Kultur

Hetty Berg tritt ihr Amt an

Hetty Berg, seit 1. April Direktorin des Jüdischen Museums Berlin Foto: Yves Sucksdorff

Die neue Direktorin des Jüdischen Museums Berlin, Hetty Berg, will sich gegen wachsenden Antisemitismus in Deutschland einsetzen. »Die Lebenswirklichkeit für viele Jüdinnen und Juden hat sich in der Tat sehr verändert – in einem Ausmaß, das ich niemals für möglich gehalten hätte«, sagte Berg der Wochenzeitung »Die Zeit« in Hamburg.

Gerade deshalb müsse die Rolle ihres Museums gestärkt werden: »Es muss vom großen Reichtum der jüdischen Geschichte und Kultur erzählen und sie lebendig werden lassen.«

BDS Hingegen sehe sie es nicht als Aufgabe des Hauses, »die Politik der israelischen Regierung zu kritisieren« Deshalb werde sie auch Mitglieder der israelkritischen BDS-Bewegung nicht zu Diskussionen einladen.

»In einem Museum unter meiner Leitung gebe ich nur solchen Stimmen ein Forum, die sich von Ausgrenzung und Gewalt distanzieren und mit Respekt auf andere zugehen«, betonte sie mit Blick auf Vorwürfe in der Vergangenheit, das Museum habe israelskeptischen Stimmen zu großen Raum gegeben. »Nur das erlaubt eine differenzierte Beschäftigung mit sensiblen Themen«, sagte die 59-jährige Kulturwissenschaftlerin.

Wegen der Coronakrise wird Hetty Berg in den kommenden Tagen zunächst im Homeoffice arbeiten.

Bergs Vorgänger Peter Schäfer war im Juni 2019 nach harscher Kritik unter anderem an einem Tweet seiner Pressestelle von seinem Amt zurückgetreten. In dem Tweet war auf einen Zeitungsartikel über eine Erklärung israelischer und jüdischer Wissenschaftler verwiesen worden, die gegen den Anti-BDS-Beschluss des Bundestages Stellung bezogen hatten. BDS fordert den Boykott Israels wegen der Besatzungspolitik.

Zentralrat Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte zu Schäfers Amtszeit scharfe Kritik an der Leitung Jüdischen Museum Berlin geübt.

Die neue Leiterin äußerte Bedauern über Schäfers vorzeitigen Rückzug. Die Beweggründe für seinen Abgang könne sie nicht beurteilen, sagte sie der »Zeit«. Gegen Schäfers Rücktritt hatte es internationale Proteste gegeben. Auch Berg protestierte damals, wie sie sagte: »Ich habe einen offenen Brief unterzeichnet, aus Solidarität mit einem Kollegen.«

Wegen der Coronakrise wird Hetty Berg n den kommenden Tagen zunächst aus dem Homeoffice, also von zu Hause aus arbeiten, wie es im Museum hieß.

Austausch »Das jüdische Leben ist im Wandel – eine neue Generation mit unterschiedlichen Hintergründen und einer Menge Ideen tritt hervor. Als Ort der Begegnung und des Austauschs soll das Jüdische Museum Berlin diesen vielfältigen Perspektiven Raum geben«, kündigte die 58-Jährige zum Arbeitsstart über den Twitter-Account des Museums an.

Hetty Berg wurde 1961 in Den Haag geboren, studierte Theaterwissenschaften in Amsterdam und Management in Utrecht. Von 1989 an war sie als Kuratorin und Kulturhistorikerin am Jüdischen Historischen Museum in Amsterdam tätig.

Seit 2002 arbeitete Berg als Museumsmanagerin und Chefkuratorin des Jüdischen Kulturviertels in Amsterdam, zu dem neben dem Jüdischen Historischen Museum auch das Kindermuseum, die Portugiesische Synagoge, das Nationale Holocaust-Museum und die Gedenkstätte Hollandsche Schouwburg gehören. epd/dpa

Medien

KI-Verstoß: »Tagesspiegel« nimmt Casdorff-Texte offline

Stephan-Andreas Casdorff verfasste auch für die Jüdische Allgemeine Kommentare. Die Redaktion prüft, ob auch diese Texte von einer KI statt von Casdorff selbst verfasst wurden

 12.06.2026

Berlin

»Ich bin stolz! Sehr stolz«

Dieter Nuhr ist mit dem Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden geehrt worden. Wir dokumentieren hier exklusiv seine Rede im Wortlaut

von Dieter Nuhr  12.06.2026 Aktualisiert

Musik

Mike D in Berlin: Ein Beastie Boy meldet sich zurück

Das Berliner Säälchen am Holzmarkt wird zur Kulisse des einzigen Deutschland-Konzerts des »Beastie Boys« Mike D. Hunderte Fans sind begeisterte Zeugen des überraschenden Comebacks ihres Idols

 12.06.2026

Weltmeisterschaft

Die Kraft des Gemeinsamen

Vom Hoffen, Mitfiebern und Leiden: Eine Liebeserklärung an die Macht und die Möglichkeiten des Fußballs

von Awi Blumenfeld  11.06.2026

Kulturfest

Jüdische Woche in Leipzig

70 Leipziger Institutionen und Vereine gestalten ein Programm zu jüdischem Leben in Vergangenheit und Gegenwart. Erwartet werden internationale Gäste

 11.06.2026

Dresden

Elnet: Initiative soll Neugier auf jüdisches Leben wecken

Die Kampagne ist Teil des Themenjahres »Tacheles. Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026« und wird zunächst sechs Wochen sichtbar sein

 11.06.2026

Hass auf der Bühne

»Hofnarr der Hamas«: Kritik an Auftritt von Bassem Youssef in Berlin

Der amerikanisch-ägyptische Comedian relativiert die Hamas-Verbrechen vom 7. Oktober und verbreitet Verschwörungsmythen über Israel. Nun werden Forderungen nach einer Absage seiner Vorstellung im Tempodrom laut

von Imanuel Marcus  11.06.2026 Aktualisiert

Festival in Köln

»Shalom-Musik.Koeln« 2026 bringt jüdische Musik in die ganze Stadt

Avi Avital, Sharon Brauner, Omer Klein und Bar Zemach sind nur vier der vielen Künstler, deren Performances auf dem Programm stehen

 11.06.2026

Hollywood

Hasswelle gegen Gwyneth Paltrow wegen Israel-Werbung

Die Datstellerin mit jüdischem Familienhintergrund ist das Werbegesicht für das israelische Luxusbauprojekt 51 Park in Herzliya. Die Quittung: Sie wird online als »genocide queen« beschimpft

 11.06.2026