Technik

Kabelfrei im Kaffeehaus

Wireless Networks – auf Deutsch: kabellose Übertragungsverfahren –, also die Möglichkeit, an bestimmten Orten wie Cafés, Restaurants oder Clubs kostenlos mit dem eigenen Handy das Internet zu benutzen, sind mittlerweile sogar abseits der großen Städte ganz selbstverständlich. Dummerweise braucht man dazu immer noch ein Mobiltelefon mit halbwegs aufgeladenem Akku, denn sonst kann man das gebührensparende Surfen in anderer Leute Netzen vergessen.

Die auf die Behebung müdigkeitsbedingten Energiemangels spezialisierte Kaffeehauskette Starbucks nimmt sich nun auch des Handy-Energiemangels ihrer Kundschaft an – und setzt dabei auf Technik aus Israel. Wireless Charging, also drahtloses Aufladen, heißt das Prinzip, mit dem sich praktisch jedes Mobiltelefon-Modell aufladen lässt, ohne dass der Dienstleister, der diesen Service bereitstellt, die entsprechenden Ladegeräte vorrätig haben muss.

Induktion Aber was ist Wireless Charging überhaupt? Die drahtlose Energieübertragung funktioniert nach einem simplen physikalischen Prinzip – der Induktion. Bewegt man eine Spule durch ein Magnetfeld – oder das Magnetfeld um eine Spule –, fließt dadurch Strom durch die Spule. Eine Spule ist nichts anderes als ein aufgewickelter Draht; man kann sie sich gut wie eine Rolle Garn vorstellen, nur ist sie eben aus Metall. Ob sich das Magnetfeld oder die Spule bewegt, ist dabei egal, wichtig ist nur, dass sich die beiden Beteiligten relativ zueinander bewegen. Dabei ist eine gewisse Geschwindigkeit vonnöten: Je schneller diese relative Bewegung ist, umso mehr Strom wird in der Spule induziert.

Nun wäre es extrem unpraktisch, wenn man mit dem Handy vor einem Magneten herumwedeln müsste oder sich gar ein Magnet in einem Ladepad drehen würde, denn bewegliche Teile bedeuten wiederum Verschleiß – entweder im Ladepad oder im Handgelenk. Doch zum Glück kann man auch einen Elektromagneten einsetzen. Schaltet man diesen ein und wieder aus, baut sich das Magnetfeld zuerst auf und dann wieder ab. Um genug Strom zu übertragen, muss dies sehr oft in kurzer Zeit geschehen – der Standard sieht vor, dass dies mit 100 bis 205 Kilohertz passiert, also 100- bis 200.000-mal pro Sekunde.

Die israelische Firma Powermat Technologies Ltd. hat bereits im Jahr 2012 ein Wireless-Charging-Gerät entwickelt, das wie eine kleine runde Matte aussieht, also kaum Platz beansprucht. Bedürftige Mobiltelefone werden einfach daraufgelegt und so wieder aufgeladen. Das Prinzip überzeugte den Kooperationspartner Starbucks wohl auf der Stelle, denn im vergangenen November wurden dessen Filialen in San Francisco damit ausgerüstet. Auch in Londoner Starbucks-Kaffeehäusern kann man sein Handy bereits mit israelischer Technik aufladen.

Global Player Bei Powermat träumt man bereits davon, ein Global Player zu werden. »Wir wollen internationaler Lieferant von drahtlosen Energieübertragungs-Lösungen für öffentliche Orte werden«, sagt der Deutsche Thorsten Heins, ehemals Geschäftsführer der Marke Blackberry und neuer CEO von Powermat Technologies. Damit würde Powermat gut in die Reihe der zahlreichen Erfolgsgeschichten israelischer IT-Start-ups passen, die weltweit mit ihren Erfindungen für Furore sorgen.

Allerdings wurde das Unternehmen im Jahr 2008 nicht etwa an einem der mittlerweile für ihre Technikfirmen bekannten Standorte Tel Aviv oder Herzlija gegründet – sondern in dem arabischen Ort Abu Gosh in der Nähe von Jerusalem. Die Gründer Ran Poliakine und Amir Ben-Shalom setzten schon damals auf magnetische Induktion, ab 2009 vermarkteten sie ihre Ladematten in den USA, zwei Jahre später entwickelten sie gemeinsam mit dem Batteriehersteller Duracell ein Ladegerät für die Verkaufsstellen von Duracell.

