Berlin

Erinnerung an eine verlorene Zeit

Sie gehören zur ältesten jüdischen Gemeinde der Welt, die Wiege des Babylonischen Talmuds ist und lange Zeit das kulturelle Zentrum des Judentums war. Doch nach der Staatsgründung Israels 1948 wurden die Juden im Irak von den irakischen Regierung und den Bürgern des Landes angegriffen, enteignet und schließlich aus dem Land getrieben.

Heute, rund 70 Jahre nach dem Exodus von mehr als 130.000 irakischen Juden, gibt es schon längst keine jüdische Gemeinde mehr in dem Zweistromland. Noch immer ist ihre Geschichte jedoch – und auch die von insgesamt 850.000 Juden aus den arabischen Ländern und dem Iran – in Israel nicht so geläufig wie das Schicksal der Aschkenasim. Um dies zu ändern, verabschiedete das israelische Parlament 2014 ein Gesetz, das den 30. November als Gedenktag für die vertriebenen orientalischen Juden festlegt.

»jüdische Nakba« Am Donnerstagabend hat die israelische Botschaft in Berlin anlässlich des Gedenktages den Film The Dove Flyer gezeigt. Das Werk des israelischen Regisseurs Nissim Dayan basiert auf dem gleichnamigen Roman des aus Bagdad stammenden jüdischen Schriftstellers Eli Amir und erzählt die »jüdische Nakba« in Irak aus der Perspektive des 16-jährigen Schülers Kabi Amari aus Bagdad.

Jeder in seiner Familie liebt seine irakische Heimat gleichermaßen – doch jedes Familienmitglied träumt seinen eigenen Traum. Die Mutter möchte vom jüdischen zurück in das muslimische Viertel ziehen, wo sie sich sicherer fühlte. Ihr Mann will endlich Alija machen, zumal der Druck für Juden immer stärker wird, das Land zu verlassen. Abu, ein Nachbar und guter Freund der Familie, scheint sich indes nur für seine geliebten Tauben zu interessieren.

Der junge Kabi ist hin- und hergerissen. Einerseits liebt er den Irak. Andererseits merkt auch er, dass die Flucht in den gerade gegründeten jüdischen Staat immer unausweichlicher wird. Als schließlich sein Onkel Hazkael verhaftet wird, begibt er sich auf die Suche nach ihm und schließt sich gegen den Willen seiner Mutter der zionistischen Untergrundbewegung an. Schon bald darauf wird er von der brutalen Geheimpolizei beschattet – ein lebensgefährliches Katz-und Maus-Spiel beginnt.

mizrachim Im Anschluss an die Filmvorführung diskutierten der Publizist Daniel Dagan und der Schriftsteller Mati Shemoelof über das Schicksal der Mizrachim. Ob die Darstellung im Film realistisch sei, fragte Moderatorin Signe Rossbach, Kuratorin für Veranstaltungen im Jüdischen Museum Berlin. Und sowohl Dagan als auch Shemoelof bestätigten – auch auf Verweis ihrer eigenen arabisch geprägten Familiengeschichte –, dass die Alija von Iraks Juden zu den größten jüdischen Migrationsbewegungen und zugleich unbekanntesten der Geschichte zählt.

»Das ändert sich zum Glück nun langsam«, sagte Shemoelof, dessen Großmutter nach 1948 Alija machte. Auch wegen der politischen Situation im Irak, wie er betonte. »Sie wäre gern dort geblieben – wie die meisten Juden. Nur etwa zehn bis 20 Prozent waren Zionisten.«

Daniel Dagan schlug die Brücke zur Gegenwart und betonte, dass es auch heute noch viele Minderheiten gebe, die ihre Heimat verlassen müssten, weil sie angefeindet werden. »Das ist zurzeit etwa in Syrien und Irak zu beobachten«, sagte Dagan, dessen Familie ursprünglich aus Syrien stammt – und der selbst als Siebenjähriger mit seinen Eltern 1951 von Ägypten nach Israel floh.

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