Redezeit

»Jeder bekommt sein Fett weg«

Norman Issa Foto: Eldad Rafaeli

Herr Issa, in diesen Tagen ist in Israel die dritte Staffel der Sitcom »Arab Labor« angelaufen, in der Sie die Hauptrolle spielen. Die Sendung ist sowohl bei Juden als auch bei Arabern außerordentlich erfolgreich. Was macht die Serie so populär?
Ich glaube, das Geheimnis unseres Erfolgs ist ganz banal: Die Sendung befasst sich schlicht und einfach mit der Lebenswelt der Menschen in Israel und füllt damit eine Lücke. Auf humorvolle Art und Weise zeigen wir den jüdischen Zuschauern, wie der familiäre Alltag von Arabern in Israel aussieht. Den arabischen Zuschauern wiederum zeigen wir, wie der familiäre Alltag von Juden aussieht. Wir spielen mit der Neugier der Menschen.

Gibt es in Israel tatsächlich so wenig Austausch zwischen Juden und Arabern, dass beide kaum voneinander wissen?
Wenn wir ehrlich sind, wissen wir nicht allzu viel voneinander. Wir wissen nicht genau, worüber gesprochen, wie geliebt oder gestritten wird und wie man generell miteinander umgeht. Das führt natürlich auf beiden Seiten zu Vorurteilen.

Gibt es Ihrer Erfahrung nach zwischen jüdischen und arabischen Zuschauern Unterschiede, worüber gelacht wird?
Worüber konkret gelacht wird, weiß ich nicht genau. In Israel gibt es aber eine ausgeprägte Streitkultur. Deswegen könnte ich Ihnen weit besser sagen, worüber sich viele Juden und Araber anfangs beschwert haben.

Nur zu!
In der ersten Staffel fühlten sich die Araber schwach und devot dargestellt. Da musste der arabische Drehbuchschreiber der Sendung viel Kritik über sich ergehen lassen. In der zweiten Staffel beschwerten sich dann die Juden. Sie hatten das Gefühl, wir würden ihnen Rassismus vorwerfen. In der dritten Staffel gibt es nun bisher so gut wie keine Beschwerden. Ich glaube, beide Gruppen haben mittlerweile verstanden, dass wir nicht über sie, sondern mit ihnen über die teilweise bizarre Lebenssituation von Juden und Arabern in Israel lachen.

Welche Rolle spielt der Humor bei der Darstellung dieser Situationen?
Eine ganz zentrale. Humor ist bekanntlich der beste Weg, um Konflikte aufzugreifen. Trotzdem bekommt jeder sein Fett weg. Der von mir gespielte Charakter Amjad zum Beispiel versucht zwanghaft, sich in der jüdischen Mehrheitsbevölkerung zu assimilieren. Er möchte jüdischer sein als die Juden selbst. Sie wollen dazugehören, scheitern aber zwangsläufig. Israel – das ist aus diesem Grund für Amjad und für viele andere Araber eine Hassliebe.

Sie selbst sind wie Amjad ebenfalls arabischer Israeli. Kennen Sie persönlich den Wunsch, jüdischer zu sein als die Juden?
Auf jeden Fall! Wie gesagt: Das trifft auf viele Araber in Israel zu. Eine Zeitung hierzulande hat vor Jahren mal eine repräsentative Umfrage in Auftrag gegeben, in der Araber gefragt wurden, ob sie sich im Alltag zuweilen verstellen, um nicht als Araber erkannt zu werden. Über die Hälfte der Befragten hat das bejaht. Man nennt Leute wie mich hier die »jüdischen Muslime«.

Was ist der Grund dafür, sich zu verstellen?
Es gibt meiner Ansicht nach keine hundertprozentige Gleichheit zwischen jüdischen und arabischen Israelis. An Flughäfen beispielsweise werden Araber oft nicht als Staatsbürger, sondern als potenzielle Terroristen behandelt …

… aus den bekannten Gründen: Mitnichten ist jeder Muslim in Israel ein Terrorist, aber nahezu jeder Terrorist in Israel ist Muslim …
… ja, mir ist das Dilemma bekannt, und ich weiß auch nicht, wie es gelöst werden kann. Aber wenn man als unbescholtener Bürger wie ein Terrorist behandelt wird, ist das trotz der Notwendigkeit der Befragungen äußerst unangenehm. Das war früher einer der Momente, wo meine Liebe zu Israel doch arg strapaziert wurde.

Glauben Sie, dass Ihre Sendung etwa dazu beitragen kann, Vorurteile auf beiden Seiten abzubauen?
Sicherlich ist es nicht so, dass alle Zuschauer nach der Sendung alle ihre Ressentiments über Bord werfen. Möglicherweise aber bewirkt sie, dass bei Arabern die Vorbehalte gegen Juden ein bisschen weniger werden und Juden in Arabern weniger potenzielle Steinewerfer sehen. Wenn wir das erreichen, haben wir schon viel gewonnen.

Das Gespräch führte Philipp Peyman Engel.

Norman Issa wurde 1967 in Haifa geboren. Er gehört zu den beliebtesten Schauspielern in Israel.

Am Samstag, den 28. April, 21.00 Uhr, wird Norman Issa im Maxim Gorki Theater Berlin zu Gast sein. Nach einem Gespräch mit ihm werden mehrere Folgen der letzten Staffel von »Arab Labor« gezeigt (Hebräisch/Arabisch mit englischen Untertiteln). Die Veranstaltung ist Teil der deutsch-israelischen Literaturtage, die vom 25. bis 29. April in Berlin stattfinden. Die Literaturtage werden vom Goethe-Institut e.V. und der Heinrich-Böll-Stiftung e.V. organisiert.

Mehr Infos: http://bit.ly/HNnL4U

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