Cookies & Co.

»Ich träume von Gebäck«

Cynthia Barcomi Foto: Stephan Pramme

Frau Barcomi, in Ihrem neuen Backbuch »Let’s Bake« stellen Sie 70 neue Rezepte vor. Worin unterscheiden diese sich von Ihren früheren?
Nun, backen ist backen. Ich bin an das erste Backbuch sehr naiv herangegangen. Es war viel nostalgischer und beinhaltete Rezepte aus den Cafés. Als Autorin sehe ich Let’s bake als eine Steigerung. Ich hole viel mehr aus mir heraus. Die Rezepte wiederholen sich nicht, und ich sehe das Buch als eine Weiterentwicklung – auch für den Leser.

Wovon haben Sie sich inspirieren lassen?
Von Zutaten, Formen, Anlässen. Ich träume von Gebäck und Essen und erinnere mich daran. Die Rezepte sind teilweise sehr emotional. Der erste Schritt zu einer Rezeptentwicklung ist intellektuell und eher theoretisch: Ich sitze nämlich mit Taschenrechner und Computer am Schreibtisch, der ist übrigens in meiner Küche. Wenn ich alles für mich exakt ausgearbeitet habe, fange ich mit der Umsetzung an. Dazu gehören präzise Notizen über Dinge, die ich vom Gefühl ändere. Und ich prüfe natürlich, ob ich, wenn der Kuchen oder das Brot im Ofen war, damit zufrieden bin. Wenn das Produkt beim zweiten, allerhöchstens beim dritten Mal nicht so ist, wie ich es mir vorstelle, dann lasse ich es, denn ein Gebäck muss für mich sehr klar strukturiert sein. Eine Komposition aus Form, Farbe und Textur. Und es gibt viele neue Rezeptentwicklungen wie zum Beispiel einen Diätkuchen.

Warum denn das?
Ich habe ganz viele Kuchen, die zum Beispiel 15 cm Durchmesser haben, die man dann teilen kann, denn man bäckt nie für sich alleine.

Also keine Light-Produkte.
Nein, auf gar keinen Fall. Das geht gar nicht. Bei meinem Diätkuchen soll man ein kleines perfektes Stück genießen. Ersatzzutaten oder Light-Produkte, die können Sie alle vergessen. Viel besser ist es doch, alles in Maßen zu essen. In unserer Gesellschaft, in der viel weggeworfen wird und es fast alles im Überfluss gibt, geht es vor allem darum, sich etwas zu beherrschen – auch wenn es manchmal schwer fällt. Und ich mag das Gefühl, dass ich mehr möchte, aber ich halte mich zurück.

Und selbst wenn man den ganzen Kuchen essen würde, hätte man doch immer noch weniger als bei einer großen Backform.
Das stimmt: Man kann meine kleinen Kuchen auch zu zweit genießen. Ich möchte eben viel bieten. Und deswegen arbeite ich die Kuchenteige oder zum Beispiel Biskuits sehr genau aus. Präzision ist mir sehr wichtig. Beim Backen lässt sich nicht so viel improvisieren wie beim Kochen. Man muss zuerst alles auswiegen. Backen ist für mich nicht allein zielorientiert, sondern der Weg ist das Ziel. Viele Leser quälen sich, suchen sich Rezepte aus, für die sie nicht alle Zutaten oder Formen haben. Das ist nicht gut. Es gibt so viele Dinge, für die man gar keine Form benötigt, Scones oder Cookies zum Beispiel. Jetzt, beim vierten Buch hoffe ich, meine Leser schon etwas beigebracht zu haben.

Sie schreiben im Vorwort zu »Let’s Bake«, dass Sie beim Backen zu ihren Wurzeln zurückgekehrt sind. Wie sehen die aus?
Backen ist sehr emotional. Wenn ich reise und Kuchen mithabe, sprechen mich viele Menschen an. Deutsche sind ja relativ zurückhaltend – außer, wenn es vielleicht darum geht, wenn man bei Rot über die Ampel geht. Aber wenn ich mit Gebackenem unterwegs bin, dann kommt man schnell ins Gespräch. Backen ist sinnlich: die Geräusche beim Schokoladeschneiden, die Aromen – alles. So wie ich backe, so sehe ich die Welt.

