Berlinale

Kulturstaatsminister nimmt Berlinale-Jury-Chef Wenders in Schutz

Wolfram Weimer bei der Premiere des Kinofilms ‚The Weight / The Weight - Goldrausch‘ auf der Berlinale 2026 Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress

Berlinale

Kulturstaatsminister nimmt Berlinale-Jury-Chef Wenders in Schutz

Auch dieses Jahr beschäftigt der Nahost-Konflikt die traditionell als politisch geltende Berlinale. Nun hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer dem Jury-Präsidenten Wim Wenders den Rücken gestärkt

von Alexander Riedel  18.02.2026 16:08 Uhr

In der Debatte um das Verhältnis von Filmschaffenden auf der Berlinale zur Politik hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) den Jury-Präsidenten Wim Wenders in Schutz genommen. Wenders hatte zum Auftakt des Filmfestivals auf die Frage nach dem Umgang der Berlinale mit der Lage der Palästinenser geantwortet, dass Filmschaffende sich aus der Politik heraushalten müssten. Das hatte für Kritik auch von anderen Künstlern gesorgt.

Die Berlinale sei auch in diesem Jahr »ein Ort, wo wirklich die Meinungen aufeinanderprallen, wo offen diskutiert wird. Es ist das politischste Festival überhaupt«, sagte Weimer dazu am Mittwoch im Nachrichtensender Welt TV. »Aber ich finde, zur Meinungsfreiheit gehört auch, dass man auch mal nichts sagen kann. Und das muss man den Künstlern auch überlassen.« Man solle Künstler nicht politisch bevormunden. »Die Berlinale ist keine NGO mit Kamera und Regie, sondern sie ist ein Ort, wo die freien Filmschaffenden sich entfalten und wo sie offen miteinander diskutieren und alle Themen adressieren. Und das findet statt.«

Er finde, Wenders und die Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle führten das Festival sehr ausgewogen und feinfühlig, so Weimer. Heikle Themen würden alle angesprochen. »Und Wim Wenders wird da aus einer bestimmten Ecke von Aktivisten - von Pali-Aktivisten - bedrängt, noch mehr zu sagen, noch mehr zu tun«, erklärte der Kulturstaatsminister weiter. »Ich würde ihn da gerne in Schutz nehmen, weil: Ich finde, er hat genau die richtigen Worte gefunden.«

Offener Brief und Absage

Zuletzt hatten am Dienstag rund 80 Künstler, darunter die Schauspielstars Javier Bardem und Tilda Swinton sowie Regisseur Mike Leigh und Fotografin Nan Goldin, in einem offenen Brief Wenders und die Berlinale kritisiert. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy hatte am vergangenen Wochenende aus Protest gegen Wenders‘ Aussage ihren Besuch des Festivals abgesagt.

Intendantin Tuttle betonte hingegen am Wochenende in einem Statement, dass freie Meinungsäußerung bei der Berlinale stattfinde. Man solle aber nicht voraussetzen, dass Künstlerinnen und Künstler zu jedem politischen Thema Stellung nehmen, das an sie herangetragen werde.

Berlinale

»Gute Filme überdauern die Zeit, weil sie menschlich sind«

»Where to?« ist die einzige israelische Produktion der 76. Berlinale. Regisseur Assaf Machnes im Interview über Inspiration, Trauma und Hoffnung

 18.02.2026

Berlin/Mannheim

Nach Comeback: Mit diesen Aussagen irritiert Xavier Naidoo

Der Mannheimer Soul-Musiker hat auf einer Demonstration in Berlin gegen Kindesmissbrauch unter anderem von »Menschenfressern« gesprochen. Ein Experte hält die Wortwahl für radikalisierend

 18.02.2026

Köln

Gil Ofarim belog seine Kinder wegen der Davidstern-Affäre

In einer neuen RTL-Dokumentation gibt der Sänger Auskunft darüber, wie er mit der Situation gegenüber seinen Kindern umgegangen ist

 18.02.2026

Meinung

Berlinale: Aktivismus statt Kunst

Auf der Berlinale soll eigentlich der Film gefeiert werden. Doch zahlreiche Gäste und Außenstehende missbrauchen das Festival als politische Bühne

von Sophie Albers Ben Chamo  18.02.2026

Interview

»Mit Humor, Herz und Haltung«

Florian Sitte über Politik an Fastnacht, seine Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft und die Reaktionen auf seine denkwürdige Rede als Till während der Mainzer Fastnachtsitzung

 18.02.2026

Berlinale

Deutsch-israelisches Co-Producing-Netzwerk stellt sich vor

»FutureNARRATIVE Fund« will Film-, TV- und Theaterprojekte aus beiden Ländern vernetzten und Fördermittel bündeln

von Ayala Goldmann  18.02.2026

Berlinale

Boykottaufruf: 80 Filmschaffende gegen die Berlinale

Rund 80 Filmschaffende, darunter Tilda Swinton, Nan Goldin und Javier Bardem, werfen der Berlinale in einem offenen Brief Zensur vor und rufen zum Boykott auf

 18.02.2026

Theater

Buh-Rufe, »Halt die Fresse«-Schreie: Tumult bei Premiere - Zuschauer greifen Schauspieler an

Am Bochumer Schauspielhaus hat ein Stück einen Tumult ausgelöst

 18.02.2026

Nachruf

Eine Trennung inspirierte Billy Steinberg zu »Like a Virgin«

Der jüdische Songwriter starb im Alter von 75 Jahren in Kalifornien

 18.02.2026