»The Batman«

Katz-und-Maus-Spiel

Zoë Kravitz als Catwoman Foto: picture alliance / PictureLux/Warner Bros. Pictures

Nett. Wenn die beiden noch rasch über ein Gräberfeld fahren, sich auf ihren Street-Fighter-Bikes verliebte Blicke in Maske und Helm zuwerfen, sie schließlich links blinkt, er rechts abbiegt, ist das schon fast wie im normalen Leben. Zoë Kravitz und Robert Pattinson, Catwoman und Batman, trennen sich einstweilen, trotz gewisser Anziehung, er blickt ihr im Rückspiegel nach.

»Am wichtigsten erschien mir, Selina nicht als Opfer ihrer schwierigen Vergangenheit darzustellen«, erklärt die afroamerikanisch-jüdische Schauspielerin auf der Webseite des Verleihs Warner Bros. »Das kann in eine Falle münden bei Charakteren wie ihr, aber ich glaube, so ist sie nicht. Sie ist stark, hat bis hierhin überlebt, niemand musste sie retten, und sie hat den Antrieb, auch für andere zu kämpfen.«

Womit wir im Genre sind, das The Batman verändern möchte. Die jüngste Verfilmung des Fledermausmanns, der erstmals 1939 im US-Magazin »Detective Comics« erschien, kommt anders daher als unzählige Vorgänger. Wirklichkeitshungriger, verstrickt in Korruption und – beinahe realer – gewaltbereiter Politikverdrossenheit.

HAUPTFIGUR Zoë Kravitz macht aus der eher ambivalenten Vorlage eine Hauptfigur, die es mit dem verbitterten Rächer und scheu-depressiven Milliardär Bruce Wayne aufnehmen kann. Sie habe die Figur nicht »ironisch oder sexy« spielen wollen. »Ich fand, dass mehr in ihr steckt als eine Frau, die gut aussieht und in einem engen Outfit steckt.«

Selina Kyle arbeitet an der Bar eines berüchtigten Techno-Palastes, in dessen geheimem Herzstück Gangster auf korrupte Polizisten treffen. Der Drogensumpf wird beherrscht vom Superschurken Pinguin, und die Stadt vom Paten Carmine Falcone, der schon Waynes Vater auf dem Gewissen hat und nicht weiß, dass Selina seine Tochter ist, was beide gleichermaßen in Familienangelegenheiten recherchieren lässt.

Die Chemie zwischen Kravitz und Pattinson stimmt vom ersten, kämpferischen Moment an. Batman verfolgt und beobachtet sie zunächst – in einer Peeping-Tom-Szene. Sie lebt in einfachen Verhältnissen mit streunenden Katzen. »Ich habe Matt (dem Regisseur) die Idee der Streuner nahegelegt. Ich denke, sie ist selbst eine Streunerin, und sie sieht auch Batman so, und darin liegt ihre Verbindung.«

Zoë Kravitz ist die Tochter des Rocksängers Lenny Kravitz und der Schauspielerin Lisa Bonet. Ihre Rolle markiert nach Die Fremde in dir, Birds of America oder Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen einen neuen Höhepunkt in ihrer Karriere und zugleich die Wandlung des Genres am deutlichsten. Sie interpretiert die Figur anders als Nicole Kidman, deren schnurrende Catwoman noch zu Tode kam, bevor sie von Katzen wundersam zu neuem Leben erweckt wurde.

PERSONAL Das Personal von The Batman besteht zwar aus den üblichen Verdächtigen. Doch sind sie keine comicartigen Überzeichnungen mehr. Catwomans Kräfte beschränken sich auf Martial Arts und das Kostüm auf ein Minimum. Auch Colin Farrell spielt Oswald »Oz« Cobblepot alias The Penguin nicht mehr als schrill-lustige Gruselfigur wie Danny DeVito, sondern schlicht als Mobster, der auf faszinierend abstoßende Art nicht unsympathisch bleibt.

Regisseur Matt Reeves baut zudem eine Reihe poetisch-dunkler Reminiszenzen an große Werke ein. Etwa, wenn es in Gotham City wie in Blade Runner ständig regnet oder der »Riddler« auf seine Festnahme in einer Bar wartet, die stark an Edward Hoppers Gemälde »Nighthawks« erinnert.

Eine Parallele zu dem Film Fight Club entsteht, wenn sich der Masterplan des Rätselfreundes erst vom Gefängnis aus entspinnt und Wutbürger, die ihm auf Social Media folgten, den Plan in die Tat umsetzen: Oder wurde hier der Sturm auf das Kapitol verfilmt?

Kravitz’ Beziehung zu Batman aber bleibt in dreistündig-epischer Länge mit viel Action tragend. Als ein »Katz-und Maus-Spiel zwischen Liebe und Hass« bezeichnet sie die »tiefe Seelenverwandtschaft«.

Denn beide glauben an Gerechtigkeit, wenn auch auf unterschiedliche Weise. Ein wenig Genre muss ja bleiben – wie Raum für den Rest der geplanten Trilogie.

»The Batman« läuft ab 3. März in den Kinos.

Babyn Jar

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