Was ist der größte Back-Unterschied zwischen Deutschland und den USA?
Die Deutschen backen sehr viel zu Feiertagen, Amerikaner backen eigentlich das ganze Jahr über. Auch mit anderen Zutaten wie Erdnusscrème oder Bananen, Kürbis oder Zucchini.

Wo ist Ihre kulinarische Heimat?
Irgendwo zwischen den USA und Deutschland. Ich habe natürlich meine Wurzeln, die ich nie verliere. Als Amerikanerin in Deutschland ist alles nur nicht mehr so pur, weil ich durch viele Reisen von den verschiedensten Sachen inspiriert werde. Käsekuchen sind sehr amerikanisch, denn sie werden mit Frischkäse und nicht mit Quark gemacht. Brote hingegen können etwas Deutsches haben.

Sie treten regelmäßig im Fernsehen auf und sind auch in sozialen Netzwerken aktiv. Haben Sie auch mal keine Lust zu backen?
Meine Inspiration und mein Enthusiasmus sind immer bei mir. Wenn ich eine Schürze umbinde, dann bin ich da. Manchmal kann ich es mir selbst nicht erklären, aber es ist so.

Cynthia Barcomi kommt ursprünglich aus Seattle, lebt aber seit vielen Jahren in Berlin und eröfnete 1994 eine Kaffeerösterei. Drei Jahre später kam der Deli hinzu. Nach »Cynthia Barcomis Backbuch«, »I love baking« und dem »Kochbuch für Feste« ist »Let’s bake« ihre vierte Veröffentlichung.

www.barcomis.de

Medien

Protokollant des täglichen Irrsinns

Der Publizist Henryk M. Broder wird 80. Eine persönliche Würdigung von Reinhard Mohr

von Reinhard Mohr  19.08.2026

Heidelberg

Hüter des Gedächtnisses

Im Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden liegt alles, was jüdische Gemeinden seit 1945 in Deutschland an Dokumenten produziert haben. Jens Hoppe, der Leiter der Einrichtung, sichert die Zukunft der Bestände

von Eugen El  19.08.2026

Programm

Ein Moped-Gottesdienst, Kaffee, Kuchen und ein Zirkus-Koffer in Frankfurt: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 20. August bis zum 27. August

 19.08.2026

Orlando (Florida)

Harrison Ford wird erneut zu Indiana Jones

Diesmal wird der jüdische Darsteller kein Abenteuer auf der Leinwand erleben. Aber worum geht es dann?

 19.08.2026

Film

25 Jahre »A.I.«: Odyssee eines Roboter-Jungen

Ein Vierteljahrhundert ist Spielbergs Film »A.I. – Künstliche Intelligenz« jetzt alt. Das Werk ist extrem rührselig, aber dennoch sehenswert. Und es wirft Fragen auf, die auch 2026 sehr relevant sind

von Gregor Tholl  19.08.2026

Film

Überraschend witzige Geschichte über Begehren und Scham

In der Slasher-Satire »Teenage Sex and Death at Camp Miasma« von Jane Schoenbrun spritzt Blut, Gillian Anderson flirtet und eine junge Regisseurin versucht, ihre eigene Lust zu verstehen

von Shireen Broszies  19.08.2026

Frankfurt am Main

Friedenspreis: Mirjam Zadoff hält Laudatio auf Philipp Sands

Der Menschenrechtsanwalt Philippe Sands erhält eine der angesehensten Auszeichnungen Deutschlands. Nun wurde die Laudatorin bekanntgegeben

 19.08.2026

Rezension

Antidot gegen Lüge und Vernebelung

Richard Herzinger war ein lebenslanger Streiter gegen Antisemitismus jeglicher Couleur. Ein Auswahlband seiner Texte zeigt ihn nun einmal mehr als einen wortmächtig-analytischen Solitär

von Marko Martin  19.08.2026

Kino

»Hiddensee« - Ein Inselparadies, nicht frei von Widersprüchen

Punk am Strand, Kunst und Politik im Laufe der Zeit - eine Doku über die Ostseeinsel Hiddensee und ihre wechselvolle Geschichte

von Kira Taszman  18.08.2026