Wuligers Woche

Kletterwand statt Dschihad

Man muss den Islamisten nur eine sozialverträglichere Alternative zum Massenmord anbieten, zitiert Jakob Augstein zustimmend Nedopil. Foto: Thinkstock

Wuligers Woche

Kletterwand statt Dschihad

Hate. Magazin, Hammerskins, Jakob Augstein: Eine kleine Chronik des Blödsinns der Woche

von Michael Wuliger  13.06.2017 12:05 Uhr

Meine ungarische Ex pflegte sämtliche politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen mit den Worten zu erklären: »Weil sind die Leute blöd!«

Wie recht sie damit hatte, zeigte sich in der vergangenen Woche. Von unzähligen bekannt gewordenen Dummheiten hier die drei eklatantesten, die wieder einmal beweisen, dass es mit der allgemeinen Urteilsfähigkeit in Deutschland offenkundig rapide bergab geht.

Dritter Platz: »Hate. Magazin« gegen Marek Lieberberg. Nachdem der Konzertveranstalter auf eine Terrorwarnung bei seinem »Rock am Ring«-Festival mit einem Wutausbruch reagiert hatte – »Ich möchte endlich mal Demos sehen, die sich gegen die Gewalttäter richten. Ich hab’ bisher noch keine Moslems gesehen, die zu Zehntausenden auf die Straße gegangen sind« –, forderte die linke Hipster-Website in BDS-Manier: »Hoffentlich ziehen möglichst viele Bands, Labels usw. die Konsequenzen und boykottieren den Rassisten Lieberberg!«

Facebook Das blieb nicht unwidersprochen. Ein User auf Facebook kommentierte: »Hier rufen die Enkel der SS-Schergen zum Boykott eines Juden auf.« Den Vorwurf des Antisemitismus wollte das Magazin nicht auf sich sitzen lassen. »Wie kommst du darauf?«, fragten die Macher empört. Sarkastische Antwort des Users: »Ich vergaß, eure Vorfahren waren ja allesamt im Widerstand.« Was das Hate. Magazin mit dem ultimativen Argument konterte: »Das nicht. Aber ein festes Redaktionsmitglied von uns ist jüdisch.«

Zweiter Platz: die »Hammerskins Pfalz«. Eine kleine Gruppe südwestdeutscher Neonazis randalierte bei einer Show in der Disco »Bierkönig« in El Arenal auf Mallorca unter anderem mit lautstarken »Ausländer raus!«-Rufen. Das berichtete am vergangenen Samstag die »Bild«-Zeitung. Den Skinheads war offenbar entgangen, dass Malle nicht in Deutschland liegt und sie auf der Baleareninsel die Ausländer sind. Erdkunde »ungenügend«. Raus flogen die 15 Rechtsextremen dann selbst – aus der Disco und hoffentlich bald auch aus Mallorca.

Spiegel And the Winners are auf Platz eins: Jakob Augstein und Norbert Nedopil. In seinem jüngsten »Spiegel Online«-Beitrag fordert der Kolumnist, neue Wege in der Terrorismusbekämpfung zu gehen, und führt als Kronzeugen den prominenten Münchner Gerichtspsychiater an: »Man muss die Bedürfnisse der Terroristen erst mal akzeptieren und dann in andere Bahnen lenken. Diese Bedürfnisse haben mit Religion nichts zu tun. Es geht um den Reiz der gefahrvollen Hinwendung zu etwas Besonderem.«

Ergo müsse man den Islamisten nur eine sozialverträglichere Alternative zum Massenmord anbieten, zitiert Jakob Augstein zustimmend Nedopil: »Beispielsweise erfüllt Freeclimbing das Kick-Bedürfnis.« Kletterwand statt Dschihad. Darauf hätten sie in Manchester und London nur rechtzeitig kommen müssen.

Fortsetzung folgt. Denn der Unsinn ist nicht aufzuhalten. Weil sind die Leute blöd. Siehe oben.

Eröffnung

Museum Zwangsarbeit zeigt Ausstellung zu »unerwünschten Kindern«

Beziehungen zwischen Deutschen und Zwangsarbeitern im NS-Regime waren verboten. Trotzdem gab es diese Kontakte ebenso wie Kinder aus diesen Beziehungen. Eine Ausstellung in Weimar widmet sich den Geschichten der betroffenen Eltern und Kindern

 30.10.2026

New York

Nach Paul Simon wird auch Art Garfunkel 85

Mit Songs wie »The Sound of Silence« wurden Simon & Garfunkel weltberühmt – aber auch die Streits der beiden Schulfreunde aus New York sind legendär. Jetzt steht der nächste große Geburtstag an

von Christina Horsten  30.10.2026

Literatur

»Empfänger unbekannt«: Wenn ein Freund zum Feind wird

Die judenfeindlichen Novemberpogrome von 1938 jähren sich zum 88. Mal. Anlass, die Geschichte »Empfänger unbekannt« aus demselben Jahr zur Hand zu nehmen. Darin schlägt ein Jude zurück, mit überraschenden Mitteln

von Leticia Witte  30.10.2026

München

Julia Klöckner: Verteidigung jüdischen Lebens Aufgabe für alle

Jüdische Kultur ist in Deutschland tief verwurzelt. Zum 40. Mal wollen die Kulturtage diesen Reichtum würdigen. Für die Bundestagspräsidentin ein Anlass zu Mahnung und Hoffnung

 30.10.2026

Frankfurt

Eine Akademie für Deutschland

Am Montag wird die Jüdische Akademie feierlich eröffnet. Sie soll innerjüdische Debatten fördern und jüdische Perspektiven stärker in die Gesellschaft einbringen

von Josef Schuster  30.10.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Bettina Piper, Imanuel Marcus  29.10.2026

Auszeichnung

Shimon-Peres-Preis für deutsch-israelische Projekte

Für einen Dialog in Krisenzeiten werden jetzt zwei deutsch-israelische Projekte ausgezeichnet. Der Preis erinnert an den Friedensnobelpreisträger und israelischen Staatspräsidenten Shimon Peres

 29.10.2026

Kulturkolumne

Tikkun Olam am Abend

Das Geheimnis der Waldschnepfe

von Sophie Albers Ben Chamo  29.10.2026

Tel Aviv

Gal Gadot will mit ihrer Familie nach Israel zurückkehren

Die Hintergründe

 29.10.2026