Berlin

»Eine Zierde der Stadt«

Neue Synagoge Berlin Foto: imago/Westend61

Mit ihren teilvergoldeten Kuppeln prägt die Neue Synagoge in der Oranienburger Straße bis heute das Berliner Stadtbild. Einst war sie die größte und schönste Synagoge in Deutschland und das selbstbewusste Zeugnis der Juden Berlins. Die Synagoge stelle »alles in den Schatten, was die christlichen Kirchen unserer Hauptstadt aufzuweisen haben«, erklärte 1865 der Schriftsteller Theodor Fontane kurz vor der Eröffnung. Es sei eine »Zierde der Stadt«.

Akten von hunderten jüdischen Gemeinden, zahlreiche Familien-Nachlässe, Ausstellungen und Veröffentlichungen machen das Centrum Judaicum in Berlin auch heute noch zu einem der wichtigsten Orte jüdischen Lebens in Deutschland. Heute vor 25 Jahren wurde die Informationsstelle für jüdisches Leben im denkmalgeschützten Gebäude der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße in Berlin-Mitte gegründet - nach mehrjährigem Wiederaufbau. Eine Dauerausstellung über die Geschichte der Synagoge und des jüdischen Lebens, eine Bibliothek und ein Archiv sind hier untergebracht. Als gemeinsame Einrichtung der jüdischen Gemeinde und des Landes Berlin ist es zudem Sitz der Jüdischen Gemeinde.

Das Gebäude an sich ist dabei für die Stiftung von zentraler Bedeutung - »wir haben es zum wichtigsten Objekt erklärt«, sagte Direktorin Anja Siegemund bei der Eröffnung der neuen Dauerausstellung des Centrums Judaicum im Jahr 2018. »Die Synagoge ist Symbol für das Selbstverständnis, deutsch, berlinerisch und jüdisch zu sein.« Der Name der Schau »Tuet auf die Pforten« soll dabei Sinnbild für die Offenheit der Einrichtung sein. Das Bibel-Zitat stand in hebräischen Schriftzeichen bereits auf dem Portal der historischen Synagoge.

In normalen Zeiten - das Museum hat zur Zeit wegen der Corona-Krise geschlossen - drängen sich im Eingangsbereich der Einrichtung zahlreiche Schulklassen und Touristen, um die Sicherheitskontrollen zu durchlaufen. Neben der Architektur gibt es Fundstücke aus der Synagoge, Infotafeln, Filme sowie Zeitzeugeninterviews zu sehen. Von April bis September kann auch die Kuppel besichtigt werden.

Die Synagoge entstand einst als Projekt eines Gotteshauses, das in seiner Pracht das gestiegene Selbstbewusstsein der jüdischen Bevölkerung zum Ausdruck bringen sollte. Schon die Namen der Architekten zeigen, dass der Bau nicht als Vorhaben einer Randgruppe gesehen wurde wie heute mancher Moscheebau: Zunächst war es Chefsache von Eduard Knoblauch (1801-1865), einem Mitglied der preußischen Akademie der Künste, dann des preußischen Hofbaurates Friedrich August Stüler (1800-1865), des »Architekten des Königs«.

Sie schufen ein ungewöhnliches Werk, das unter den preußisch-strengen Ziegelbauten der Umgebung hervorstach. Der Kuppelbau weist zahlreiche orientalisch anmutende Elemente auf. Als Inspiration diente die Alhambra, die maurische Residenz im südspanischen Granada. Von den gewaltigen Ausmaßen des ehemaligen Synagogenhauptraumes mit 3200 Sitzplätzen kann man sich auch heute noch auf der Freifläche hinter den restaurierten Gebäudeteilen im Rahmen einer Führung überzeugen.

Im Zuge der Novemberpogrome im Jahr 1938 wollten Nationalsozialisten auch das architektonische Symbol des Berliner Judentums in Schutt und Asche legen. Es loderten schon Flammen, als der Streifenpolizist Wilhelm Krützfeld einschritt. Unter Hinweis auf den Denkmalschutz alarmierte er die Feuerwehr, die den Brand löschte. Heute erinnert eine Gedenktafel an der Synagoge an den Gesetzeshüter.

Den Folgen des NS-Regimes entging die Synagoge dennoch nicht. Britische Bomben verursachten 1943 große Schäden. Nachdem man später, im Jahr 1958, den Synagogenhauptraum gesprengt hatte, standen nur noch die an der Straße gelegenen Gebäudeteile. Von einst 170.000 Mitgliedern schrumpfte die Berliner jüdische Gemeinschaft nach Mord und Vertreibung im Dritten Reich auf einige tausend Menschen, von denen nur wenige in Ost-Berlin lebten.

Ihrer erinnerte sich das SED-Regime in seinen letzten Jahren, um sein internationales Ansehen zu verbessern. So fand 1988, fast genau ein Jahr vor dem Mauerfall, die symbolische Grundsteinlegung für einen Wiederaufbau statt. Dann überschlugen sich die politischen Ereignisse. Sie stellten die Weichen für die Zukunft der Synagoge neu - das Centrum Judaicum wurde gegründet.

Jüdisches Museum Frankfurt

Vorübergehend geschlossen

Das Haus muss elf Tage nach Eröffnung wegen Corona-Vorschriften dichtmachen. Ausstellung ist online zu sehen

 30.10.2020

Universität Augsburg

Neue Gastprofessorin für Jüdische Geschichte

Annett Martini ist Spezialistin für jüdische Kulturgeschichte im Mittelalter

 30.10.2020

Helmut Newton

»Ich bin ein professioneller Voyeur«

Zum 100. Geburtstag: International anerkannt und heftig kritisiert, zählt der Fotograf zu den wichtigsten seiner Zeit

von Gerd Roth  30.10.2020

USA

Dritte Ehe für Scarlett Johansson

Die amerikanische Schauspielerin und der Komiker Colin Jost haben im kleinen Familien- und Freundeskreis geheiratet

 30.10.2020

Liebesdreieck

Durch den Magen

Die ZDF-Komödie »Matze, Kebab und Sauerkraut« will von allem etwas bieten

von Sophie Albers Ben Chamo  29.10.2020

Heidelberg

Nur Sprache schafft Verstehen

Werner Arnold ist der neue Rektor der Hochschule für Jüdische Studien

von Eugen El  29.10.2020

Essay

Ödnis und Refugium

Chaim Noll schreibt eine Literaturgeschichte der Wüste – jenseits germanistischer Drögheiten

von Marko Martin  29.10.2020

Lesen!

Onkel Ottos Papiertheater

Die Journalistin Brigid Grauman erzählt die Geschichte ihrer Wiener Vorfahren

von Eva-Elisabeth Fischer  29.10.2020

Finale

Der Rest der Welt

Hanteln, Gewichte, Corona: Wieso ich ins Fitnessstudio gehe

von Eugen El  29.10.2020