Ausstellung

Estherrolle aus dem Jemen

Koptischer Papyruskodex mit den Sprüchen Salomos (Ägypten, Ende des 4. Jh. n.d.Z.) Foto: Staatsbibliothek zu Berlin – PK, Fotostelle

Ein in Leder gebundener kleiner Papyrus-Kodex aus Ägypten aus dem 4. Jahrhundert n.d.Z. mit den Sprüchen Salomos in koptischer Sprache gilt als ältestes Ausstellungsobjekt. Zu den prächtigsten Exponaten hingegen gehört eine reich mit Miniaturen illustrierte islamische Geschichte der Propheten, aufgeschlagen ist das Bild der Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies. Beide Objekte sind seit Juli in der neuen Sonderausstellung Gläubiges Staunen – Biblische Traditionen in der Islamischen Welt des Museums für Islamische Kunst im Berliner Pergamonmuseum auf der Museumsinsel zu sehen.

Rund 50 wertvolle Handschriften belegen sowohl die Vielfalt der biblischen Traditionen im Vorderen Orient als auch die Adaption biblischer Motive in der islamischen Buchkunst: So zeigen illuminierte armenische Evangeliarien, syrische Pergamentbibeln oder Zeugnisse von Bibelübersetzungen in arabischer Sprache die Verwendung islamischer Motive in der christlichen Buchkunst. Umgekehrt bezeugen reich illustrierte Handschriften aus dem persischen Raum die Beliebtheit biblischer Motive in der islamischen Kultur.

Kulturraum »Wir wollen mit der Ausstellung die Vielfalt an religiösen Traditionen und kulturellen Begegnungen in der islamischen Welt deutlich machen«, erklärt Christoph Rauch, Leiter der Orientabteilung der Staatsbibliothek. Die Ausstellung stellt dabei die verbindende Rolle der Bibel in den Vordergrund: Denn die heiligen Bücher Tora, Bibel und Koran basieren trotz aller religiösen Konflikte in Vergangenheit und Gegenwart auf einer Quelle und entstanden im selben Kulturraum.

Die Reise zu den Ursprüngen der Bibel beginnt mit hebräischen Bibelfragmenten des 9. Jahrhunderts aus dem heutigen Irak und einer Estherrolle aus Leder aus dem Jemen, wo sich bereits seit der Antike Juden niedergelassen hatten. Erste Bibelübersetzungen entstanden in syrischer Sprache im 5. bis 9. Jahrhundert auf dem Gebiet der heutigen Südosttürkei. In der Berliner Ausstellung werden dazu ein kleiner syrischer Reise-Psalter neben einem reich dekorierten Evangeliar präsentiert, dessen Motive islamisches Flechtwerk verwenden.

Miniaturen Besonders schöne Handschriften sind aus der armenischen Tradition erhalten. Die armenische Kirche, um 300 n.d.Z. gegründet, gilt als die älteste Staatskirche überhaupt. Die Beispiele zeigen Miniaturen, in denen sich islamisch-orientalische Motive mit byzantinischer Tradition mischen, wie etwa in der prächtigsten armenischen Handschrift der Orientabteilung, die aus dem georgischen Gori stammt.

Sonderformen der biblischen Kulturen bildeten sich zudem in Äthiopien und im nubischen Christentum heraus. Der Einfluss jüdisch-christlicher Tradition auf den Islam wird im Buchkunstkabinett des Islamischen Museums gezeigt. Er lässt sich im Koran selbst nachweisen, wo einzelne Suren biblische Offenbarungen beschreiben. Aber er ist auch jenseits der Koranabschriften in literarischen und wissenschaftlichen Werken zu finden, in den biblischen Legenden, wie etwa eine Illustration von Joseph, der in den Brunnen geworfen wird, oder die Darstellung der Begegnung von König Salomo mit der heidnischen Königin Bilqis, der arabische Name der Königin von Saba, belegen.

Kontakt Abschließend sind in einem Kabinett zahlreiche farbenfrohe Miniaturmalereien aus Indien zu sehen, die Heiligen- und Madonnenszenen in die indische Kultur übertragen. Sie sind Zeugnisse des direkten Kulturaustauschs über portugiesische Händler der Kolonie Goa mit dem Hof des Mogulkaisers Akbar (Regierungszeit 1556–1605).

In einer Zeit der interreligiösen Konflikte erinnert die Berliner Ausstellung daran, dass Juden, Christen und Muslime in einer Welt lebten und der Kontakt zwischen den Religionen die Kulturen bereichert.

»Gläubiges Staunen – Biblische Traditionen in der islamischen Welt«. Pergamonmuseum, Bodestraße 1–3, Berlin. Bis 15. Oktober. Sonntag bis Samstag von 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr

bibelimorient.staatsbibliothek-berlin.de

Islamische Kunst in Jerusalem

Unter dem Hammer?

Museum will seltene Artefakte bei Sotheby’s anbieten – Israels Präsident Rivlin will das verhindern

von Sabine Brandes  26.10.2020

»Autokratie überwinden«

Demokratische Dissidentin

Masha Gessens Warnschrift ruft zur Stärkung der Institutionen gegen autoritäres Regierungshandeln auf

von Marko Martin  25.10.2020

Batwoman

Die jüdische Superheldin

Sie gehörte schon immer zu den spannendsten Figuren in der Comic-Literatur. Doch erst langsam wird deutlich, wie viel sie zur Sichtbarmachung von queer-jüdischen Frauen beigetragen hat

von Frederek Musall  25.10.2020

Meinung

Alles Einzelfälle?

Die Süddeutsche Zeitung und der Fall Igor Levit: Ein Offener Brief

von Philipp Peyman Engel  22.10.2020

»Borat 2«

Borat stellt Trump-Anwalt Giuliani eine äußerst delikate Falle

Wie in seinem ersten Kultfilm legt Sacha Baron Cohen auch in der Fortsetzung wieder Leute rein

 22.10.2020

Zahl der Woche

30 Mitglieder

Fun Facts und Wissenswertes

 22.10.2020

»Wachaga«

Neues von Kutiman

Den israelischen Künstler hat es musikalisch auf den afrikanischen Kontinent verschlagen

von Sophie Albers Ben Chamo  22.10.2020

Evolution

Der Zoo-Rabbi

Natan Slifkin ist Museumsdirektor und will Naturwissenschaft und Religion versöhnen

von Mareike Enghusen  22.10.2020

»Winterreise«

Gespräche mit dem Vater

Der Film mit Bruno Ganz in der Hauptrolle erzählt die Lebensgeschichte des deutsch-amerikanischen Flötisten Günther Goldschmidt

von Raimund Gerz  22.10.2020