Berlinale

Es war einmal in Deutschland

Moritz Bleibtreu als David Bermann Foto: PR

Hat jemand applaudiert? Ja. Minutenlang und kräftig und zu Recht. Es war einmal in Deutschland ... von Sam Garbarski ist das Highlight der 67. Internationalen Filmfestspiele. Am vergangenen Freitag feierte der Film in der Reihe »Berlinale Special Gala« im Friedrichstadt-Palast Weltpremiere.

Der Film erzählt die Geschichte von David Bermann, grandios gespielt von Moritz Bleibtreu, der, kaum sind die KZs befreit, zusammen mit seinen überlebenden Freunden irgendwie verloren herumsteht im verwüsteten Nachkriegsdeutschland – und den Tätern im Weg.

wirtschaftswunder Die jüdischen Freunde um Bermann schlagen sich durch mit dem Verkauf von Tisch- und Bettwäsche, nutzen das gelegentlich vorhandene schlechte Gewissen der Deutschen aus, machen Geld und fädeln sich ein ins kommende Wirtschaftswunder. Teilacher eben, nach dem gleichnamigen Roman-Bestseller von Michel Bergmann, der auch das Drehbuch geschrieben hat.

»Teilachen ist eine Kunst«, gibt Bermann seinen Kollegen mit auf den Weg, bevor sie zum ersten Mal auf große Verkaufstour gehen. »Es geht nicht darum, nur den Fuß in die Tür zu stellen. Was zählt, ist die Show. Die Kundinnen müssen euch am Ende darum anflehen, bei euch kaufen zu dürfen.«

Obersalzberg Regisseur Garbarski (Der Tango der Rashevskis) überrascht sein Publikum mit einem Kunststück aus Witz und Schwere, aus Tragik und Dreistigkeit. Die Geschichte, die David der US-Offizierin Sara Simon (Antje Traue) verkauft, er habe Hitler in Obersalzberg jüdische Witze erzählen sollen, ist derart irrwitzig, dass sie die Fantasie sprengt. »Wir haben so viel durchgemacht, dass wir es manchmal nicht mal selbst glauben, was war und was nicht«, antwortet David der zweifelnden Offizierin.

Es war einmal in Deutschland ...
ist mitreißend, anrührend, glaubwürdig und völlig anders, als zu befürchten war: eben kein vorsichtiger ängstlicher deutscher Film mit miserabel Jiddisch »sprechenden« Schauspieler, sondern die souveräne und liebevolle Auseinandersetzung der zweiten Generation mit der Geschichte der Eltern, die weg wollten und der Vergangenheit doch nicht entkommen konnten. ja

Lesen Sie mehr über Jüdisches und Israelisches bei der 67. Berlinale in unserer Ausgabe am Donnerstag.

Meinung

Warum der Begriff »Davidstern-Skandal« unpassend ist

Die Formulierung beschreibt den Vorfall nicht nur falsch, sie deutet ihn auch als ein jüdisches Vergehen

von Martin Krauß  30.01.2026

TV-Tipp

Brillanter Anthony Hopkins glänzt in »One Life«

Kurz nach dem Holocaust-Gedenktag zeigt 3sat ein biografisches Drama über den Briten Nicholas Winton, der 1939 Kindertransporte von Prag nach London organisierte und damit mehrere hundert Kinder vor den Nazis rettete

von Jan Lehr  29.01.2026

Kairo/Berlin

Ägypten verbietet Buch zu Gaza-Krieg - Autoren: Das Interesse ist riesig

Ihr Streitgespräch über den Nahostkonflikt sorgte in Deutschland für viel Aufmerksamkeit - doch Ägyptens Zensur verbietet das Buch von Philipp Peyman Engel und Hamed Abdel-Samad. Die Autoren nehmen es eher gelassen

 29.01.2026 Aktualisiert

Literatur

Waisenkinder des Lebens

Aus Barbara Honigmanns neuem Buch »Mischka. Drei Porträts« lässt sich erfahren, welch strenge Schönheit und unprätentiöse Würde in der Erinnerung liegen

von Marko Martin  29.01.2026

Kulturkolumne

Jüdischer Humor als Überlebensstrategie

»Happy Place«: Eine TV-Serie, bei der es sich sicher anfühlt zu lachen, aber den Schmerz dahinter auch tatsächlich zu spüren

von Laura Cazés  29.01.2026

Rechtsstreit

Bericht: Schauspielerin verliert Hauptrolle wegen Pro-Israel-Haltung

In »Die Todessehnsucht der Maria Ohm« sollte Sarah Maria Sander laut Vertrag die Hauptrolle spielen

 29.01.2026

Kino

»EPiC: Elvis Presley In Concert« feiert Kinostart

Laut Regisseur Baz Luhrmann ist das Werk weder eine reine Dokumentation noch ein klassisches Konzertfilm-Format, sondern ein tiefgründiges Porträt des 1977 verstorbenen jüdischen Stars. Die Kritiker sind beeindruckt

 29.01.2026

Australien

»Respekt für Gil«

Was das Dschungelcamp an seinem 5. Tag abliefert, könnte glatt schon hart an die großen Brecht’schen Dramen heranreichen

von Martin Krauss  29.01.2026

Fernsehen

Gil Ofarim: »Das kann es nicht gewesen sein«

Was genau er damit meint und ob er sich auf den Skandal bezieht, der das öffentliche Bild von ihm zuletzt geprägt hatte, lässt Ofarim als Cliffhanger offen

 28.01.2026