Film

Ikone des Bösen

Filmplakat zu »Der Verlorene« (1951). Der Spielfilm von Peter Lorre sollte das einzige Werk bleiben, bei dem der Schauspieler auch selbst Regie führte. Foto: cinetext

Er verkörperte den berühmtesten Kindermörder der Filmgeschichte, brillierte für Bertolt Brecht auf der Bühne, war mit Humphrey Bogart befreundet und wurde in Hollywood zu einer Ikone des Bösen: Peter Lorre.

Geboren 1904 als László Löwenstein in der heutigen Slowakei, gestorben in Hollywood 1964. Zum Theater zog es ihn Mitte der 20er-Jahre in Wien, seine größten Erfolge erlebte Lorre aber in Berlin. Auf den Bühnen des Großen Schauspielhauses, der Volksbühne und des Theaters am Schiffbauerdamm wurde er gefeiert, nicht nur bei Inszenierungen von Brecht, der ihn als einen beispielhaften Schauspieler seines epischen Theaters schätzte.

exil Mit seiner ersten Tonfilmrolle schuf Lorre als Kindermörder in Fritz Langs M (1931) die Blaupause für seine gesamte Kino-Karriere. Fortan war Lorre auf die Rolle des Bösen festgelegt, vor allem in Hollywood, wohin ihn sein Exil nach der Flucht vor den Nationalsozialisten führte.

Im Berliner Zeughauskino wirft nun eine von Frederik Lang kuratierte Retrospektive einen Blick hinter die »Maske des Bösen«. Sie führt die Vielfalt von Lorres Kunst jenseits seiner Rollen als Mörder, Spitzel, Gauner, Nazi oder Gangster vor Augen. Bereits im Weimarer Kino gibt es in Komödien warme und humorvolle Darbietungen zu entdecken, später folgen beeindruckende Leistungen der Darstellungskunst.

Mitte der 40er-Jahre weist Lorres Œuvre eine besondere Dichte und Vielfalt auf – doch wenig später ist er immer weniger gefragt, Lorre wird von den Studios ausgemustert. 1950 versucht er einen Neuanfang in der Bundesrepublik. Es entsteht die meisterhafte Regiearbeit Der Verlorene (1951), deren Scheitern an den Zeitumständen Spuren bei Lorre hinterlässt und ihn zurück nach Hollywood führt.

süffisant Im Spätwerk dominiert schließlich ein mal gebrochener, mal selbstironischer Darsteller, der nur noch selten bereit ist, sein Können preiszugeben. Im Laufe seiner Karriere hat Lorre in mehr als 80 Filmen mitgespielt, von denen das Zeughauskino – ausschließlich als analoge Filmkopien – knapp die Hälfte zeigt.

Meist ist Lorre in diesen Filmen in Nebenrollen zu sehen, was er süffisant kommentiert hat: »Ich will lieber ein kleiner Schauspieler bleiben, der kleine Rollen gut spielt, als ein großer Schauspieler, der große Rollen klein spielt.« ja

»Das Gesicht hinter der Maske. Hommage an den Schauspieler Peter Lorre«. Zeughauskino, Berlin. Das Programm läuft bis zum 24. August.

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