Tel Aviv

Herausragend kreativ

Die Regisseure Joel und Ethan Cohen freuen sich über den Dan-David-Preis 2011 Foto: Flash 90

Ein bisschen nervös sind Joel und Ethan Coen wohl schon, als sie den schmucklosen Raum am vergangenen Sonntagabend in der Tel Aviver Universität betreten. Mit zerzausten Haaren setzt sich Joel, der Ältere des berühmten Geschwisterpaares, an den Tisch, macht eine Flasche Wasser auf und kippt sie sich beinahe über die Hose. Sein jüngerer Bruder schaut dagegen etwas verschlafen durch die schwarz gerahmte Brille.

Es ist ihr erster Aufenthalt in Israel, und der Grund ist ein besonderer: Zusammen mit den Wissenschaftlern Cynthia Kenyon, Gary Ruvkun und Marcus Feldmann erhalten die Coens den Dan-David-Preis. Die Auszeichnung, die seit 2002 einmal jährlich vergeben wird, ist mit jeweils einer Million Dollar dotiert. Geehrt werden mit ihr herausragende Leistungen in den etwas oberflächlich wirkenden Kategorien Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Einzigartig Marcus Feldmann, der in diesem Jahr die Auszeichnung für die Vergangenheit entgegennimmt, hat im Laufe seiner Karriere vor allem mit grundlegender Forschung über die Entwicklung von Tieren und Pflanzen von sich reden gemacht. Die Regisseure Joel und Ethan Coen erhalten den Preis für die Gegenwart – ihrer Einzigartigkeit und Kreativität im Filmgeschäft wegen.

Die Wissenschaftlerin Cynthia Kenyon und ihr Kollege Gary Ruvkun freuen sich über den Dan-David-Preis in der Kategorie Zukunft. Sie fanden in jahrelanger Recherche heraus, dass das Altern von einem Hormon genetisch reguliert wird, das dem Insulin ähnelt.

Unter ihnen sitzt der Stifter des Preises, Dan David, der 1929 in Bukarest geboren wurde. Er studierte Wirtschaftswissenschaften und wanderte 1960 nach Israel aus. Anfangs arbeitete er als Journalist und Fotograf, bis ihm in den 60er-Jahren der Aufstieg als Unternehmer mit Franchise-Rechten von Fotoautomaten gelang. Der 82-Jährige hat eine leise, etwas brüchige Stimme. »Ich freue mich vor allem auf den netten Abend.

Judentum Aber nun sollen die Preisträger sprechen«, sagt der kleine Mann. Und das tun besonders die Stars unter ihnen, die Coen-Brüder. »Wenn es nach unserer Mutter gegangen wäre, hätten wir Israel schon viel früher besucht«, sagt Ethan. Die Oscar-Gewinner, die in einer jüdischen Familie aufgewachsen sind, haben aber nach eigenem Bekunden eigentlich keinen großen Bezug zum Judentum. Und keine Ambitionen, in Israel nach neuem Filmmaterial zu suchen. Fast ist es ihnen ein wenig peinlich, das zuzugeben. Aber das Publikum verzeiht es den Machern von Kult-Filmen wie The Big Lebowski oder A Serious Man und jüngst True Grit.

Immerhin kümmern sie sich um den Nachwuchs. Denn alle Preisträger sind verpflichtet, zehn Prozent des Geldes für Doktoranden und Stipendiaten zu stiften. »Das ist sehr wichtig«, sagt Cynthia Kenyon, die in San Francisco mit vielen jungen Forschern zusammenarbeitet. Vor allem aber sollten Doktoranden mit viel Leidenschaft an ihren Dissertationen sitzen, denn ohne Passion ginge gar nichts, betont die Wissenschaftlerin.

Thüringen

Jüdisch-israelische Kulturtage fordern Verantwortung ein

16 Musiker und andere Vertreter der Kultur aus Israel sind dieses Mal dabei

 26.02.2026

Interview

»Lachen statt verzweifeln«

Ein Gespräch mit der Meme-Künstlerin ruth__lol über jüdischen Humor, die komische Seite des Antisemitismus und eine Leerstelle in den sozialen Medien

von Joshua Schultheis  26.02.2026

Reaktionen

»Plattform für antisemitische Hetze«: Das sagen Künstler und Politiker zur geplanten Tuttle-Absetzung

Wolfram Weimer will die Berlinale-Chefin nach dem jüngsten Antisemitismus-Skandal absetzen. Das sorgt – so wie die Rede von Abdallah Alkhatib – für kontroverse Diskussionen. Ein Überblick

 26.02.2026

Berlinale

Tom Shoval unterstützt Tricia Tuttle

Der israelische Regisseur schreibt in einem Instagram Post Tuttle sei »eine Person von beispielloser Integrität.«

 26.02.2026

Programm

Berliner Rebellin, Kafkas Schwester und ein junger Detektiv: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 26. Februar bis zum 4. März

 26.02.2026

Aufgegabelt

Tomato tonnato mit Kapern

Rezepte und Leckeres

von Alice Zaslavsky  25.02.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Schlafende Kritiker, riechende Stullen, tolle Outfits: Berlinale mit allen Sinnen

von Katrin Richter  25.02.2026

Rezension

Erfolg und Versagen

Konstantin Richter beschreibt deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1871 – und das Schicksal des jüdischen Bankiers Hermann Wallich

von Maria Ossowski  25.02.2026

Debatte

Streit um die Deutungshoheit

Die harten Auseinandersetzungen um die Studie des Historikers Grzegorz Rossoliński-Liebe über die Rolle polnischer Bürgermeister in der Schoa sind ein Lehrstück über den Umgang mit der Freiheit der Wissenschaft

von Julien Reitzenstein  26.02.2026 Aktualisiert