Deutschland

Jüdisches Museum Berlin eröffnet neue Dauerausstellung

Museumsdirektorin Hetty Berg (l.) und Kulturstaatsministerin Monika Grütters hängen bei der Eröffnung der neuen Dauerausstellung ihre Wünsche auf Zetteln in Blattform auf. Foto: Massimo Rodari

Nach rund zweieinhalb Jahren Umbau eröffnet im Jüdischen Museum Berlin am kommenden Sonntag eine neue Dauerausstellung. Die Schau »Jüdische Geschichte und Gegenwart in Deutschland« informiert auf 3500 Quadratmetern über die Geschichte der Juden in Deutschland vom Mittelalter bis in die Gegenwart mit neuen inhaltlichen Schwerpunkten und in neuen Präsentationsformen, wie das Museum am Dienstag ankündigte. Die bisherige Schau hatte von der Eröffnung des Museums 2001 bis 2017 mehr als elf Millionen Besucher.

Die neue Museumsdirektorin Hetty Berg erklärte, die kommende Ausstellung reagiere nicht nur auf veränderte Sehgewohnheiten, sondern auch auf Erwartungen der Besucher sowie einen neuen Forschungsstand. Es gebe viel mehr Original-Exponate aus der Sammlung.

»Es war an der Zeit für eine neue und andere museale Darstellung von jüdischer Kultur.«

Museumschefin Hetty Berg

Überdies sei die Ausstellung nicht mehr so überladen wie bisher. Von den mehr als 1000 präsentierten Objekten stammten rund 70 Prozent aus dem eigenen Bestand. »Es war an der Zeit für eine neue und andere museale Darstellung von jüdischer Kultur«, sagte Hetty Berg

BEZIEHUNGEN Nach Angaben der leitenden Kuratorin Cilly Kugelmann rückt die Schau die Beziehungen von Juden zu ihrer nichtjüdischen Umwelt ins Zentrum und greift stärker Themen jüdischer Kultur und Religion auf.

Ein Schwerpunkt liegt auf der Geschichte nach 1945: Die Themen reichen vom Umgang mit dem Einschnitt des Holocaust über den Neubeginn jüdischen Lebens in der Bundesrepublik und der DDR bis hin zur Migrationsgesellschaft im heutigen Deutschland.

Vier Kurzfilme greifen antisemitische Fallbeispiele der Gegenwart auf.

Das Thema Antisemitismus zieht sich dabei durch alle Epochen und wird zusätzlich in einem eigenen Segment behandelt: Vier Kurzfilme greifen antisemitische Fallbeispiele der Gegenwart auf, die aus unterschiedlichen Perspektiven von Historikern und Sozialwissenschaftlern eingeordnet werden.

HERZSTÜCK Eine interaktive Medieninstallation »Familienalbum« soll nach Angaben des Museums als »Herzstück der Sammlung« das historische Vermächtnis deutscher Juden aus aller Welt präsentieren, das in den vergangenen 20 Jahren zusammengetragen wurde.

Besucher können sich mit über 500 Schriftdokumenten, Fotos, Alltagsgegenständen und Kunstwerken aus den Nachlässen von zehn Familien befassen und die Lebenswege mehrerer Generationen kennenlernen.

RÜCKBLICK Das Jüdische Museum Berlin ist eines der meistbesuchten Ausstellungshäuser Deutschlands. Es wurde 2001 eröffnet. Die erste Dauerausstellung hatte elf Millionen Besucher. Das Museum wird vom Bund finanziert, für die neue Dauerausstellung stellte der Bundestag 18,6
Millionen Euro zur Verfügung.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sagte, jüngste Debatten, etwa über die Kritik an Israel, zeigten, wie wichtig es sei, sich mit jüdischer Kultur und Religion über eine fundierte und gelungene Darstellung zu beschäftigen.

Hetty Berg ist Nachfolgerin des Judaistik-Professors Peter Schäfer, der im Juni 2019 nach heftigen Kontroversen zurückgetreten war.

Am 1. April hat Hetty Berg, zuvor Chefkuratorin des Jüdischen Kulturviertels in Amsterdam, die Leitung übernommen. Sie wurde Nachfolgerin des Judaistik-Professors Peter Schäfer, der im Juni 2019 nach heftigen Kontroversen zurückgetreten war.

Auslöser war ein Tweet des Museums mit einer Leseempfehlung zur israelfeindlichen und in Motiven sowie Handlungen antisemitischen Bewegung BDS (Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen). kna/dpa/ja/epd

Lesen Sie eine ausführliche Besprechung der neuen Dauerausstellung in unserer Ausgabe am Donnerstag.

Junge Israelis, die von Beta Israel, äthiopischen Juden, abstammen

Hamburg

2,5 Millionen Euro für Erforschung religiöser jüdischer Handschriften

Sophia Dege-Müller, Expertin für äthiopische Handschriften, erforscht religiöse Handschriften der äthiopischen Juden, der sogenannten Beta Israel. Ihre bis zu 500 Jahre alten Schriften seien bislang kaum wissenschaftlich untersucht worden

 03.09.2026

Medien

Wie »Die Zeit« den fanatischen Israelhasser Zohran Mamdani zur politischen Lichtgestalt umdeutet

von Regula Stämpfli  03.09.2026

Debatte

Öffentlich-Rechtliche Medien: Macht euren Job, aber macht ihn besser!

Ein Appell von Esther Schapira

von Esther Schapira  03.09.2026

Medien

Stephan-Andreas Casdorff ist wieder für den »Tagesspiegel« tätig

Die KI-generierten Meinungstexte von Stephan-Andreas Casdorff im »Tagesspiegel« hatten in der Branche für viel Aufruhr gesorgt. Seit Juni hatte der Ex-Chefredakteur seine Tätigkeit ruhen lassen. Nun kehrt er zurück

von Jana Ballweber  03.09.2026

Literatur

Die perfekte Paranoia

»Howl« ist eine romangewordene Angstattacke, die Hoffnung macht. So etwas kann nur der britische Schriftsteller Howard Jacobson

von Sophie Albers Ben Chamo  03.09.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  03.09.2026

Jubiläum

50 Jahre Muppets: »Applaus, Applaus, Applaus!«

Am 5. September 1976, vor 50 Jahren, strahlte der britische Sender ITV die erste Folge der »Muppet Show« aus. Das geplant chaotische Format wurde ein weltweiter Erfolg

von Alexander Brüggemann  03.09.2026

Kunst

Mehr als heiße Luft

Ausgerechnet ein jüdisches Rhinozeros liefert in Sachsen-Anhalt einen prägnanten Kommentar zur Landtagswahl. Ein Treffen mit dem israelischen Künstler Itamar Gov

von Sophie Albers Ben Chamo  03.09.2026

Kino

»Die Realität, in der wir leben«

Das israelische Filmfestival »Seret« zeigt atemberaubend dramatische wie komische Filme und Dokumentationen

von Helmut Kuhn  03.09.2026