Lucky Luke

Jidden im Wilden Westen

Großartig gemacht und zum Totlachen: Der französische Zeichner Achdé widmet sich im 95. Band dem jüdischen Wilden Westen. Foto: PR

Lucky Luke

Jidden im Wilden Westen

Im neuesten Comic-Band muss der legendäre Cowboy Juden von Osteuropa nach Montana bringen

von Jonathan Scheiner  23.10.2017 19:53 Uhr

Raten Sie mal, woran man Juden erkennen kann? Richtig geraten: Juden haben eine enorme Nase, zumindest im 95. Lucky-Luke-Band mit dem Titel Das Gelobte Land. Juden haben lange Rübennasen, tragen püschelige Bärte und werden sentimental, wenn sie Lieder wie »A Jiddische Mame« hören. Von diesen Vorurteilen ist der neue Lucky Luke gespickt voll. Und das ist auch gut so, denn der Comic ist zum Totlachen.

Die Personen, in Szene gesetzt von dem französischen Zeichner Achdé, bedienen zwar Klischees, aber sie werden nicht verunglimpft. Am Ende sind sie einfach nur charmante Comicfiguren: Lucky Luke zieht schneller als sein Schatten, der Bankräuber heißt Madoff (War da nicht was?), und der Familienvater heißt Moishe Stern, seines Zeichens »schnellster Schnejder estlich der Wejchsel«. Das ist urkomisch, erst recht der kleine Jankel, der sich statt um die anstehende Barmizwa lieber um seine Steinschleuder kümmert. Mit ihr schießt er alle Schurken aus ihren Stiefeln.

Tora Die Geschichte nimmt ihren Anfang mit dem Cowboy Jack Loser, der eigentlich Jakob Stern heißt. Seine jüdische Familie rückt an und will von Osteuropa nach Montana ins Städtchen Chelm City. Dorthin bringen soll sie und ihre wertvolle Torarolle Lucky Luke. Das Problem: Absolut nichts, was am Wegesrand als Proviant dienen könnte, ist koscher. Und dann muss auch noch Schabbat gehalten werden, selbst wenn dem Flüchtlingstreck blutrünstige Indianer auf den Fersen sind. Aber siehe da: Bei den Rothäuten handelt es sich um einen der verlorenen Stämme Israels.

Das Gelobte Land lässt nur wenige Vorurteile aus und ist doch ganz großartig gemacht, weil es den jüdischen Beitrag bei der Eroberung des Wilden Westens in den Fokus rückt. Klar gibt es dort Fettnäpfchen, in die Achdé und sein Texter Jul treten, wie etwa der Sheriff, der einen »Stern« trägt. Aber er trägt ihn, weil es tatsächlich jüdische Sheriffs gab, wie den, der am Ende des Buchs abgebildet ist: Charles Moses Strauss (1840–1892).

Dessen Namensvetter Levi Strauss hatte im 19. Jahrhundert in Kalifornien die berühmten Jeans erfunden, jene damals noch robusten Hosen für Cowboys, gefertigt aus blauem Leinen. Auch Lucky Luke soll so eine Hose geschenkt bekommen, aber er passt nicht mehr hinein: zu viel Gefilte Fisch!

Achdé: »Lucky Luke. Das gelobte Land«. Egmont, Berlin 2017, 48 S., 12 €

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

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