Julya Rabinowich

Ein Kontinent namens Hierbleiben

Die Autorin Julya Rabinowich (52) Foto: picture alliance / dpa

Julya Rabinowich

Ein Kontinent namens Hierbleiben

Das Jugendbuch »Dazwischen: Wir« ist ein dichter, sprachgewandter und anrührend-komischer Text über Erwachsenwerden

von Hadassah Stichnothe  22.06.2022 15:11 Uhr

Fortsetzungen sind eine heikle Sache, besonders, wenn es sich um die eines mehrfach preisgekrönten Vorgängers handelt. Umso beglückter stellt man fest, dass die Geschichte von Madina, von deren Ankommen nach der Flucht aus einem Kriegsgebiet Julya Rabinowichs erster Jugendroman Dazwischen: Ich handelte, auch in seiner Fortführung überzeugt.

Für Madinas Familie ist die Situation trotz positiven Asylbescheids und neuer Wohnung weiterhin schwierig. Von ihrem Vater, der ins Kriegsgebiet zurückgekehrt ist, fehlt jede Spur, und während ihre Tante in der neuen Umgebung aufblüht, fällt die Mutter in eine tiefe Depression, der kleine Bruder hat Probleme im Kindergarten. Für Madina bedeutet das: Sie ist wieder einmal verantwortlich für alles, was schieflaufen könnte. Gleichzeitig wird sie mit einer immer feindseliger werdenden Stimmung gegenüber den »Fremden« im Ort konfrontiert.

FARBENSYMBOLIK Um diesen Umschwung zu beschreiben, verwendet der Roman eine simple, aber wirkungsvolle Farbsymbolik. Das Himmelblau des Einbands von Dazwischen: Ich ist einem Rot gewichen, rot wie das neue Tagebuch von Madina, rot wie ein »Königinnenmantel« – aber auch rot wie die Schmierereien, die plötzlich in ihrem neuen Heimatort auftauchen. Es beginnt mit einem nur halb lesbaren Satz: »Wir wollen keine« steht da an einer Wand, und man ahnt, was hätte folgen sollen. Dann wird Madina von einem Betrunkenen rassistisch beleidigt, und wenig später steht der mit zwei anderen am Hauptplatz.

Bald sind es fünf, dann zehn, irgendwann sind sie eine angemeldete Demonstration, »ein richtiges Idiotenschneeballsystem«. Doch während die Situation immer bedrohlicher wird, erkennt Madina, dass sie weder hilflos noch allein ist. Dazwischen: Wir zeigt nicht nur beispielhaft, wie schnell sich aus vagem Misstrauen und einzelnen Beleidigungen plötzlich ein aggressiver Hass entwickeln kann.

Es ist auch ein dichter, sprachgewandter und anrührend-komischer Text über das Erwachsenwerden und Weiterankommen der Hauptfigur und ihrer Familie auf diesem »Kontinent namens Hierbleiben«. Und am Ende ist zwar längst nicht alles gut. Aber auch nicht ohne Hoffnung.

Julya Rabinowich: »Dazwischen: Wir«. Hanser, Berlin 2o22, 256 S., 17 €

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Imanuel Marcus, Katrin Richter  04.02.2026

Zahl der Woche

2000 Jahre

Fun Facts und Wissenswertes

 04.02.2026

Programm

Colloquium, Konservatorium, Mysterium: Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 5. Februar bis zum 12. Februar

 04.02.2026

Australien

Gil Ofarim entschuldigt sich bei Leipzig und Sachsen

Die zwölfte Folge des »Dschungelcamps« im Überblick

von Martin Krauss  04.02.2026

»Stefan Raab Show«

RTL löscht »Betrüger-Gen«-Clip über Gil Ofarim

Nach Berichterstattung der »Jüdischen Allgemeinen« reagiert der Privatsender

 03.02.2026

Fernsehen

Empathie im Dschungelcamp: Und dann reicht Gil Ariel die Hand

Die elfte Folge steckte voller Überraschungen

von Martin Krauß  02.02.2026

Kommentar

Antisemitismus im »Safe Place«: Die Kunstakademie Düsseldorf macht’s möglich

Eine Kunstakademie sollte Räume für kritisches Denken öffnen - aber nicht für Ideologien, die Menschenfeindlichkeit salonfähig machen

von Nicole Dreyfus  02.02.2026

Kino

»Disclosure Day«: Steven Spielberg bringt neuen Alien-Film ins Kino

Der jüdische Regisseur legt mit seinem neuen Sci-Fi-Drama ein geheimnisvolles Werk vor, das einen ganz neuen Ansatz verfolgen soll

 02.02.2026

Meinung

Antisemitismus auf Sendung

RTL zeigte ein Video zu einem »Betrüger-Gen« von Gil Ofarim – ausgerechnet am Holocaust-Gedenktag. Nun wird das Video offline genommen. Doch das ist nur das Minimum an Konsequenzen

von Ayala Goldmann  03.02.2026 Aktualisiert