Kino

Hummus, Fußball, Philip Roth

Lassen sich an der Kotel für das Schicksalsspiel inspirieren: Israels Fußballfunktionär (Moshe Ivgy, l.) und Trainer Jan Müller (Detlev Buck) Foto: Daniel Kedem/GRINGO films GmbH

Sie sind grundverschieden, aber die Liebe zum Hummus verbindet sie: die Muslimin Suheila aus Akko, die sich bei der TV-Kochshow Israel Hummus Genius erfolgreich gegen zehn Männer durchgesetzt hat, der Christ Jalil aus Ramla, der inzwischen in Berlin lebt und in der deutschen Hauptstadt ein Restaurant betreibt, und den orthodoxen jüdischen Israeli Eliyahu. Grund genug für den israelischen Regisseur Oren Rosenfeld, dem traditionellen Kichererbsenpüree mit Hummus! The Movie endlich auch einen eigenen Film zu widmen.

Seit diesem Wochenende wird unter anderem Rosenfelds Dokumentation zwei Wochen lang beim Internationalen Jüdischen Filmfestival Großbritannien (UKIJFF) gezeigt. Anders als in den Vorjahren findet das Festival nicht mehr ausschließlich in London statt, sondern in insgesamt fünf britischen Städten: Manchester, Leeds, Nottingham und Glasgow. Insgesamt werden den Zuschauern mehr als 20 neue Werke präsentiert.

vietnamkrieg Ein Highlight des UKIJFF ist die Literaturverfilmung Amerikanisches Idyll nach dem gleichnamigen Roman von Philip Roth. Das Regiedebüt von Hollywoodstar Ewan McGregor, der zugleich die Hauptrolle verkörpert, spielt in den USA der 60er-Jahre. Nach außen hin wirkt es, als führe der erfolgreiche jüdische Highschool-Athlet Seymour »Swede« Levov das perfekte Leben. Er ist verheiratet mit der früheren Schönheitskönigin Dawn Dwyer (Jennifer Connelly), ist glücklicher Vater einer Tochter (Dakota Fanning) und hat mit Erfolg das Geschäft seines Vaters übernommen.

Doch durch den Vietnamkrieg ändert sich sein Leben dramatisch: Seine Tochter protestiert gegen die Beteiligung der Vereinigten Staaten, radikalisiert sich zunehmend und wird nach einem Bombenattentat des Anschlags verdächtigt. Daraufhin verschwindet sie plötzlich spurlos – und Seymour Levov setzt alles in seiner Macht Stehende dafür ein, seine Tochter wiederzufinden.

Ganz und gar heiter geht es in der Politsatire 90 Minuten – Bei Abpfiff Frieden des israelischen Regisseurs Eyal Halfon zu, die ebenfalls auf dem UKIJFF zu sehen ist. In dem Film soll das Schicksal des israelischen und palästinensischen Volkes in einem Fußballspiel in Portugal entschieden werden. Die Vereinbarung lautet: Der Gewinner darf im Heiligen Land bleiben, der Verlierer muss das Territorium räumen. Von weiteren Vermittlungsmissionen wird abgesehen.

schiedsrichter Doch ohne Letztere – zumindest von Sportverbänden – läuft erst einmal gar nichts: Der palästinensische und der israelische Fußballfunktionär (dargestellt vom arabisch-israelischen Schauspieler Norman Issa und seinem jüdischen Kollegen Moshe Ivgy) bekommen sich schon im Vorfeld in die Haare und können sich weder auf Kriterien für die Auswahl der Spieler noch auf einen neutralen Schiedsrichter einigen.

Angesichts dessen ist die internationale Gemeinschaft die jahrzehntelang vergeblichen Versuche leid, Frieden im Nahen Osten zu stiften. Fazit: Die Handlung des 83-minütigen Films bringt den Status quo und Überdruss am israelisch-palästinensischen Konflikt mit grimmigem Humor auf den Punkt. ja

www.ukjewishfilm.org

Serie

»Holocaust«-Serie: Wendepunkt der deutschen Erinnerungskultur

Vor 47 Jahren wurde im öffentlich-rechtlichen Fernsehen die US-Serie »Holocaust - Die Geschichte der Familie Weiss« ausgestrahlt. Der damals verantwortliche Leiter der Hauptabteilung Fernsehspiel erinnert sich an Widerstände und weinende Anrufer

von Jonas Grimm  26.01.2026

Der diesjährige Lerntag "Jom Ijun" findet am 1. Februar im Gemeindezentrum der ICZ in Zürich statt.

Interview

»Wir sind in der kleinen jüdischen Welt einsam«

Der diesjährige Lerntag »Jom Ijun« beleuchtet das innerjüdische Spannungsfeld zwischen Gemeinschaft und Individualismus. Warum auch der jüdische Diskurs davon betroffen ist, erklären die Organisatoren Ron Caneel und Ehud Landau im Gespräch

von Nicole Dreyfus  26.01.2026

USA

Natalie Portman kritisiert Gewalt durch ICE-Beamte

»Es ist wirklich unmöglich, nicht über das zu sprechen, was gerade passiert«, sagt die jüdische Schauspielerin beim Sundance Film Festival

 26.01.2026

Geschichte

War Opa Nazi?

Der Journalist Stephan Lebert und der Psychologe Louis Lewitan analysieren den intergenerationellen Umgang deutscher Familien mit den Verbrechen der NS-Täter

von Ralf Balke  26.01.2026

TV-Tipp

Brillanter Anthony Hopkins glänzt in »One Life«

Kurz nach dem Holocaust-Gedenktag zeigt 3sat ein biografisches Drama über den Briten Nicholas Winton, der 1939 Kindertransporte von Prag nach London organisierte und damit mehrere hundert Kinder vor den Nazis rettete

von Jan Lehr  26.01.2026

TV-Tipp

»Son of Saul« - Abgründiges und meisterhaftes Holocaust-Drama

Der Oscar-Gewinner hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck

von Jan Lehr  26.01.2026

Fernsehen

»Ich war soooo verliebt in Gil«

So war die dritte Folge des »Dschungelcamps« von RTL

von Martin Krauß  25.01.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Immer auf die Kleinen? Ich swipe alle weg!

von Margalit Edelstein  25.01.2026

Archäologie

Ton, Steine, Scherben in der Datenbank

Israel startet eines der ehrgeizigsten Digitalisierungsprojekte weltweit zu Ausgrabungen und historischen Funden

von Sabine Brandes  25.01.2026