Musik

Ganz große Oper

Heute selten aufgeführt: Meyerbeers »Robert der Teufel« 2000 in Berlin Foto: ullstein

Im 19. Jahrhundert zählte Giacomo Meyerbeer zu den europaweit meistgefeierten Opernkomponisten. Seine Werke genossen bei Publikum und Künstlern gleichermaßen hohes Ansehen und gehörten zum festen Repertoire. Heute sind Meyerbeers Opern selten zu hören. Einige erfolgreiche Aufführungen aus jüngerer Zeit, etwa in Chemnitz und Brüssel, lassen eine vorsichtige Renaissance erhoffen.

italien Am 5. September 1791 unter dem Namen Meyer Beer als ältester Sohn von Amalie und Jacob Herz Beer in der Nähe von Berlin geboren, wuchs der junge Meyer in einer wirtschaftlich prosperierenden und gesellschaftlich wie kulturell auf höchsten Ebenen verkehrenden jüdischen Familie auf. Dieses Umfeld ermöglichte seine umfassende musikalische Ausbildung bei den angesehensten Lehrern seiner Zeit. 1805 wurde er Mitglied der berühmten Berliner Singakademie unter der Leitung Carl Friedrich Zelters, der für zwei Jahre auch sein privater Musiklehrer wurde.

Nach anfänglichen Kompositionen geistlicher Werke wie Kantaten und Oratorien ging der junge Musiker 1816 nach Italien, um sich dort intensiv mit der Oper zu befassen. Italien, wo er sich den Namen Giacomo Meyerbeer zulegte, sollte von da an für mehrere Jahre seinen Lebensmittelpunkt bilden. Er kam hier mit dem Opernschaffen Gioachino Rossinis in Kontakt, dessen Werke gerade das Zentrum des italienischen Operngeschehens bildeten.

Meyerbeer nahm Rossinis Stil als Vorbild, leitete daraus aber eine individuelle Handschrift ab. An großen Bühnen brachte er seine Werke zur Uraufführung, zum Beispiel an der Mailänder Scala oder am Teatro la Fenice in Venedig. Dort kam 1824 mit großem Erfolg seine letzte italienische Oper Il crociato in Egitto heraus. Das Werk wurde zu einem internationalen Erfolg, der Meyerbeers Entwicklung zu einer der zentralen Operngestalten Europas Bahn brach.

frankreich Sein Ruhm begründete sich freilich auf den für Paris entstandenen Opern. Die Stadt an der Seine war seit 1830 Meyerbeers Lebensmittelpunkt. Mit Robert le diable begann 1831 die Erfolgsserie, setzte sich dann mit Les Huguenots 1836 fort. Meyerbeer war im höchsten Himmel des europäischen Opernruhms angekommen. Sein nächstes Werk, Le Prophète, ließ einige Jahre auf sich warten, kam 1849 in Paris zur Uraufführung. Auch diese Oper wurde mit frenetischem Jubel aufgenommen und von den wichtigsten europäischen Bühnen nachgespielt.

Ein Markenzeichen der Grand opéra, dieses führenden französischen Operngenres, waren historische Stoffe. Les Huguenots ist dafür ein Musterbeispiel. Meyerbeer bringt die Verfolgung der protes tantischen französischen Hugenotten durch die katholische Mehrheit auf die Opernbühne, gipfelnd in der blutigen Bartholomäusnacht vom 23. auf den 24. Juni 1572. Der Komponist verschränkt im spektakulären Finale der Oper alle Register der aufwendigsten Bühnentechnik, üppig-realistische Darstellung der Vorgänge mit einer von klanglichen Effekten, instrumentatorischer Kühnheit und motivischer Komplexität durchwirkten Partitur.

Diese unmittelbare Verzahnung theatraler und musikalischer Vorgänge, die Dichte, mit der er musikdramatische Szenen auf allen Ebenen zu formen verstand, machen den besonderen Reiz des Meyerbeerschen Musiktheaters aus. Sänger und Orchester stellt er dabei vor größte Anforderungen. Das nahe Beieinander von hohem Anspruch und anschaulicher Unterhaltung ist bezeichnend.

Die Uraufführung seiner letzten Grand Opéra L’Africaine 1865 in Paris erlebte Giaciomo Meyerbeer nicht mehr. Er starb vor 150 Jahren, am 2. Mai 1864, in Paris, der Stadt, die so viele Jahre das Zentrums seines Lebens gewesen war. Sein Leichnam wurde nach Berlin überführt und eine Woche nach seinem Tod auf dem Jüdischen Friedhof an der Schönhauser Allee beigesetzt.

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