Film

»Gegen das Vergessen«

Artur Brauner Foto: dpa

Film

»Gegen das Vergessen«

Artur Brauner erhält für sein Lebenswerk den Marler Medienpreis für Menschenrechte

 16.10.2017 09:30 Uhr

Der Filmproduzent Artur Brauner hat den Marler Medienpreis für Menschenrechte erhalten. Der 99-jährige Brauner wurde für seine über 70 Jahre andauernde Arbeit geehrt, mit der er an den Holocaust erinnert und dazu beigetragen habe, die deutsche Vergangenheit aufzuarbeiten, hieß es am Samstagabend bei der Verleihung in Marl.

Brauner bekam die undotierte Auszeichnung der Menschenrechtsorganisation Amnesty International in der Kategorie Ehrenpreis. Stellvertretend für ihn nahm seine Tochter, die Filmproduzentin und Journalistin Alice Brauner, die Würdigung entgegen.

verleihung Die ARD-Vorsitzende und Film-Intendantin der ARD, Karola Wille, sagte zu der Verleihung: »Mein Glückwunsch und tiefer Respekt gelten Artur Brauner, der für sein unermüdliches Filmschaffen gegen das Vergessen zu Recht die Auszeichnung erhält. Einen würdigeren Preisträger hätte es nicht geben können.«

Artur Brauner wurde 1918 im polnischen Lodz als Sohn eines jüdischen Holzhändlers geboren. Den Holocaust überlebte er, weil er sich in Wäldern versteckte und gegen Kriegsende aus einem Konzentrationslager floh. Fast seine gesamte Familie ist in Ghettos und Lagern von den Nazis umgebracht worden.

Mit seiner Firma CCC-Film wurde er in den 50er-Jahren zu Deutschlands wichtigstem Produzenten von – zumeist – Unterhaltungsfilmen. In den vergangenen Jahrzehnten widmete sich Brauner verstärkt Filmen, die an die NS-Zeit erinnern. 2011 entstand nach einer Idee Brauners Wunderkinder, in dem die Freundschaft dreier musikalisch begabter Kinder in der Ukraine, zwei davon waren jüdisch, durch die Nazi-Besatzung auf die Probe gestellt wird. Insgesamt hat Artur Brauner rund 250 Filme produziert.

Schwerpunkte Für den Marler Medienpreis Menschenrechte waren dieses Jahr knapp 100 Fernsehbeiträge von elf verschiedenen Sendern aus den vergangenen beiden Jahren eingereicht worden. Hieraus hatte eine Jury 15 Beiträge nominiert. Thematische Schwerpunkte der Beiträge waren in diesem Jahr »Krieg und Kriegsfolgen« sowie »Flucht«.

Der Marler Medienpreis Menschenrechte wird seit 2001 als Preis der deutschen Sektion von Amnesty International vergeben und richtet sich an TV-, Radio- und Printbeiträge, die in Deutschland veröffentlicht wurden. Die undotierte Auszeichnung würdigt Beiträge, die in außergewöhnlicher Weise das Thema Menschenrechte behandeln. epd/ppe

Zahl der Woche

810.000 wahlberechtigte Israelis

Fun Facts und Wissenswertes

 28.10.2026

Programm

Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 29. Oktober bis zum 4. November

 28.10.2026

Nürnberg

Interaktives NS-Dokumentationszentrum öffnet

Nach fünf Monaten Probebetrieb wird das neu gestaltete Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg am kommenden Mittwoch feierlich eröffnet. Im Zentrum des Ausstellungskonzepts stehen Barrierearmut und ein multimediales Angebot

von Julia Riese  28.10.2026

Philologie

Mehr als Dolmetscher

Jüdische Übersetzer haben nicht nur zwischen den Sprachen vermittelt, sondern dabei auch eigene Denkformen geprägt

von Katharina Hillmann  27.10.2026

Bucerius Kunst Forum

Verstreute Meisterwerke

Eine Ausstellung in Hamburg vereint rund 100 Gemälde, Grafiken und Skulpturen aus 15 jüdischen Sammlungen und erinnert an den Kunstraub der Nationalsozialisten

von Edgar S. Hasse  27.10.2026

Kino

Wiener Blut

Ulrike Ottinger lädt in der Horrorkomödie »Die Blutgräfin« zum morbiden Vampirvergnügen und schwelgt in opulenten Bildern. Isabelle Huppert geht perfekt gestylt auf Beutezug

von Anna Maria Pahlke und Sophie Albers Ben Chamo  27.10.2026

Jerusalem

Cohen interpretiert Cohen

Der israelische Jazz-Musiker Avishai Cohen hat sich für sein neues Album ein Buch des legendären Singer-Songwriters Leonard Cohen vorgenommen

von Imanuel Marcus  27.10.2026

Nachruf

»Star Trek«-Star Walter Koenig ist tot

Seine Rolle als Pavel Chekov hatte eine humoristische Funktion. Der Charakter sollte jüngere Zuschauer ansprechen

 27.10.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Rote Bänke, erschöpfte Katzen – ein Nachmittag in Amsterdam

von Margalit Edelstein  26.10.2026