Porträt

»Expertin und gut vernetzte Historikerin«

Andrea Riedle, neue Direktorin der Topographie des Terrors Foto: Andrea Riedle

Seit Langem ist die Berliner »Topographie des Terrors« ein Besuchermagnet. Über 1,3 Millionen Besucher zählte die Dokumentationsstätte auf dem Gelände der früheren Terrorzentrale der Nationalsozialisten allein im vergangenen Jahr. Maßgeblichen Anteil daran hat Andreas Nachama. Er leitete und prägte die Dauerausstellung seit 1987, in den vergangenen 25 Jahren auch als Direktor der Topographie-Stiftung. Ende November geht er in den Ruhestand.

Am Donnerstag wurde bekannt, an wen Nachama mit dem Jahreswechsel den Stab weiterreichen wird. Es ist die Historikerin und Politikwissenschaftlerin Andrea Riedle (46). Als wissenschaftliche Abteilungsleiterin und stellvertretende Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau erwarb sie einschlägige Erfahrungen, die ihr auch in ihrem neuen Aufgabenbereich zugutekommen werden.

ns-gedenkstätten Riedle stammt aus Plochingen (Baden-Württemberg). Sie studierte Neuere Geschichte und Politikwissenschaft in Tübingen und Exeter (Großbritannien). An der Freien Universität Berlin erwarb sie den Doktortitel mit einer Dissertation zum Thema »Die Angehörigen des Kommandanturstabs im KZ Sachsenhausen. Sozialstruktur, Dienstwege und biografische Studien«. Von 2009 bis 2011 war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der »Ständigen Konferenz der Leiter der NS-Gedenkstätten im Berliner Raum« tätig, bevor sie 2012 nach Dachau wechselte.

Bei den beiden Trägern der Topographie-Stiftung, dem Bund und dem Land Berlin, hat Riedle offenbar gute Karten. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) würdigte sie als »ausgewiesene Expertin in der Gedenkstättenarbeit«. Die Bundeskulturbeauftragte wertete die Berufung einer Frau auch als wichtiges Signal über die Gedenkstättenlandschaft hinaus.

Der Berliner Kulturstaatssekretär Torsten Wöhlert (Linke) lobte Riedle als gut vernetzte Historikerin und fachlich versierte Wissenschaftlerin. Sie habe gezeigt, dass sie komplexe historische Themen in Dauer- und Sonderausstellungen publikumswirksam aufbereiten könne.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) würdigte sie als »ausgewiesene Expertin in der Gedenkstättenarbeit«.

gelände Das wird Riedle nun an einem Ort unter Beweis stellen können, der in Berlin wie kaum ein anderer mit dem NS-Regime verbunden ist und nach dessen Ende eine wechselvolle Geschichte hatte. Das Topographie-Gelände liegt im Stadtzentrum, nur wenige Hundert Meter südlich des Hochhaus-Ensembles am Potsdamer Platz.

Gegenüber dem Bundesfinanzministerium, dem früheren NS-Luftfahrtministerium, befanden sich Zentralstellen von SS, Gestapo und weiteren Organisationen des Regimes. In den Kellergefängniszellen, die heute wieder sichtbar sind, wurden politische Häftlinge verhört und gefoltert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die teilweise noch erhaltenen Bauten abgerissen, das Areal planiert und einer Bauschuttverwertungsfirma überlassen. Die Berliner Mauer unmittelbar am Rande des Geländes trug dazu bei, dass dessen Geschichte immer mehr verdrängt werden konnte.

bürgerinitiative Der erste Anlauf für ein Dokumentationszentrum vonseiten des Senats kam Anfang der 80er-Jahre, nachdem eine Bürgerinitiative die Geschichte des Ortes wieder in Erinnerung gerufen hatte. Die Landesregierung lobte einen Wettbewerb zur Gestaltung des Geländes aus, der prämierte Entwurf wurde aber nicht verwirklicht.

Riedle wird sich daran messen lassen müssen, die Dokumentationsstätte durch prägnante Ausstellungen zu profilieren.

An seiner Stelle entstand 1987 im Rahmen der 750-Jahr-Feier Berlins eine provisorische Ausstellungshalle mit Informationen zu den freigelegten Gebäuderesten. Die historischen Kellerfundamente sind ebenfalls in den Ausstellungsrundgang einbezogen.

Rund zehn Jahre später startete der Senat einen neuen Wettbewerb. Prämiert wurde das ambitionierte Konzept des Schweizer Architekten Peter Zumthor. Nachdem der Kostenrahmen von damals 38 Millionen Euro nicht einzuhalten war, wurde der schon begonnene Bau abgerissen. Ein weiterer Anlauf wurde genommen und neuer Bauherr auf Bitten des Landes Berlins der Bund.

Nach dem Entwurf des Berliner Architektenbüros Heinle, Wischer und Partner entstand ein kubischer Bau, der 22 Millionen Euro kostete und die historische Stätte bewusst nicht dominiert. Umso wichtiger wird es für die neue Direktorin, die Dokumentationsstätte durch prägnante Ausstellungen zu profilieren.

Medien

Springer-Chef Döpfner nimmt »Politico«-Redaktion in die Pflicht

Niemand sollte für Axel Springer arbeiten, wenn er Israels Existenzrecht anzweifelt, stellt Mathias Döpfner nach Kritik aus der »Politico«-Redaktion klar

 29.04.2026 Aktualisiert

Zahl der Woche

5 Millionen Bücher

Funfacts & Wissenswertes

 29.04.2026

Forum

Leserbriefe

Kommentare und Meinungen zu aktuellen Themen der Jüdischen Allgemeinen

 29.04.2026

Ausstellung

Caricatura-Galerie Kassel zeigt Cartoons zu jüdischem Leben

»Haben Juden nichts zu lachen?« - Die Caricatura-Galerie in Kassel eröffnet eine Ausstellung mit Karikaturen »zwischen bitterer Ironie und nachdenklicher Leichtigkeit«

 29.04.2026

Programm

Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 30. April bis zum 7. Mai

 29.04.2026

Berlin

Gericht weist Eilantrag zurück: Streit um Filmprojekt mit Sarah Maria Sander geht weiter

Im Zentrum des Rechtsstreits steht die Frage, ob Sander ihre Hauptrolle rechtmäßig verlor. Spielte ihr Engagement für Israel und gegen den palästinensischen Terror dabei eine Rolle?

 29.04.2026

Hanno Loewy

(K)ein Abschied von Hohenems

Der ehemalige Direktor des Jüdischen Museums zieht ein Resümee – nach 22 Jahren als Leiter des Hauses. Zu Besuch in der Villa Rosenthal im österreichischen Vorarlberg

von Nicole Dreyfus  29.04.2026

Fernsehen

»Fauda« kehrt mit neuer Staffel zurück – Handlung nach 7. Oktober überarbeitet

Die Actionserie kommt deutlich verändert daher. Elf Folgen werden präsentiert

 28.04.2026

Kino

32. Jüdisches Filmfestival zeigt rund 60 Filme

Das Jüdische Filmfestival Berlin Brandenburg zeigt in diesem Jahr Produktionen aus 22 Ländern. Neben einem Spielfilm- und Dokumentarpreis wird auch der Nachwuchs gefördert

 28.04.2026