Medizin

Geistig wach mit Milchreis

Arznei mit Nebenwirkungen: Zimt Foto: Fotolia

Bei Zimt denken die meisten automatisch an Kalorienhaltiges: Milchreis wird durch das aromatische Gewürz erst so richtig lecker, und über den Milchschaum eines Latte macchiato gestreut, sorgt es für guten Geschmack. Zum Glück ist Zimt jedoch eine der Ausnahmen von der Regel, wonach alles, was süß und lecker ist, automatisch ungesund ist.

Die seit 4.000 Jahren in Stangenform oder als Pulver verwendete Rinde des Zimtbaums wird in China traditionell als Heilkraut verwendet, zudem wird Zimt schon lange eine Wirkung gegen Diabetes Typ II zugeschrieben, die aber bisher nicht ausreichend wissenschaftlich belegt werden konnte.

Heilkräfte Dass das Gewürz, das im Hebräischen Qinnamon heißt und von Moses in der Bibel als eine der Zutaten des Salböls benannt wurde, entzündungshemmend und antimikrobiell wirkt, steht dagegen fest. Die Heilkräfte hat Zimt aufgrund von Komponenten wie Zimtaldehyd, Eugenol, Cinnamylacetat und Zimtalkohol sowie Safrol, Cumarin und Zimtsäureester.

Schon vor zehn Jahren fand Michael Ovadia von der Universität Tel Aviv heraus, dass ein Zimtextrakt namens CEppt starke antivirale Eigenschaften aufwies. Neugierig, welche Anwendungen für Zimt noch in Frage kommen, nahm die Doktorandin Anat Frydman-Marom Ovadias Zimtextrakt in ihre Versuchsreihe auf, in der sie nach Stoffen für die Bekämpfung der Krankheiten Alzheimer und Parkinson sucht.

Die ersten Ergebnisse übertrafen alle Erwartungen: CEppt kann die Auswirkungen von fünf Alzheimer verursachenden Gensträngen verzögern. Tests in verschiedenen Laboren bestätigten die Entdeckung, die von den Wissenschaftlern Frydman-Marom, Ovadia, Ehud Gazit, Daniel Segal und Dan Frankel in der medizinischen Fachzeitschrift PLoS ONE veröffentlicht wurde.

wundermittel In Versuchen an Zellkulturen, Fliegen und Mäusen fand das Team heraus, dass Senile Plaques – Ablagerungen an der grauen Hirnsubstanz, die zu Alzheimer führen können – von CEppt verhindert werden. Von allen Substanzen, die in Frydman-Maroms Studie untersucht wurden, war CEppt am vielversprechendsten.

Doch leider bedeutet die Entdeckung nicht, dass man nun Zimt in großen Mengen zu sich nehmen sollte. Das Gewürz – vor allem der von der Lebensmittelindustrie gern benutzte preisgünstige Cassiazimt aus China – enthält nämlich Cumarin. Dieser Stoff ist für den angenehm würzigen Geruch verantwortlich. In größeren Mengen genossen, kann er zu Kopfschmerzen, Erbrechen und Schwindel führen, bei Überdosierung sogar zu Lähmung, Atemstillstand und Koma.

Die Forscher arbeiten nun daran, die guten Stoffe des Zimts von den gesundheitsschädlichen abzuspalten, um jene dann künstlich produzieren zu können. Für Anat Frydman-Marom ist die medizinische Wirkung ein wissenschaftlicher Fakt. »Aber für mich geht es auch um die spirituelle Seite«, sagt sie im Hinblick auf die vielen Bibelstellen, in denen Zimt erwähnt wird. Und sie fügt hinzu, dass die Forschungsarbeit ein Genuss gewesen sei, denn plötzlich habe es in den Laboren überall nach dem Gewürz geduftet.

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