Judenhass

»Eindeutig antisemitisch positioniert«

Prominentester BDS-Anhänger: der Musiker Roger Waters Foto: pr

Ein geplanter Auftritt des Pink-Floyd-Gründungsmitgliedes Roger Waters in München hat wegen dessen politischen Ansichten massive Kritik ausgelöst. Bayerns Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle sagte, Waters habe sich als Unterstützer der Israel-Boykott-Bewegung BDS eindeutig antisemitisch positioniert.

»Ich wünsche mir, dass der Musiker sich deutlich von der Bewegung Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen (BDS) distanziert«, teilte er mit. »Die konkrete Politik jeder Staatsregierung, auch der israelischen, darf man kritisieren. Aber das Existenzrecht des Staates Israels ist für mich unverhandelbar.«

Er forderte die Stadt auf, den Vertrag für das im März 2023 in der städtischen Olympiahalle geplante Konzert zu kündigen, sollte Waters sich nicht von der in Zielen und Handlungen antisemitischen Boykott-Bewegung distanzieren. 

Das Simon-Wiesenthal-Zentrum hatte Waters 2018 Platz zehn der Rangliste der schlimmsten antisemitischen Vorfälle zugewiesen. Die BDS-Bewegung ruft Musiker, Sportler, Firmen und Politiker dazu auf, nicht in Israel zu investieren oder dort aufzutreten. Waters hat Vorwürfe des Antisemitismus zurückgewiesen und betont, diese Vorwürfe würden immer erhoben, wenn jemand Kritik an israelischer Politik übe. 

Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) beurteilte auch Äußerungen Waters‘ zum Krieg gegen die Ukraine kritisch. »Im Lichte der verschwörungstheoretischen Äußerungen zum Angriffskrieg Russlands kann ich auch mit Blick auf unsere Partnerstadt Kiew, die gerade wieder schreckliche Bombenangriffe durch Russland erlebt, nur die Olympiapark GmbH bitten, nochmal zu prüfen, ob dieses Konzert tatsächlich stattfinden muss«, teilte er mit. »Es irritiert mich sehr, dass die Olympiapark GmbH dieses Konzert auf städtischem Grund stattfinden lässt. Ich hatte davon keine Kenntnis.« Zuvor hatte die »Süddeutsche Zeitung« über Kritik aus der Münchner Politik an dem Konzert berichtet. 

Die Olympiapark München GmbH wiederum teilte dazu auf Anfrage am Montag mit: »Wir haben uns mit den zuständigen Stellen der Stadt abgestimmt und Einschätzungen der Juristen wie auch der Verwaltung kamen zu dem Schluss, dass es keine rechtssicher vertretbare Möglichkeit gebe, dem Veranstalter von Roger Waters die Olympiahalle nicht zu vermieten.«

Der stellvertretende Geschäftsführer der GmbH, Nils Hoch, sagte der »Süddeutschen Zeitung«, dass es »juristisch keinen Grund mehr gegeben« habe, »den Termin nicht anzubieten«. Denn Anfang 2022 hatte das Bundesverwaltungsgericht entschieden, dass München für eine Veranstaltung zur israelfeindlichen BDS-Bewegung kein Saalverbot verhängen dürfe. Inhaltlich stehe er bei der Kritik an Waters aber »voll auf der Seite des OB«, sagte Hoch. 

Dem gegenüber steht ein Beschluss des Deutschen Bundestages, wonach BDS als judenfeindlich einzustufen ist und mit öffentlichen Geldern und Räumlichkeiten nicht gefördert werden darf.

Bereits in der Vergangenheit fiel Waters durch Hetze gegen Israel und seinen Unterstützern auf. Im Jahr 2013 setzte er Israels Vorgehen gegen die Palästinenser auf eine Stufe mit dem der Nazis gegen die Juden. Bei einer Tour im Jahr 2017 wurde ein mit einem Davidstern markiertes Schwein auf die Bühne projiziert, das Waters dann mit einem Maschhinengewehr abschoss.

Kritik an solchen und ähnlichen Aktionen und Aussagen rückte der Rocker schon mal in die Nähe von Goebbels’ Propaganda. Er sieht sich als Opfer der »jüdischen Lobby«, die »in der Musikindustrie besonders mächtig« sei.

Der Brite Waters, dessen Band in ihrer Hymne »Another Brick In The Wall« sang »We don’t need no thought control«, hatte im August mit Äußerungen zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine weltweit für Empörung in Kiew und für Beifall in Moskau gesorgt. US-Präsident Joe Biden »schürt das Feuer in der Ukraine«, sagte er damals dem US-Moderator Michael Smerconish. »Das ist ein großes Verbrechen.« Waters behauptete gegen den Widerspruch Smerconishs, die USA verlängerten die Dauer des Krieges. Wenn Biden wolle, wäre der Krieg »morgen beendet«. 

Russlands Ex-Präsident Dmitri Medwedew fühlte sich damals bestätigt. »Es gibt noch adäquate Leute im Westen. Pink Floyd forever«, schrieb er auf seiner Seite im sozialen Netzwerk vkontakte. Seinen Kommentar unterlegte er mit dem Lied »Wish You Were Here« von Waters. dpa/ja

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