 175) weiterhin als Kriminelle galten. 

Die Dokumentation von Autor Fritz Kalteis (»Maria Theresias dunkle Seite«) zeigt klar und deutlich, wie die Nazis die lesbisch-schwule Subkultur, die in der Zwischenkriegszeit vor allem in Berlin aufblühte, brutal zerstörten - homosexuelle Männer und Frauen wurden ins KZ gesteckt, kastriert oder ermordet. 

Verfolgung und Diskriminierung wurden fortgesetzt

Die Verfolgung und Diskriminierung ist nach dem Ende der Diktatur nahtlos fortgesetzt worden. In dem gut recherchierten Film kommen Historiker, Soziologen und Publizisten zu Wort, in den eindrücklichen Spielszenen wenden sich die Hauptfiguren direkt an die Zuschauer.

Margarethe Csonka hat nie eine Partnerin gefunden, sich aber das Recht, als Frau auch Frauen zu lieben, nicht mehr nehmen lassen. Nach den Erinnerungen von Josef Kohout erschien 1972 das Buch »Die Männer mit dem rosa Winkel«, der erste Erfahrungsbericht eines schwulen Mannes in einem KZ. 

Der stigmatisierte rosa Winkel wandelte sich durch den Mut von Kohout, der einen langjährigen Partner hatte und kurz vor seinem Tod 1994 die Anrechnung seiner KZ-Haft auf die Rente erkämpfte, zu einem mit Stolz getragenen Zeichen für viele Schwule und Lesben. Letztlich haben zwei mutige Menschen nach beharrlichem Kampf über ein unmenschliches Regime triumphiert. dpa

Die zweiteilige Doku »Verbotenes Begehren« ist an diesem Donnerstag (18.7., 20.15 Uhr) auf Arte zu sehen.

Zahl der Woche

14

Funfacts & Wissenswertes

 01.04.2026

Aufgegabelt

Mazze-Granola

Rezept der Woche

von Katrin Richter  31.03.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Neues aus der Jüdischen Welt

von Katrin Richter  31.03.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Pessach im Klassenzimmer oder Was Freiheit bedeutet

von Nicole Dreyfus  31.03.2026

Kolumne

Shkoyach!

Warum Schläge mit der Frühlingszwiebel am Sederabend nicht völkerrechtswidrig sind

von Ayala Goldmann  31.03.2026

»Imanuels Interpreten« (19)

Bette Midler: Das Energiebündel

Sängerin, Comedienne und Schauspielerin mit Persönlichkeit: »The Divine Miss M« ist ein Unikum

von Imanuel Marcus  31.03.2026

München

Urys »Interieur mit Kindern« werden restituiert

Ein Bild mit einer spannenden Geschichte kehrt nun aus Bayern in den Schoß der rechtmäßigen Erben zurück. Vorausgegangen ist eine umfangreiche Provenienzforschung zur Herkunft des Gemäldes

von Barbara Just  30.03.2026

Programm

Führung, Erinnerung und Vorträge: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 2. April bis zum 16. April

 30.03.2026

Quedlinburg

Feininger-Museum mit Jubiläumsausstellung zur »Blauen Vier«

Quedlinburg bietet mehr als Stiftskirche und Fachwerk: Am Montag wird im Museum Lyonel Feininger eine Sonderausstellung mit Werken der Künstlergruppe »Die Blaue Vier« um Paul Klee und Wassily Kandinsky eröffnet

 30.03.2026