In der Debatte um das Verhältnis von Filmschaffenden auf der Berlinale zur Politik hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) den Jury-Präsidenten Wim Wenders in Schutz genommen. Wenders hatte zum Auftakt des Filmfestivals auf die Frage nach dem Umgang der Berlinale mit der Lage der Palästinenser geantwortet, dass Filmschaffende sich aus der Politik heraushalten müssten. Das hatte für Kritik auch von anderen Künstlern gesorgt.
Die Berlinale sei auch in diesem Jahr »ein Ort, wo wirklich die Meinungen aufeinanderprallen, wo offen diskutiert wird. Es ist das politischste Festival überhaupt«, sagte Weimer dazu am Mittwoch im Nachrichtensender Welt TV. »Aber ich finde, zur Meinungsfreiheit gehört auch, dass man auch mal nichts sagen kann. Und das muss man den Künstlern auch überlassen.« Man solle Künstler nicht politisch bevormunden. »Die Berlinale ist keine NGO mit Kamera und Regie, sondern sie ist ein Ort, wo die freien Filmschaffenden sich entfalten und wo sie offen miteinander diskutieren und alle Themen adressieren. Und das findet statt.«
Er finde, Wenders und die Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle führten das Festival sehr ausgewogen und feinfühlig, so Weimer. Heikle Themen würden alle angesprochen. »Und Wim Wenders wird da aus einer bestimmten Ecke von Aktivisten - von Pali-Aktivisten - bedrängt, noch mehr zu sagen, noch mehr zu tun«, erklärte der Kulturstaatsminister weiter. »Ich würde ihn da gerne in Schutz nehmen, weil: Ich finde, er hat genau die richtigen Worte gefunden.«
Offener Brief und Absage
Zuletzt hatten am Dienstag rund 80 Künstler, darunter die Schauspielstars Javier Bardem und Tilda Swinton sowie Regisseur Mike Leigh und Fotografin Nan Goldin, in einem offenen Brief Wenders und die Berlinale kritisiert. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy hatte am vergangenen Wochenende aus Protest gegen Wenders‘ Aussage ihren Besuch des Festivals abgesagt.
Intendantin Tuttle betonte hingegen am Wochenende in einem Statement, dass freie Meinungsäußerung bei der Berlinale stattfinde. Man solle aber nicht voraussetzen, dass Künstlerinnen und Künstler zu jedem politischen Thema Stellung nehmen, das an sie herangetragen werde.