Börse Das israelische Unternehmen wollte aber mehr: Um klobige Kästchen und spezielle Adapter-Vorrichtungen zu vermeiden, möchte man erreichen, dass gleich in die Telefone entsprechende Technik eingebaut wird, die das Aufladen via Powermat ermöglicht. Bei Starbucks bekommen die Kunden derzeit an der Kasse noch kleine Ringe, ohne die das Aufladen nicht funktionieren würde.

Bis es so weit ist, können sich die Macher aber schon ausgiebig am Erfolg ihrer Idee freuen: Auf 500 Millionen Dollar wird der Wert des Unternehmens derzeit geschätzt – den Investoren wie Goldman Sachs reichte dies aber nicht, sie votierten Ende vergangenen Jahres für einen neuen CEO, besagten Thorsten Heins, dem dank seiner exzellenten Verbindungen die weitere Entwicklung eher zugetraut wird als den beiden israelischen Gründern.

Die sind allerdings keineswegs verstimmt über die Personalentscheidung. Ran Poliakine betont, dass er selbst schon vor einem Jahr angeregt hat, einen Geschäftsführer mit mehr Erfahrung zu verpflichten. Poliakine wird sich weiter um die technische Entwicklung kümmern. Er freue sich schon auf die Zusammenarbeit mit Heins, sagte er.

Zukunft Drahtlose Energieübertragung könnte irgendwann generell, also auch zu Hause, das lästige Suchen nach dem Aufladegerät oder einer Steckdose beenden. Am Endgerät könnte dann auf eine Buchse, durch die immer mal Staub oder Flüssigkeit eindringt, verzichtet werden.

Aber besserer Schutz der empfindlichen Handys wäre nur ein Vorteil: Durch das Einstecken und Abziehen nutzen sich die Kontakte von Stecker und Buchse ab, und dadurch wird die Energieübertragung immer schlechter. Besitzer älterer Mobiltelefone kennen das Problem, dass man meist ein wenig am Stecker wackeln muss, bis endlich das Ladesymbol im Display erscheint. Ein eingebauter Powermat-Anschluss könnte damit Schluss machen, hofft Poliakine.

Deutschland

Schoa-Überlebende und Antisemitismusbeauftragte rechnen mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels und Maha El Hissy ab

Die Hintergründe

 09.09.2026 Aktualisiert

Kommentar

Warum der Börsenverein des Deutschen Buchhandels nie wieder »Nie wieder!« sagen sollte

Wer Antisemitismus nur dort bekämpft, wo es bequem ist, bekämpft ihn nicht – und wer wie im Fall Maha El Hissy konkrete Vorwürfe nicht ernsthaft prüfen will, sollte aufhören, zu erklären, wie ernst er diesen Kampf nimmt

von Andreas Büttner  09.09.2026 Aktualisiert

»Von Monet bis Picasso«

Ausstellung in Hamburg würdigt jüdische Kunstsammler

Die Schau versammelt rund 100 Werke unter anderem von Claude Monet, Pablo Picasso, Paul Cézanne, Ernst Ludwig Kirchner, Paula Modersohn-Becker und Vincent van Gogh

 09.09.2026

Mascha Malburg und Joshua Schultheis

In eigener Sache

Mascha Malburg und Joshua Schultheis werden mit dem Georg-Stefan-Troller-Preis ausgezeichnet

Die Redakteurin der Jüdischen Allgemeinen und der freie Mitarbeiter erhalten die Auszeichnung für ihre Interviewreihe mit Juden aus Deutschland

 09.09.2026

Programm

Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 10. September bis zum 17. September

 09.09.2026

Zahl der Woche

22.233 israelische Kinder und Jugendliche

Fun Facts und Wissenswertes

 09.09.2026

Musik und Politik

Pink kritisiert Macklemore für Anti-Israel-Auftritt bei Ed Sheeran

Macklemore nutzte seinen Auftritt bei einem Konzert von Ed Sheeran, um Israel Völkermord vorzuwerfen. Das hat offenbar nicht nur jüdische Organisationen verärgert, sondern auch die Sängerin Pink

 09.09.2026

Ausstellung

Der zerbrochene Messias

Utopien, Visionen und eine Frau als Erlöserin: 25 Jahre nach seiner Gründung zeigt das Jüdische Museum Berlin zwölf zeitgenössische Künstler als Kontrast zu den Schrecken der Gegenwart

von Ayala Goldmann  09.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  09.09.2026