Frankfurt

Ein offenes Haus

Doron Kiesel, Mark Dainow, Sabena Donath, Uwe Becker und Harry Schnabel (v.l.) Foto: Herlich GbR

»Jüdisches Wissen und jüdisches Leben unter dem Dach des Zentralrats in einem jüdischen Haus«: So umreißt Sabena Donath ihre Vision der künftigen Jüdischen Akademie. Deren Umsetzung ist nun einen Schritt näher gerückt.

In Frankfurt wurde am Montag das Bauschild der Jüdischen Akademie offiziell enthüllt. Uwe Becker, Bürgermeister und Kämmerer der Stadt Frankfurt sowie Hessens Beauftragter für Jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus, Mark Dainow, Vizepräsident des Zentralrats der Juden, und Harry Schnabel, Präsidiumsmitglied des Zentralrats sowie Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, waren bei der Zeremonie anwesend.

Die Jüdische Akademie gibt der Bildungsabteilung ein festes Dach.

Auch Sabena Donath, Leiterin der Bildungsabteilung im Zentralrat der Juden, und Doron Kiesel, wissenschaftlicher Direktor der Bildungsabteilung, kamen zur Enthüllung des Bauschilds am Gelände der künftigen Jüdischen Akademie nahe der Frankfurter Messe. Die Akademie soll die Arbeit der Bildungsabteilung fortsetzen und ihr ein festes Domizil geben. Im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen betont Kiesel die gute Verkehrsanbindung ihres Standorts: »Wir sind zentral angesiedelt.«

VÄTER Die Jüdische Akademie werde ein »Ausrufezeichen« für ein aktives jüdisches Leben sein, das sich durch lebendige Debatten manifestieren werde, sagte Uwe Becker bei der Enthüllung des Bauschilds. Die Akademie werde ein »jüdischer Thinktank« sein. Becker sprach vom »Beginn der baulichen Umsetzung eines Traums«.

Mark Dainow dankte dem scheidenden Frankfurter Bürgermeister im Namen des Zentralrats der Juden für sein Engagement für das Zustandekommen des Bauvorhabens. Auch Harry Schnabel würdigte Becker als »Vater der Realisierung« der Jüdischen Akademie. Als »Vater des Gedankens« der Akademie benannte er den früheren Zentralratspräsidenten Dieter Graumann, in dessen Amtszeit die Bildungsabteilung ihre Arbeit aufnahm.

Das auf rund 34,5 Millionen Euro bezifferte Bauprojekt wird vom Bund, vom Land Hessen und von der Stadt Frankfurt am Main gefördert. Bauherr ist der Zentralrat der Juden in Deutschland. Der Spatenstich ist für September geplant. Die Bauarbeiten sollen im Oktober beginnen und voraussichtlich bis Dezember 2023 dauern. Neben einem bestehenden Gebäude, das früher von der Goethe-Universität genutzt wurde, wird das Ensemble einen vom Frankfurter Architekturbüro Turkali Architekten entworfenen Neubau umfassen. Dort sollen Konferenzen und Seminare sowie Ausstellungen und Konzerte stattfinden.

Innerjüdische Debatten sollen dort ebenso stattfinden wie interreligiöse und interkulturelle.

NEUGIER Doron Kiesel wünscht sich für die künftige Akademie »Gespräche und Kontaktaufnahme«, »lebendige und kreative Formen von Auseinandersetzung« sowie »Menschen, die neugierig sind auf eine jüdische Perspektive«. Innerjüdische Debatten würden dort ebenso stattfinden wie interreligiöse und interkulturelle.

Auch Mark Dainow betont das Dialogpotenzial, das die Jüdische Akademie eröffnen wird: »Nur im Gespräch, nur, wenn man sich kennt, ist es möglich, Vorurteile abzubauen.« Die Akademie werde ein offenes Haus sein, so Dainow: »Damit man miteinander und nicht übereinander
spricht.«

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